Kaufhof-Übernahme
Hudson's Bay hat leicht die Nase vorn

Fast drei Milliarden Euro ließe sich Karstadt-Eigner Rene Benko den Ankauf von Konkurrent Kaufhof kosten. Das US-Handelsunternehmen Hudson's Bay bietet ähnlich viel. Jetzt muss sich der Mutterkonzern Metro entscheiden.
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DüsseldorfIm Rennen um die Zukunft des Warenhauskonzerns Kaufhof könnte Insidern zufolge bereits in der kommenden Woche eine Entscheidung fallen. Die Gespräche des Handelsriesen Metro mit Karstadt-Eigner Rene Benko und dem nordamerikanischen Handelskonzern Hudson's Bay über den Verkauf seiner Warenhaustochter seien bereits weit fortgeschritten, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Hudson's Bay habe nach derzeitigem Verhandlungsstand die Nase leicht vorn. Es müssten aber noch wichtige Details geklärt werden. Ein Metro-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren. Die Aktien des MDax-Unternehmens lagen zeitweise 1,9 Prozent im Plus.

Der österreichische Immobilieninvestor Benko biete rund 2,9 Milliarden Euro für Kaufhof, hatten Insider Reuters bereits gesagt. Die Offerte von Hudson's Bay bewege sich ebenfalls in dieser Größenordnung. Metro hatte im Mai Verhandlungen über einen Verkauf der Warenhauskette bestätigt. Der Konzern schließe eine Trennung von Kaufhof nicht aus, "wenn ein potenzieller Käufer einen angemessenen Preis, eine solide Finanzierung und ein schlüssiges Zukunftskonzept vorlegt", hatte damals ein Sprecher unterstrichen.

Benkos Holding Signa buhlt mit der Ankündigung einer Job- und Standortgarantie um Kaufhof. Die Offerte umfasse entsprechende Garantien, hatte Karstadt-Chef Stephan Fanderl in einem Interview gesagt. Karstadt und Kaufhof sollten unter eine Führung gestellt, Einsparungen in die Ketten investiert werden. Arbeitnehmervertretern zufolge herrscht in den Zentralen von Kaufhof und Karstadt aber Nervosität, da eine Zusammenlegung der beiden in Köln und Essen beheimateten Verwaltungen zu erwarten sei. Auch gebe es in der Kaufhof-Belegschaft Vorbehalte, sagte ein anderer Insider – schließlich befänden sich die traditionellen Karstadt-Warenhäuser etwa anders als Kaufhof nicht in der Tarifbindungen und sparen sich so Tariferhöhungen. Bei Karstadt-Arbeitnehmervertretern würden die Pläne des Eigners dagegen eher positiv gesehen.

Hudson's Bay plane im Falle einer Kaufhof-Übernahme ebenfalls keine Stellenstreichungen, hatte es im Umfeld des US-kanadischen Konzerns geheißen. Hudson's Bay wolle in die Warenhäuser und das Online-Geschäft von Kaufhof investieren, hatte ein Insider gesagt. Mit Blick auf Kritik, die Nordamerikaner verstünden den deutschen Markt nicht, hieß es, Hudson's Bay werde das Kaufhof-Management nicht austauschen. Zudem habe der Konzern Kaufhof bereits seit Jahren im Auge und könnte die Kette als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof ins Schaufenster gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht. Er will den Konzern auf die Media-Saturn-Elektromärkte und das Geschäft mit den Großmärkten konzentrieren. Kaufhof betreibt knapp 140 Waren- und Sporthäuser in Deutschland und Belgien. Im Geschäftsjahr 2013/14 erzielte die Kette einen Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro. Konkurrent Karstadt betreibt noch gut 80 klassische Warenhäuser.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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