Kauf von Iberia
Lufthansa kontert britischen Vorstoß

Die anstehende Übernahme der spanischen Fluggesellschaft Iberia durch British Airways ist ein geschickter Schachzug der Briten. Dieser dürfte die Branche in Europa tüchtig durcheinander wirbeln. Der Lufthansa entsteht ein ernst zu nehmender Gegner. Das ist besonders ärgerlich, weil Iberia so gut zu den Deutschen passen würde. Doch die Lufthansa weiß sich zu helfen.

DÜSSELDORF/LONDON. Nach dem Zusammengehen von Air France-KLM im Mai 2004 erwächst der Lufthansa nun mit British Airways/Ibera ein weiterer binationaler Wettbewerber. Auf den sich zuspitzenden Konkurrenz- und Konsolidierungsdruck im Himmel über Europa reagierte die größte deutsche Fluglinie am Dienstag gelassen. Von einer „verpassten Chance“ wie es BayernLB-Analyst Ulrich Horstmann nannte, wollten die Frankfurter nichts wissen. „Unsere Position ist unverändert“, sagte ein Sprecher. Die Lufthansa wolle zwar nach wie vor eine aktive Rolle in der Konsolidierung spielen, und die Iberia sei auch interessant, aber auf Grund des aktuellen Börsenkurses von knapp 4 Euro zu teuer.

Ein Zusammengehen von Lufthansa und Iberia hätte ihre industrielle Logik gehabt. Die Langstreckenverbindungen der Iberia nach Südamerika wären ein zweites Standbein neben dem lukrativen Asien-Europa-Verkehr gewesen. „Die Lufthansa muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nicht schon Mitte vergangenen Jahres aktiv geworden ist, als der Aktienkurs von Iberia noch deutlich niedriger war“, sagt Horstmann von der BayernLB. Mit Iberia dominiere British Airways jetzt nicht mehr nur den Nord-, sondern auch den Südatlantik. Und die Angriffslust der Briten ist groß. Erst vergangene Woche hatte BA-Chef Willie Walsh angekündigt, nicht nur von London, sondern auch aus anderen europäischen Städten wie Paris und Frankfurt – den Drehkreuzen der Konkurrenz – reine Business-Class-Flieger nach New York zu schicken.

Kooperationen statt Übernahmen

Tatenlos sieht die Lufthansa aber nicht zu. Die Frankfurter weiten ihren Einfluss in der internationalen Luftfahrt eher indirekt aus. Am Dienstag unterzeichneten die Deutschen mit der brasilianischen Fluggesellschaft Tam eine Absichtserklärung für eine zukünftige Kooperation. Ein erster Schritt sollen gegenseitig buchbare Codeshare-Flüge mit gemeinsamen Flugnummern sein. Zudem laufen auch erste Gespräche über eine Mitgliedschaft in der Luftfahrtallianz Star Alliance. Die Tam, die Marktführer in Brasilien ist und Direktflüge zu sieben internationalen Zielen anbietet, schließt die Lücke, die das Ausscheiden der brasilianischen Varig aus der Lufthansa-dominierten Star Alliance Ende Januar gerissen hat. Zudem bestätige die Lufthansa dem Handelsblatt, mit den afrikanischen Fluggesellschaften Egypt Air und Ethiopian Airlines noch in diesem Sommer Kooperationen über Codeshares vereinbaren zu wollen, um sich Nord- und Ostafrika als Wachstumsmärkte zu erschließen.

Die Frankfurter setzen damit ihre Anfang der 90er-Jahre unter dem damaligen Vorstands- und heutigen Aufsichtsratschef Jürgen Weber aufgenommene Strategie fort. Weber hatte mit der Canadian Air die erste weitgehende Kooperation vereinbart, und war Gründungsvater der Star Alliance. Damals wie heute kam die Konsolidierung in der Luftfahrt auf Grund nationalstaatlicher Interessen und bürokratischer Hürden nicht recht in Gang. Analysten wie Uwe Weinreich begrüßen deshalb grundsätzlich Kooperationen als eine „wertorientierte Verwendung von finanziellen Mitteln“. Denn eine Übernahme der Iberia zum aktuellen Marktpreis hätte sich mittelfristig nur bei einem positiven Ergebnisbeitrag von mindestens 300 Millionen Euro aus einem Iberia-Gewinn plus Synergien gerechnet. Doch das sei nicht zu erwarten gewesen.

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