Kauf von NOP World würde Marktforscher zum Umsatzmilliardär machen
GfK vor Sprung nach England

Die GfK AG steht vor der größten Übernahme seit ihrem Börsengang 1999. Deutschlands bekanntester Marktforscher befinde sich in der Endphase von Verhandlungen über den Kauf des britischen Wettbewerbers NOP World, hieß es am Donnerstag in Branchenkreisen.

HB MÜNCHEN. Dem Vernehmen nach zahlen die Franken zwischen 400 und 500 Mill. Euro. Mit der Akquisition würde die GfK in der Weltrangliste der Marktforscher auf Platz vier vorrücken. Ein Firmensprecher wollte sich gestern aber nicht dazu äußern.

Die Nürnberger sind mit einem Umsatz von zuletzt knapp 672 Mill. Euro bislang die Nummer fünf. Durch den Kauf von NOP World würden rund 350 Mill. Euro hinzu kommen. Das würde reichen, um den britischen Konkurrenten Kantar Group zu überflügeln. NOP ist die Nummer zehn der Branche und hat vergangenes Jahr einen Gewinn von 20,1 Mill. Pfund (29,5 Mill. Euro) eingefahren.

Erst am Montag hatte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst sein Ziel bekräftigt, in den nächsten Jahren die Umsatzmilliarde überschreiten. Durch Übernahmen könne dies sehr fix erreicht werden, hatte er noch hinzugefügt. Dass es so schnell passieren würde, hatte allerdings niemand erwartet. Es war lediglich bekannt, dass die GfK im Rennen um NOP World gute Karten besitzt.

Für die Sparte des britischen Medienkonzerns United Business Media hatten sich Berichten britischer Medien zufolge mehrere Bieter interessiert. Auch der Werbekonzern WPP Group und die Pariser Marktforschungsfirma Ipsos hätten Angebote abgegeben. Doch diese Offerten hätten etwas unter der von GfK gelegen.

Die Marktforschungsindustrie ist stark zersplittert. Dies hat die GfK in den letzten Jahren ausgenutzt und Dutzende Firmen im In- und Ausland übernommen. Insgesamt sind die Franken an mehr als 180 Unternehmen beteiligt. Bisher ging die Akquisitionsstrategie auf: 2004 kletterte der Gewinn um mehr als die Hälfte auf 52,6 Mill. Euro. Trotz der Einkaufstour ist es aber noch ein weiter Weg zur Marktführerschaft: Der niederländische VNU-Konzern, zu dem AC Nielsen und Nielsen Media Research gehören, setzt im Jahr knapp 2,8 Mrd. Euro um.

Alles in allem werden weltweit pro Jahr rund 17 Mrd. Euro für Marktforschung ausgegeben. Vor allem in Asien und Südamerika wächst das Geschäft rasant. Dort investiert die GfK derzeit kräftig, baut eigene Ableger auf oder kauft kleinere lokale Firmen. Der größte europäische Markt ist Großbritannien, die Heimat von NOP World, mit einem Weltmarktanteil von mehr als zehn Prozent. Doch der britische Markt stagnierte zuletzt.

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