Kaufkraftverlust
Einzelhandel bleibt pessimistisch

Das Statistische Bundesamt hat diese Woche einen Anstieg der Einzelhandelsumsätze gemeldet. Der Branchenverband HDE zweifelt jedoch dadran und rechnet für 2005 weiter mit sinkenden Einnahmen.

HB BERLIN. „Bei den Ergebnissen des Bundesamtes kann es sich nur um einen Irrtum vom Amt handeln“, sagte der HDE-Präsident Hermann Franzen am Donnerstag in Berlin. Nach den Daten des Amtes stieg der Umsatz von Januar bis Mai zum Vorjahr nominal ein Prozent und real 0,6 %. Die Rückmeldungen der HDE-Mitglieder passten nicht zu diesen Zahlen, betonte Franzen. „Im ersten Halbjahr 2005 bewegte sich der Umsatztrend im Einzelhandel nach Erkenntnissen des HDE im Schnitt bei minus 0,75 % nominal.“ Da auch im zweiten Halbjahr keine Wende zu erwarten sei, bleibe der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) bei seiner Prognose eines Umsatzrückgang von 0,5 bis 0,75 %.

HDE-Präsident Franzen verwies dabei auf die allgemein schwache Konjunktur und die hohen Benzin- und Energiepreise, die den Bürgern das Geld für andere Ausgaben nähmen. Die seit Jahren anhaltende und sich eher verfestigende Schwäche der Binnennachfrage mache dem Einzelhandel schwer zu schaffen. Die Daten des Statistikamtes auf Basis des neuen Berichtsfirmenkreises passten daher nicht ins Bild. „Die Konjunktur schleppt sich dahin“, sagte Franzen. „Alle weichen Indikatoren wie der Ifo-Klima-Index und das GfK-Konsumklima sprechen eher für eine schwache Konsumkonjunktur.“ Der Hinweis des Statistikamtes, dass nun mehr junge, dynamische Unternehmen erfasst würden, sei nicht stichhaltig. Der HDE kündigte an, mit dem Statistischen Bundesamt über das Problem sprechen zu wollen.

Das Statistikamt verteidigte seine neuen Ergebnisse. „Wir stehen zu unseren Zahlen“, sagte die Leiterin des Bereichs Handel, Karin Linkert. „Unsere Ergebnisse basieren auf einer Befragung von rund 25 000 Unternehmen. Wir haben sichergestellt, dass alle Branchen entsprechend repräsentiert wurden.“ Möglicherweise erklärten sich die Unterschiede zum HDE auch aus der Zusammensetzung und Größe der Stichprobe der befragte Unternehmen. Auch bei der letzten Umstellung des Berichtskreises 1995 hätten die ursprünglichen Daten revidiert werden müssen, sagte Linkert. Damals habe es ebenfalls Zweifel an den neuen Werten geben.

Nach Worten von HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr beruht die Einschätzung des Verbandes auf einer Befragung von rund 150 Einzelhändlern einschließlich großer Filialisten, Analysen von Unternehmensberichten und Rückmeldungen von HDE-Mitgliedern.

Auch bei den Daten zum Gastgewerbe ergaben die Revisionen der Statistiker gravierende Änderungen. Bislang hatte das Amt für die ersten Monate des Jahres einen leichten nominalen Umsatzanstieg ausgewiesen. Nach den neuen Zahlen setzten Hoteliers, Restaurant- und Kneipenbesitzer sowie Kantinen und Caterer bis einschließlich Mai nominal 1,6 % und real 2,8 % weniger um.

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