Kaufhof-Deal
Europäische Warenhaus AG?

Der geplante Kaufhof-Verkauf bringt die Konsolidierung der Branche in Gang. Arcandor-Chef Thomas Middelhoff will die Kette mit seiner Karstadt-Sparte verschmelzen. Doch das könnte noch lang nicht das Ende sein: Auch Investoren und Konkurrenten aus Frankreich und Italien sowie einige Banken haben ihre Finger mit im Spiel.

DÜSSELDORF/MAILAND. Der Plan von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff scheint genial: Im ersten Schritt die Übernahme des Kölner Konkurrenten Kaufhof, im zweiten Schritt der Verkauf einer Beteiligung des mit der Konzerntochter Karstadt fusionierten Warenhauskonzerns an einen strategischen Investor.

Das Übernahmemodell hätte Charme. Weil durch den Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof bis zu 400 Mill. Euro Synergien entstünden, würde Middelhoff den Unternehmenswert erheblich steigern. Schon der Weiterverkauf einer Minderheitsbeteiligung würde möglicherweise ausreichen, die Übernahme von Kaufhof nachträglich zu finanzieren.

Längst hat Middelhoff in ähnlicher Form bewiesen, dass so etwas funktioniert. Vergangenen Sommer kaufte der trickreiche Investmentexperte den britischen Reisekonzern Mytravel, fusionierte ihn mit seiner Konzerntochter Thomas Cook und brachte das Gesamtunternehmen in London an die Börse. Middelhoffs Holding Arcandor behielt 52 Prozent der Aktien, so dass die Essener den profitablen Reisekonzern in der Bilanz konsolidieren können. Ohne den Ringtausch hätten sie 2007 rote Zahlen ausweisen müssen.

Die Verkaufsbereitschaft von Metro-Chef Eckhard Cordes, der seit Dienstag offiziell einen Interessenten für seine 141 Kaufhof-Standorte sucht, macht jetzt einen solchen Deal im Warenhausgeschäft möglich. Ein Investor, der nach einer denkbaren Karstadt-Kaufhof-Fusion mit einer Minderheit einsteigt, steht womöglich schon bereit. Seit langem verhandelt Middelhoff mit einem Konsortium aus der Deutsche-Bank-Tochter RREEF, der italienischen Immobilienfirma Pirelli Re und dem italienischen Warenhausunternehmer Maurizio Borletti über eine Übernahme der Konzernimmobilien. Der Verkauf, der gestern offiziell verbindlich unterzeichnet wurde, bringt Arcandor einen Sondererlös von 800 Mill. Euro.

Längst aber interessieren sich die Investoren auch für das operative Geschäft von Karstadt. Borletti ist der Nachfahre der Unternehmer-Familie, die die italienische Edel-Warenhauskette La Rinascente im 19. Jahrhundert gegründet hat. Gemeinsam mit Pirelli Re und RREEF kaufte er Ende 2006 die damals zum französischen Luxusgüterkonzern PPR gehörende Pariser Warenhauskette Printemps. Im gleichen Jahr erwarb Borletti mit Hilfe der Finanzpartner die Rinascente-Warenhauskette von der Agnelli-Familie zurück. Erhielten die Geschäftspartner nun Zugriff auf die deutschen Warenhäuser, entstünde ein europäischer Kaufhausgigant mit mehr als sieben Mrd. Euro Umsatz. Statt der einst vom damaligen Karstadt-Chef Wolfgang Urban ersehnten „Deutschen Warenhaus AG“ könnte damit am Ende sogar eine „Europäische Warenhaus AG“ stehen.

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