Kaum Flüge
Airlines haken den Sommer ab

Mit radikal niedrigen Flugpreisen werben die Airlines um Passagiere - bisher wirkungslos. Auch in der Hauptreisezeit bleiben viele Flugzeuge leer, auch starke Rabatte lassen die Zahl der Buchungen nicht steigen. Die Branche fürchtet bereits Rekordverluste.

FRANKFURT. Die Hoffnungen der Luftfahrt-Branche auf die Hauptreisezeit im Sommer erweisen sich als trügerisch. Gestern meldeten Air France-KLM, die größte europäische Fluggesellschaft, und die zweitgrößte deutsche Fluglinie Air Berlin für den Juni deutliche Rückgänge bei den Passagierzahlen. Selbst mit radikalen Preisnachlässen auf einzelnen Strecken gelingt es immer weniger, die Flieger ausreichend zu füllen.

Zwar steigerte Air Berlin den Erlös pro Sitzplatzkilometer (Yield), eine wichtige Kennzahl der Branche, wegen des eingedampften Angebots im Juni um 14 Prozent auf 6,07 Eurocent. Dennoch ist die Passagier-Nachfrage mit minus 4,9 Prozent wie schon in den Vormonaten schneller gefallen als das Angebot. Das sank nämlich nur um 2,7 Prozent. Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM wiederum musste im Juni einen Passagierrückgang um sieben Prozent verkraften, bei einer um fünf Prozent reduzierten Kapazität.

Vor allem der für das Ergebnis so wichtige Premiumverkehr (Erste und Business-Klasse) leidet unter der Krise. So hat Lufthansa jüngst zwar von einer Stabilisierung in der Economy-Klasse berichtet, gleichzeitig aber vor weiterhin schwierigen Wochen im Premium-Segment gewarnt.

Selbst massive Rabatte helfen nicht, um die vorderen Plätze im Flugzeug zu füllen. So bietet British Airways auf bestimmten Strecken sogar ein kostenloses Rückflugticket an. Dennoch konnten die Briten den Rückgang in der Business-Klasse nicht aufhalten. Das gilt auch für andere Anbieter. Nach Berechnungen der Weltluftfahrt-Organsiation Iata sackte der Premium-Verkehr im Mai um erschreckende 18,1 Prozent in den Keller.

Etwas besser sieht es in der billigsten Kategorie aus. Hier greifen die Sonderangebote, der Rückgang betrug laut IATA im Mai weniger als fünf Prozent. Flugreisende können in der Economy-Klasse mittlerweile echte Schnäppchen machen, selbst bei angesehenen Airlines. So gibt es Flüge in die großen europäischen Metropolen bei Lufthansa und Air France-KLM bereits ab 99 Euro. Je nach Strecke sind bei diesen Flagschiff-Anbietern per Internet sogar Hin- und Rückflug für unter 90 Euro zu bekommen.

Wie stark die Fluggesellschaften mittlerweile mit Preisnachlässen um die verbleibenden Passagiere kämpfen, drückt sich nicht zuletzt in der Kennzahl Yield aus. Nach Berechnungen der IATA ist dieser Wert im Mai weltweit um 9,3 Prozent gesunken. In Europa liegt das Minus mit 9,4 Prozent sogar noch leicht höher. Die Folgen sind dramatisch. Die Iata geht davon aus, dass die Airlines in diesem Jahr weltweit einen Verlust von neun Mrd. Dollar einfliegen werden.

Dennoch sollten Passagiere nicht auf weiterhin fallende Preise hoffen. Immer mehr Fluggesellschaften erkennen offenbar, dass dieser Weg angesichts der sich in die Länge ziehenden Krise ungeeignet ist. So lagen die Preise für Flugtickets in der Eco-Klasse nach einer aktuellen Studie des Geschäftsreisevermittlers American Express im März zwar um immerhin 15,5 Prozent niedriger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Zu Jahresbeginn waren sie aber noch weiter im Keller gewesen und sind seitdem um 7,2 Prozent gestiegen. Dies liegt nach Ansicht von Experten auch an Kerosinpreisen, die ebenfalls wieder deutlich angezogen haben.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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