Kaufhof-Eigentümer HBC
Die Kampfansage an Karstadt

Kaufhof ist jetzt in kanadischer Hand – und der neue Eigentümer geht direkt in die Offensive. HBC-Chef Richard Baker will die Kunden wieder begeistern und setzt dabei auf völlig andere Rezepte als Karstadt.

DüsseldorfAuf den ersten Blick ist es ein Himmelfahrtskommando. Experten haben längst den Tod des Warenhauses ausgerufen. Wie zum Beweis hat sich der Gewinn von Kaufhof im vergangen Quartal mehr als halbiert. Doch den neuen Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company (HBC) irritiert das nicht. Der kanadische Handelskonzern ist überzeugt: Das Warenhaus lebt – nur in anderer Form, als wir es bisher in Deutschland erleben. „Das Geschäft ist sehr konservativ betrieben worden, ohne Risiken einzugehen. Die Chancen für uns, das zu ändern, sind groß“, sagt HBC-Chef Richard Baker im Handelsblatt-Interview selbstbewusst.

Baker hat nicht 2,8 Milliarden Euro für Kaufhof bezahlt, um sich in sein Schicksal zu ergeben. Dass er in der Lage ist, eine angeschlagene Kaufhauskette zu sanieren, hat Baker schon bei Hudson’s Bay bewiesen. 2008 hat er die kanadische Kette gekauft und innerhalb von fünf Jahren den Umsatz um 30 Prozent gesteigert. Sein Rezept: Mehr Service, ein attraktiveres Sortiment und eine konsequente Verzahnung von Online und stationärem Geschäft.

Einen ähnlichen Turnaround will er auch bei Kaufhof hinlegen. „Unsere Philosophie, hier wie allen unseren Geschäftsbereichen, lautet: Wachstum“, so Baker. Er setzt auf mehr Bedienung, will langfristig die Zahl der Mitarbeiter bei Kaufhof sogar ausbauen. Außerdem will er seine Luxusmarke Saks Fifth Avenue und die Outletkette Saks Off 5th mit eigenen Läden nach Deutschland holen. Die Investitionen, so heißt es im Unternehmen, sollen mindestens verdoppelt werden.

Eine „Kampfansage“ an Karstadt nennt das Joachim Stumpf von der BBE Handelsberatung. „Der Wettbewerb wird noch mal sehr viel härter werden.“ Zumal HBC mit Kaufhof fast durch die Bank 1-A-Lagen erworben habe.

Karstadt hat dem zurzeit wenig entgegenzusetzen. Im Geschäftsjahr 2013/14 hat der Kaufhof-Konkurrent rund 190 Millionen Euro Verlust gemacht, die Schließung von weiteren Häusern ist schon beschlossen. Der Konzern versucht, sich in die schwarzen Zahlen zu sparen. Chef Stephan Fanderl stellt einen Gewinn frühestens für das kommende Geschäftsjahr 2015/16 in Aussicht.

Karstadt-Eigentümer René Benko hat bis zuletzt davon geträumt, Karstadt und Kaufhof zu einer Deutschen Warenhaus AG zu verschmelzen. Baker hat dafür nur milden Spott übrig: „Wir konzentrieren uns ganz auf unser eigenes Geschäft und haben nicht die Absicht, die Probleme von anderen Leuten zu übernehmen.“

Schon Wochen vor der offiziellen Übernahme am 1. Oktober machten die Abgesandten von HBC allen in der Kölner Hauptverwaltung von Kaufhof klar, dass künftig ein anderer Wind weht. Als „langweilig“ bezeichnet HBC-Chef Baker unverhohlen die Warenhäuser der Traditionskette. Die Ansage ist klar: Ihr habt alle Voraussetzungen erfolgreich zu sein – also strengt euch an.

Als größte Baustelle bei Kaufhof hat das HBC-Management das Onlinegeschäft ausgemacht. Ist bis jetzt nur ein Bruchteil der Waren im Netz verfügbar, soll der Kunde künftig elektronisch auf jedes Produkt, ob im Lager oder in der Filiale zugreifen können und selbst entscheiden, ob er es sich im Kaufhaus abholen oder zuschicken lassen will. Von heute drei auf bis zu 20 Prozent soll so der Umsatz steigen. Dafür investiert HBC Millionen in neue IT-Systeme.

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