Kaufhäuser nicht mehr zeitgemäß
Experten geben Karstadt-Sanierung keine Chance

Warenhäuser sind bei den Kunden nicht mehr gefragt. Handelsexperten halten deshalb eine Rettung der Karstadt-Kaufhäuser für aussichtslos. Die Zukunft liege stattdessen in Shopping-Centern.

HB BERLIN. Experten glauben nicht an eine mögliche Rettung des Handelskonzerns Karstadt-Quelle, dessen Aufsichtsrat Anfang der Woche ein Sanierungskonzept gebilligt hat. "Der Lebenszyklus der Warenhäuser geht ganz klar zu Ende", sagte Marketing- und Handelsexperte Joachim Zentes der "Welt am Sonntag" (WamS). "Das Konzept 'Alles unter einem Dach' ist nicht mehr zeitgemäß." Zentes hält deshalb das Sanierungskonzept für Augenwischerei: "Was Herr Achenbach da macht, ist maximal eine temporäre Verzögerung."

Dass traditionelle Warenhäuser nicht mehr den Geschmack der Kunden treffen, habe deshalb auch der zu Metro gehörende Konkurrent Kaufhof zu spüren bekommen. "Auch die Kaufhof-Leute haben ein Füllhorn von Standorten, mit denen sie nichts anfangen können", zagte Zentes und verwies auf geplante Schließungen von Kaufhof-Standorten. Das Problem sei, dass Selbstbedienungsmärkte, Textilfilialisten, Elektrodiscounter oder Drogerien und Baumärkte mit ihrem klar ausgerichteten und eingeschränkten Angebot den Kaufhäusern Kunden abziehen.

Auch James Bacos, Handelsexperte von Mercer Management Consulting gibt nicht viel auf den Karstadt-Rettungsplan: "Ich glaube zwar nicht, dass Karstadt Pleite geht", sagte er der "WamS". "Aber bislang ging alles in die falsche Richtung". Grund für dessen Skepsis ist die mangelnde Konsumlust und die große Nachfrage der Deutschen nach Billigprodukten: "In Deutschland funktioniert nur billig oder Luxus. Weil Karstadt den Mittelweg versucht hat, sind die Kaufhäuser heute ein Sanierungsfall", sagte Bacos der "WamS". Einig sind sich beide Handelsexperten, dass die Zukunft des Einkaufens in innerstädtischen Shopping-Centern liege. Karstadt könne deshalb Erfolgs damit haben, seine Immobilien als Einkaufscenter zu vermieten.

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