Katjes geht in die Zukunft
Fruchtgummis aus dem 3D-Drucker

In der „magischen Süßigkeitenfabrik“ von Katjes können Besucher Weingummis nach eigenen Wünschen designen und vor Ort ausdrucken. Das Familienunternehmen schafft damit eine neue Attraktion für Berlin-Touristen.
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BerlinMit computergesteuerter Präzision saust die kleine Drucker-Düse über den Teller und hinterlässt eine grüne Spur. Mit etwas Fantasie sind kleine Pfoten erkennbar. Schicht für Schicht baut der 3D-Drucker einen unregelmäßig geformten Haufen auf, eineinhalb Zentimeter hoch, drei Zentimeter lang. Ein Fröschchen – aus Fruchtgummi. Und der Stolz von Bastian Fassin.

Vor elf Jahren übernahm der Unternehmer die Führung von Katjes von seinem Vater. Klaus Fassin hatte das Unternehmen mit Katjes-Kätzchen und Joghurt-Gums zur Nummer drei im deutschen Bonbonmarkt hinter Haribo und Storck gemacht. Sein inzwischen 43 Jahre alter Sohn expandiert – finanziert über Mittelstandsanleihen – durch Zukäufe international. Jetzt will er ein neues Geschäftsfeld von Grund auf aufbauen.

Die Idee: Die Druckstationen sollen unter dem Markennamen „Magic Candy Factory by Katjes“ in großen Kaufhäusern, an Touristenattraktionen und Freizeitparks stehen. Familien sollen am Bildschirm eigene Formen wählen, Geschmacksrichtungen, Farben – und dann beim Drucken zuschauen. Katjes liefert die Glaskästen mit den Druckern, dazu regelmäßig die Patronen mit dem speziell entwickelten schnelltrocknenden Weingummi-Grundstoff.

Dafür hat Fassin die britische Unternehmerin Melissa Snover gewonnen. Sie gründete und verkaufte einst ein Unternehmen für allergiefreies Weingummi. Seit Anfang des Jahres tüftelt sie am 3D-Drucker. „Aus abstrakter Technik wird ein Produkt für Familien“, wirbt die 35-Jährige, die am gemeinsamen Unternehmen beteiligt ist. Fassin hingegen schwärmt von der Start-up-Kultur. Für den Start im Katjes-Laden in Berlin-Mitte habe er persönlich bei Saturn noch ein Ersatzteil gekauft. „Das passiert in unserer Fabrik in Emmerich doch nicht, dass ich selbst eine Schraube einkaufe.“

Überhaupt, in Familienunternehmen werde eben nicht alles nach Marktforschung entschieden, da zähle auch das Bauchgefühl. „Allein in Berlin kann ich mir 20 Orte vorstellen, wo so ein Drucker hinpasst. Weltweit hat das ein Riesen-Potenzial“, sagt er. Zunächst allerdings steht nur ein Gerät im Laden in Berlin, der zwar seit der Eröffnung vor einigen Jahren wohl keinen Gewinn abwirft, aber das Markenimage aufbessert.

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