Kartellverfahren gegen Coca-Cola als Testfall für Regulierung von Regalflächen: EU will Supermärkten künftig Produktplatzierung diktieren

Kartellverfahren gegen Coca-Cola als Testfall für Regulierung von Regalflächen
EU will Supermärkten künftig Produktplatzierung diktieren

Die EU-Kommission will in die Produktpräsentation von Supermärkten und Handelshäusern eingreifen. Das deutet sich an, nachdem EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti offenbar entschlossen ist, gegen Coca-Cola ein Kartellverfahren zu eröffnen. Wahrscheinlich im Mai werde die Behörde die Einleitung eines Verfahrens beschließen, verlautete gestern aus der Kommission.

BRÜSSEL. Im Fall des US-Softdrink-Herstellers geht es um die Klärung der Frage, ob der weltweit führende Getränkekonzern in Deutschland, Belgien und Großbritannien Supermärkte mit unerlaubten Rabatten lockt, um im Gegenzug für die eigenen Produkte wie Coke, Fanta und Sprite die attraktivsten Regalplätze zugewiesen zu bekommen. Auch die Sortimentnachlässe für Hotels, Bars, Restaurants und öffentliche Getränke-Automaten stehen in Brüssel auf dem Prüfstand.

Die EU-Wettbewerbsbehörde glaubt, dass der US-Konzern mit seiner Rabattpolitik Mitbewerber buchstäblich an den Regalrand schiebt und damit seine Macht als Marktführer missbraucht. Kürzlich verschickte die Kommission Fragebögen an mehr als 70 Supermärkte in den betroffenen Ländern, und verlangte Auskunft über die Verträge zwischen Coca-Cola und den Handelsketten. Die Untersuchung der Kommission geht zurück auf eine Beschwerde der Pepsi Co. aus dem Jahr 1999. Coca-Cola droht ein empfindliches Bußgeld in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe.

Der Sprecher der Londoner Europa-Zentrale von Coca-Cola, Jonathan Chandler, weist die Vorwürfe der Kommission zurück. „Wir sind schon 1989 zu einer Vereinbarung mit Brüssel über unsere Rabattsysteme gekommen“, sagte Chandler dem Handelsblatt. Danach beschränke das Unternehmen Nachlässe generell auf drei Monate. Rabatte mit dem Ziel, über längere Zeiträume hinweg bestimmte Umsatzsteigerungen zu erreichen, seien untersagt worden. Die Kommission hat Coca Cola allerdings in Verdacht, seine Verpflichtungen zu umgehen.

Eine Entscheidung gegen den Softdrink-Giganten wäre ein wichtiger Präzedenzfall für den Handel. Marktbeherrschende Unternehmen müssen sich dann – nicht nur bei Lebensmitteln – an den von der Kommission sanktionierten Grundsatz halten, dass Konkurrenzprodukte durch die Platzierung des führenden Anbieters nicht benachteiligt werden dürfen. Der Brüsseler Regulator hätte also bei der Entwicklung der Vertriebskonzepte ein wichtiges Wort mitzureden.

Beim Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) sieht man die sich abzeichnende Entwicklung mit Misstrauen. HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr plädiert für die Erhaltung marktwirtschaftlicher Lösungen. „Der Wettbewerb um die besten Regalflächen ist hart“, räumt Pellengahr ein. Dieser Kampf sei „Teil der Verhandlungen zwischen Hersteller und Handelsunternehmen“. Letztlich entscheide „allein der Preis“ über die Platzierung.

Brüsseler Wettbewerbsexperten registrieren einen wachsenden Trend der Kartellbehörde, regulatorisch in die Darbietung von Produkten einzugreifen. So geht es im Kartellverfahren gegen Microsoft unter anderem um den Vorwurf, dass das Symbol des MediaPlayers von Microsoft automatisch auf dem Bildschirm erscheint, während andere Musikabspielsysteme im Internet gesucht werden müssen.

Die neuen EU-Regeln für den Automobilvertrieb in Europa verpflichten die Vertragshändler der Hersteller, in ihren Filialen auch die Wagen anderer Marken auszustellen. Bei der Gestaltung der Verkaufsräume achtet die Kommission bis ins Detail auf Gleichbehandlung der verschiedenen Marken. Selbst bei der Wahl der Fliesen will die Monti-Behörde nach Angaben eines Brüsseler Automobilmanagers mitreden.

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