Kaum Aussicht auf Staatshilfen
Politik macht Arcandor wenig Hoffnungen

Die Luft für den ums Überleben kämpfenden Handels- und Touristikkonzern Arcandor wird immer dünner. Die Muttergesellschaft der Karstadt-Warenhäuser kann nach Ansicht der Unionsfraktion nicht mit der dringend benötigten Staatshilfe rechnen, die eine Insolvenz verhindern soll. Der angeschlagene Konzern mobilisiert jetzt Beschäftigte und Kunden.

HB DÜSSELDORF.Fraktionschef Volker Kauder habe erklärt, er sehe keine Chance für eine Bewilligung, berichteten Teilnehmer einer Sitzung der Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU am Dienstag. Dagegen warnte Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier vor einer voreiligen Absage. „Es geht um 50 000 Jobs, überwiegend Frauen“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat in Berlin. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass diese uns weniger wert seien als die überwiegend von Männern besetzten Arbeitsplätze etwa bei Opel.“ In der SPD war der Vorstoß des Konzerns bislang auf Skepsis gestoßen, da Arcandor schon vor der Finanzkrise angeschlagen gewesen sei. Der Bürgschaftsausschuss soll diese Woche über den Antrag entscheiden. Arcandor braucht 650 Mio. Euro, um Kredite in dieser Höhe verlängern zu können, die am 12. Juni auslaufen.

Laut Arcandor gibt es keine Alternative zur Staatshilfe. Auch eine mögliche Warenhaus-Fusion mit der Metro-Tochter Kaufhof könne einen Zusammenbruch nicht abwenden, hatte Konzernchef Karl-Gerhard Eick erklärt. Er hatte sich vergangene Woche zu einem ersten Sondierungsgespräch mit Metro-Chef Eckhard Cordes über eine „Deutsche Warenhaus AG“ getroffen. Ein ursprünglich für Mittwoch anberaumtes weiteres Treffen sagte Eick ab - mit Rücksicht auf die Beratungen des Bürgschaftsausschusses des Bundes, wie ein Arcandor-Sprecher sagte. Ein neuer Termin werde gesucht.

Der Metro-Chef warb für eine Allianz. Eine Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof würde einen hochprofitablen Warenhauskonzern entstehen lassen, der die nächsten 30 Jahre locker bestehen würde, sagte Cordes dem Fernsehsender N24. Er räumte ein, dass auch Häuser geschlossen werden könnten.

Cordes hat sich gegen eine staatliche Unterstützung für Arcandor ausgesprochen, weil er Wettbewerbsverzerrungen befürchtet. Eick und Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen - persönlich haftender Gesellschafter des Großaktionärs Sal. Oppenheim - warfen Cordes vor, auf eine Pleite zu setzen. Eine Insolvenz von Karstadt oder Arcandor dürfe aber nicht Voraussetzung für einen Zusammenschluss sein.

Arcandor wirbt an allen Fronten um Unterstützung für eine Bürgschaft. Abgeordnete und Bürgermeister seien angeschrieben worden, sagte Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt zu Reuters. Bis Mittwoch erwarte er bis zu 250 000 Unterschriften von Bürgern und Kunden, die die Forderungen an die Regierung unterstützten. Dann wollen auch Arcandor-Beschäftigten in Berlin demonstrieren. Arcandor habe für Karstadt, das sich in den vergangenen Monaten gut entwickelt habe, einen vernünftigen Geschäftsplan vorgelegt, sagte er weiter. Zudem hätten die Mitarbeiter über den Sanierungsvertrag einen wichtigen Beitrag für die Zukunft von Karstadt geleistet. An der Börse ging es mit der im MDax notierten Aktie erneut abwärts - zeitweise um über sieben Prozent. Bis zum Handelsschluss erholte sich das Papier aber wieder und lag noch knapp zwei Prozent im Minus.

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