Kartellverdacht – Deutsche Airline offenbar Kronzeuge
EU-Razzia bei Lufthansa und Konkurrenten

Die EU-Kommission hat mehrere internationale Fluggesellschaften wegen des Verdachts auf Kartellabsprachen durchsucht. Davon sind die Lufthansa und Konkurrenten betroffen.

HB BRÜSSEL. Die EU-Kommission hat mehrere internationale Fluggesellschaften wegen des Verdachts auf Kartellabsprachen durchsucht. Zu den überprüften Firmen gehören die Deutsche Lufthansa und die niederländische KLM, wie die Fluggesellschaften mitteilten.

Die EU-Wettbewerbshüter in Brüssel erklärten, es gebe Anhaltspunkte dafür, dass Unternehmen, die Langstrecken-Flügen in Länder außerhalb der EU anbieten, wettbewerbsbeschränkende Absprachen getroffen hätten. An den Durchsuchungen waren nach Angaben aus Brüssel auch Vertreter nationaler Wettbewerbsbehörden beteiligt, darunter auch das Bundekartellamt, wie dessen Sprecherin Silke Kaul bestätigte. Die Inspektionen hätten den ersten Schritt in einer Kartelluntersuchung dargestellt, so die Kommission. Sie betonte: "Die Inspektionen bedeuten nicht, dass die Unternehmen schuldig sind."

Die Lufthansa erklärte, ihre Büros seien von der Wettbewerbsaufsicht überprüft worden. Die Airline werde mit der EU "vollumfänglich" zusammenarbeiten. Auch Alitalia war unter den aufgesuchten Airlines, wie ein mit dem Vorgang Vertrauter von Alitalia bestätigte. Die Fluggesellschaften British Airways, SAS, Swiss, Iberia und Virgin erklärten, sie seien von den Razzien nicht betroffen. Air Berlin, Condor und Tuifly bieten keine Flüge nach Japan an. Dort hat es nach Angaben der Unternehmen auch keine Untersuchungen gegeben.

Laut Lufthansa liegen der Kommission Informationen vor, wonach es zwischen Fluggesellschaften in Europa und Japan möglicherweise wettbewerbswidrige Preisabsprachen gegeben habe. Die Brüsseler Behörde erklärte, die Razzia bedeute nicht, dass die Schuld der Unternehmen schon bewiesen sei. Fristen für Entscheidungen in Kartellverfahren gebe es nicht. Dies hänge von der Komplexität des Falles und der Kooperationsbereitschaft der Unternehmen ab.

Nach Informationen des Handelsblatts aus mit dem Fall vertrauten Kreisen soll sich die Lufthansa als Kronzeuge zur Verfügung gestellt und dadurch maßgeblich zur Aufdeckung des Kartells beigetragen haben. Zu diesem Aspekt wollte sich die Lufthansa nicht äußern.

Airline-Analysten zeigten sich überrascht. Das Thema scheine neu zu sein, sagte Martina Noß von der NordLB. Zu der Bedeutung könnte derzeit noch nichts gesagt werden, fügte Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg hinzu.

Im Luftfracht-Geschäft läuft bereits eine Kartelluntersuchung, bei der die Lufthansa und SAS im Visier sind.

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