Kaufhäuser
Karstadt präsentiert sein neues Musterhaus

Ab heute ist am Limbecker Platz in Essen zu besichtigen, wie es mit Karstadt weitergehen soll. Peter Wolf, Vorstand der Arcandor -Holding und Chef der Warenhaustochter Karstadt möchte mit weniger Verkaufsfläche mehr Unsatz machen. In drei Jahren soll das komplette Karstadt-Netz entpsrechend umgestellt sein. Diese Idee hatte der Konzern schon einmal.

ESSEN. Das zugige Abrissgelände könnte mit seinen Baggern, Presslufthämmern und Teermaschinen ebenso gut eine Großbaustelle in Moskau sein. Noch immer behindern schlammige Bauhügel den ungehinderten Zugang zu dem 35 000 Quadratmeter großen, rundlichen Gebäude des Stararchitekten Gunter Henn an Essens Limbecker Platz. Jenseits der Eingangspforten zum neuen Einkaufszentrum, das mit seiner umhüllenden Metall-Paneelfassade an Marilyn Monroes berühmte Kleid-Szene erinnern soll, aber weht ein Hauch von New York.

Zu "Boulevards" verbreiterte Gänge, eine weiße, fast "clean" wirkende Inneneinrichtung und immer wieder Zwischenwände, die den Räumen ihre endlose Breite nehmen - nur mühsam kann das 20 000 Quadratmeter große Karstadt-Haus, das Herzstück des neuen Einkaufstempels, die Ähnlichkeit mit dem Raumangebot der US-Warenhauskette Macy?s verbergen.

Ein Zufall ist das nicht. Im Innern nämlich hat ein Amerikaner Hand angelegt: Kevin Roche, Mitgründer der RYA Designberatung aus San Francisco. Schon den Läden von Nike und Calvin Klein hat er den letzten Schliff gegeben und zuletzt dem Bloomingdale?s in seiner Heimatstadt. In Essen hinterlässt Roche nun den Masterplan für alle Karstadt-Umbauten. "Wir reduzieren die Verkaufsfläche und damit das Warenangebot", doziert er. "Weil wir damit den Blick aber fokussieren, rechnen wir trotzdem mit mehr Umsatz."

Bis zu 50 Prozent will Peter Wolf, Vorstand der Essener Arcandor-Holding und Chef der Warenhaustochter Karstadt, mit diesem Trick auf vergleichbarer Fläche hinzugewinnen. Statt 40 Mill. Euro wie bisher soll Essen künftigen 50 Mill. Euro Umsatz bringen - ein Schub, den Deutschlands größter Warenhauskonzern dringender braucht als je zuvor.

Seit Jahren verliert Karstadt Marktanteile, zu Weihnachten brach das Geschäft im Vergleich zum Vorjahr um mehr als acht Prozent ein, nur mühsam hielt sich die Arcandor-Tochter 2007 mit ihren 33 000 Mitarbeitern über der Vier-Milliarden-Umsatzgrenze.

Dass Wolf dem Designer aus San Francisco einen Zwei-Jahres-Vertrag verpasst hat, währender deutschen Beratern einen Korb verpasste, hat einen triftigen Grund: "Nach dieser Blaupause werden wir noch bis Ende September die Häuser in Hamburg, München und Duisburg umgestalten", kündigt der Karstadt-Chef an, "mit einer Investitionssumme von 180 bis 200 Mill. Euro." In spätestens drei Jahren soll das komplette Karstadt-Netz - derzeit sind es 90 Häuser - auf das neue Konzept umgestellt sein. Deutlich mehr Markenshops soll es geben, verspricht Wolf, womöglich auch solche von Hugo Boss.

Einen solchen "Piloten" gab es allerdings bei Karstadt schon einmal vor fünf Jahren. Damals ließ sich Vorstands-Chef Wolfgang Urban von dem Chicagoer Designer Jordan Mozer das Mülheimer Rhein-Ruhr-Center für 23 Mill. Euro zum Musterbetrieb umbauen. Die psychedelisch anmutenden Verkaufsräume, die manchem wie das "Raumschiff Orion" vorkommen, sind nun womöglich die Hauptleidtragenden des Essener Neubaus. Sie liegen nämlich gerade einmal 13 Kilometer vom Limbecker Platz entfernt.

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