Kauf von Williams Lea: Deutsche Post schlägt abermals in Großbritannien zu

Kauf von Williams Lea
Deutsche Post schlägt abermals in Großbritannien zu

Nur wenige Monate nach dem Kauf des britischen Logistikkonzerns Exel für 5,5 Mrd. Euro hat die Deutsche Post ein weiteres Unternehmen auf der Insel übernommen, wenngleich für eine wesentlich niedrigere Summe: den Brief-Dienstleister Williams Lea. Damit baut die Post ihr Geschäft in einem wichtigen Bereich aus.

HB BONN. Die Post übernehme zunächst eine Mehrheit an dem Unternehmen, teilte der Bonner Konzern am Montag mit. Die Post erwartet einen Kaufpreis von 370 Mill. Euro für einen Anteil von 75 Prozent. Die Post habe die Option, die verbleibenden Anteile an Williams Lea nach drei Jahren zu übernehmen. Die Transaktion, die unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden steht, solle noch im ersten Quartal abgeschlossen werden.

Williams Lee ist mit rund 6 500 Mitarbeitern weltweit, vor allem auch in den USA, aktiv. Das Unternehmen betreibt unter anderem Poststellen für Großunternehmen. Das in London ansässige Unternehmen ist außerdem im Dokumentenmanagement und im Marketing etwa für Automobilhersteller tätig. Der Umsatz lag nach Angaben der Post bei rund 650 Mill. Euro im Jahr 2005; der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) betrug 49 Mill. Euro.

Das 1820 als Druckerei-Betrieb gegründete britische Unternehmen hat in den vergangenen Jahren Brief-Vorstand Hans-Dieter Petram zufolge eine rasante Entwicklung als Dienstleister genommen. Die Leistungen reichen weit über das klassische Postgeschäft hinaus. So wickelt Williams Lea etwa für Versicherungen wie Prudential in Großbritannien das Schadengeschäft ab – von der Erfassung eines Schadenfalls über die Entsendung von Gutachtern bis zur Überweisung der Schadensumme und der Korrespondenz mit dem Kunden. Hier ergibt sich auch eine Verzahnung mit dem bisherigen Briefgeschäft der Post, die bereits Briefe in den USA und Großbritannien befördert. Und gerade in Großbritannien, wo die Post in London und anderen Großstädten bereits Briefe ausliefert, wolle der Konzern sein Zustellnetz ausbauen, kündigte Petram an. Aber auch in Deutschland erwartet Petram Wachstum im Dienstleistungsgeschäft.

Die Post wolle mit dem Zukauf einen Ausgleich für den Fall schaffen, dass sich das Geschäft in Deutschland nach dem Ende 2007 erwarteten Auslaufen des Monopols nicht so profitabel wie gewohnt entwickele, betonte Brief-Vorstand Petram. Der Konzern hatte erst Ende 2005 für rund 5,5 Mrd. Euro den britischen Logistik-Dienstleister Exel übernommen. Mit Williams Lea soll nun aber auch das Briefgeschäft in den USA und vor allem in Großbritannien gestärkt werden, wo die Konkurrenten UPS und Fed-Ex den Briefmarkt testen, um zum Sprung nach Europa anzusetzen.

Die Deutsche Post ist mit Brief-Mehrwertdiensten bislang hauptsächlich in Deutschland tätig, wo sie sich als Marktführer versteht. Außerdem werden solche Leistungen in verschiedenen Ländern wie etwa Frankreich offeriert. Allerdings biete man bisher nicht die komplette Kette an Produkten an, sagte Petram. Das ändere sich nun durch das Hinzukommen von Williams Lea. Das Mehrwertgeschäft solle jetzt „dramatisch“ ausgebaut werden, kündigte das für den Briefbereich tätige Vorstandsmitglied an. Der internationale Markt habe ein riesiges Potenzial. Weil er noch nicht weit entwickelt sei, werde kein Verdrängungswettbeweb stattfinden.

Interesse an einem Einstieg bei einer europäischen Postgesellschaft wie der Post in Österreich oder Belgien habe der Konzern dagegen nicht, bekräftigte Petram. Auch an einen Einstieg in Russland sei nicht gedacht. Dort mangele es an Rechtssicherheit und der Markt sei „total reguliert“.

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