Kartellvorwürfe: Frachtfluglinien unter Generalverdacht

Kartellvorwürfe
Frachtfluglinien unter Generalverdacht

Die Ermittlungen wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen in der Luftfrachtbranche haben sich auf mehr als ein Dutzend Fluggesellschaften bis nach Asien und Nordamerika ausgeweitet. Unter Kartellverdacht stehen inzwischen auch die US-Marktführer American Airlines und United Airlines sowie in Südkorea der Fracht-Riese Korean Airlines und sein kleinerer Wettbewerber Asiana. Die Kartellbehörden der EU und der USA ließen gestern zudem Büros von Japan Airlines, Singapore Airlines und Cathay Pacific (Hongkong) durchsuchen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Initiative ging offenbar von den US-Kartellbehörden aus, die Brüssel informierten und dann gemeinsam mit der EU-Kommission aktiv wurden. Die Wettbewerbshüter hatten am Dienstag mit Untersuchungen bei europäischen Fluglinien begonnen, darunter befinden sich mit Air France-KLM, Lufthansa, British Airways und SAS die vier Branchen-Schwergewichte des Kontinents. „Wir sind überrascht, dies ist ein schwerwiegender Vorwurf“, sagte Marc Boudier, Vize-Präsident der Frachttochter von Air France-KLM. Aus einer Pressemitteilung der skandinavischen SAS geht hervor, dass die Kartellwächter Preiszuschläge untersuchen, die derzeit branchenweit für Kerosin oder für gestiegene Sicherheitskosten erhoben werden.

Lufthansa Cargo, bis zur Fusion zwischen Air France und KLM 2004 die größte Fracht-Airline der Welt, hat den Treibstoffzuschlag im vergangenen Jahr sieben Mal erhöht und in jeweils Fünf-Cent-Stufen zweimal gesenkt – als Folge des galoppierenden Ölpreises. Mit aktuell 45 Cent pro Kilogramm Fracht liegt der Zuschlag auf vereinzelten Strecken inzwischen höher als die eigentliche Frachtrate. Das Unternehmen verändert diesen Zuschlag nach einem im Internet veröffentlichten Prinzip, das starr an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt ist. Die Methodik des so genannten „Fuel Price Index“, den Lufthansa Cargo einst konzipierte, wird in der Branche inzwischen als Standard betrachtet. „Wenn jemand eine gute Idee hat, laufen die anderen hinterher,“ sagt Chris Avery, Luftfahrt-Analyst bei JP Morgan.

Dass die Frachtflieger ihre Zuschläge fast zeitgleich anpassen – zuletzt in immer höhere Regionen – bringt Geschäftskunden auf die Barrikaden. Heiner Rogge, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), unterstützt die Beschwerdeführer: „Wer sich seit Jahren einer Lösung unter Geschäftspartnern verweigert, muss jetzt die Konsequenzen dafür tragen“, sagte er dem Handelsblatt. Fluglinien widersetzten sich seit Jahren dem Bemühen, Regelungen für eine Kompensation der durch die Zuschläge entstehenden Mehrkosten der Spediteure zu finden. Beschwerden kämen vor allem von belgischen und italienischen Firmen sowie aus der Schweiz. Auch deutsche Spediteure hätten sich mehrfach über diese Praxis beklagt. Eine Sprecherin des deutschen Kartellamts bestätigte, dass es bereits Beschwerden aus Verbandskreisen gegeben habe. Das laufende Verfahren sei aber Sache der EU-Kommission.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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