Kauf- und Warenhäuser
Welche Zukunft Karstadt & Co haben

Kauf- und Warenhäuser in der Krise: Der Arcandor-Konzern, zu dem Karstadt gehört, braucht Staatshilfe, doch die Chancen darauf schwinden. Metro möchte sich grundsätzlich von den Kaufhof-Warenhäusern trennen. Anderen Ketten geht es noch schlechter. Da drängt sich die Frage auf: Haben Kauf- und Warenhäuser in Deutschland eine Zukunft?

DÜSSELDORF. "Das Warenhaus wird wahrscheinlich nie komplett verschwinden", sagt Handelsexperte Thomas Roeb. "Es wird immer ein KaDeWe geben." Doch dem Warenhaus als Betriebsform prophezeit der Professor von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ein Abrutschen in die Nische, wenn es sich nicht grundlegend neu erfindet.

Zuletzt fielen Kauf- und Warenhäuser durch eine Vielzahl von Insolvenzen auf. So wurde das Verfahren für die Kölner Bekleidungskette Pohland am 1. Mai eröffnet. Wenige Wochen davor, am Osterwochenende, musste die Billigkette Woolworth Insolvenz beantragen. Ebenfalls insolvent ist Adessa. Dieses Schicksal ereilte auch Hertie, Wehmeyer und Sinn-Leffers, allesamt Ex-Töchter des in Arcandor umbenannten Karstadt-Quelle-Konzerns. Im Fall von Sinn-Leffers haben die Gläubiger einem Insolvenzplan und damit einem Sanierungskonzept zugestimmt. An Hertie haben Investoren Anfang Mai Interesse angemeldet.

Für das traditionelle Warenhaus, das im Unterschied zum Kaufhaus eine Lebensmittelabteilung hat, ist in Deutschland nach Roebs Einschätzung jedoch immer weniger Platz. "Die Zahl der überlebensfähigen Filialen, die Branchenkenner derzeit auf 100 schätzen, wird weiter zurückgehen." Doch allein Karstadt und Kaufhof betreiben aktuell insgesamt mehr als 200 Warenhäuser, auch wenn sie diese Zahl reduzieren. So will Karstadt neun Häuser schließen, Kaufhof bis Ende 2010 bis zu acht Zweigstellen dichtmachen.

Doch damit wird es Roeb zufolge nicht getan sein: Er sieht für Kaufhof und Karstadt die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit. "Ich kann nicht erkennen, wie das dauerhaft nebeneinander funktionieren soll." Weil weder der eine noch der andere Geld ausgeben wolle, schlägt der Handelsexperte eine Systemzentrale und zwei Vertriebsschienen vor. "Der Schwächere, also Karstadt, schließt sich der Systemzentrale des Stärkeren, also der von Kaufhof, an und schließt mit dieser einen Dienstleistungsvertrag ab. Dieser, für beide Seiten überlebenswichtigen, Lösung könnte aber das Kartellamt entgegenstehen."

Optimistischer ist die Einschätzung von Klaus Peter Teipel, der Kaufhäusern eine Zukunft gibt. "Dafür müssen sie sich aber anders aufstellen", sagt der Handelsexperte von BBE Retail Experts, einer auf Einzelhandel und Konsumgüter spezialisierten Unternehmensberatung. "Es ist fatal, wie bisher möglichst viele Warengruppen möglichst vielen Kunden anzubieten. Kauf- und Warenhäuser müssen sich in den Warengruppen fokussieren und dabei ihre Zielgruppen- und Preislagenkompetenz deutlich herausarbeiten." Teipel sieht in Deutschland bis zu 750 potenzielle Standorte für Kauf- und Warenhäuser. Rund ein Drittel davon befindet sich seiner Ansicht nach in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern, wo Warenhäuser am ehesten eine Chance haben.

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