Kaum Fortschritte

Berliner Flughafen droht neuerliches Desaster

Auf dem neuen Hauptstadt-Airport in Berlin geht es nur schleppend voran. Vor der heutigen Aufsichtsratssitzung zweifelt die Aufsichtsbehörde am neuen Fertigstellungstermin im März 2013. Auch bei den beteiligten Firmen wachsen die Sorgen täglich.
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Bauarbeiten im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld. Quelle: dpa

Bauarbeiten im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld.

(Foto: dpa)

Berlin/FrankfurtDer Brief hat es in sich. Man habe "sich nicht hinreichend mit dem Thema der Mängelverfolgung und -beseitigung auseinandergesetzt", schreibt Carl-Heinz Klinkmüller, Baudezernent des Landkreises Dahme-Spreewald, an den Flughafen Berlin-Brandenburg. Eine schallende Ohrfeige für das Management um Flughafenchef Rainer Schwarz.

Doch es kommt noch schlimmer. So groß sind die Sorgen von Klinkmüller, dass er sogar den neuen Starttermin des Hauptstadtairports im nächsten Jahr akut gefährdet sieht. Vorsorglich teile er deshalb "seine Bedenken zum Betriebsaufnahmetermin am 17.03.2013" mit. Dem Landkreis ist die Brisanz bewusst. "Wir wollen, dass der Flughafen eröffnet", sagt eine Sprecherin, "und darum ein neues Debakel vermeiden."

Gut sechs Wochen ist es her, dass Flughafenchef Schwarz zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und dem Ministerpräsidenten von Brandenburg, Matthias Platzeck, den ursprünglich für den 3. Juni 2012 geplanten Betriebsstart des neuen Berliner Flughafens kurzfristig absagen musste. Der automatische Brandschutz funktionierte nicht. Deshalb erteilte der zuständige Landkreis Dahme-Spreewald die Betriebsgenehmigung nicht.

Sechs Wochen, das ist eine lange Zeit, gerade auf einer Großbaustelle wie dem Flughafen Berlin. Doch hier geht offensichtlich nicht viel voran. Von einem "verlorenen Monat" sprechen Manager in Unternehmen, die am Brandschutz beteiligt sind. "Die Planer waren sehr mit sich selbst beschäftigt", wird berichtet. Vor allem beim wichtigen Brandschutz habe es keine Fortschritte gegeben. Die Komponenten wie etwa Brandmelder lägen seit langem bereit, doch weder gebe es Pläne, wo sie verbaut werden sollten, noch seien die notwendigen Vorarbeiten etwa an den Decken abgeschlossen.

Der Flughafen kontert: Die Pläne der Brandschutzanlage seien verabredungsgemäß am vergangenen Freitag den bauausführenden Unternehmen übergeben worden, sagte ein Sprecher. Im Übrigen nehme man das Schreiben des Landkreises sehr ernst.

Heute tagt der Aufsichtsrat mit Wowereit an der Spitze und Platzeck (beide SPD) als seinem Stellvertreter. Seit Wochen wird auf diesen Tag hingearbeitet. Was kostet die Verschiebung? Wie hoch sind die Schadensersatzforderungen? Wie ist die Finanzlage der Flughafengesellschaft? Müssen die Eigentümer, also der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg, Geld nachschießen?

Der neue Hoffnungsträger
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20 Kommentare zu "Kaum Fortschritte: Berliner Flughafen droht neuerliches Desaster"

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  • Vielleicht sollte man die Bauträgerschaft auf die griechischen Regierung übertragen.

    Schlimmer als das was der regierende Spaßmeister und Finanzausgleichsgroßabzocker Wowereit anrichtet wird es dadurch schon nicht werden.

  • In einigen Punkten bin ich mit dem Vorredner einig, warum das hervorragend funktionierende Tegel geschlossen werden soll, das versteht wahrscheinlich wirklich niemand mehr. Wowereit und Platzeck haben auf voller Linie versagt und beide sollten für diese Bruchlandung zurücktreten. Aber zu warten bis irgendwann die Bundesländer sich vereinigen, bitte nicht. Das kann noch Jahrzehnte dauern und einen funktionierenden Flughafen braucht die Stadt so dringend.

  • Man koennte auch eine taiwanesische, singaporianische, suedkoreanische, schweizerische oder finnische Baufirma nehmen. Die bekommen das alle hin, sogar ohne Sozialdumping.

  • Ehrlich gesagt, mich wundert hier nichts. Eher dass in Deutschland ueberhaupt noch komplexe Gross-Projekte dieser Art gelingen. Wenn man - wie in meinem Fall - oft in Laendern wie Suedkorea herumkommt, auch mal in Japan oder Singapur, fragt man sich, warum der Niedergang Deutschlands nicht viel schneller von Statten geht, wenn wir selbst Routinevorgaenge nicht mehr im Griff haben. Neulich bei der Rueckkehr aus 3 Wochen Korea-Aufenthalt war es wieder der uebliche Kulturschock - von der Weltspitze in das "Schwellenland" mit nach unten gerichteter Neigung. Vom Gate am Frankfurter Flughafen bis zur Ankunft in Mannheim hatten wir mit 50 kg Gepaeck und einem uebermuedeten Kleinkind zu meistern - 2 kaputte Rolltreppen, den seit ewig gleichen Riesenstau bei der Passkontrolle, Gepaeckwaegen, die man nur noch fuer 2 Euro und nach dem zeitraubenden Studium der Zahlungsmodalitaeten benutzen darf, einen kaputten Fahrstuhl am Fernbahnhof, einen ICE, der ausnahmsweise puenktlich, aber ohne erkennbaren Grund und ohne Warninformation auf einem anderen Gleis ankam, und schliesslich die Abschaffung der Gepaeckwaegen an den ICE Gleisen eines grossen deutschen Bahnhofs.

  • Dieser Flughafen hätte nie gebaut werden dürfen, solange nicht folgende Voraussetzungen erfüllt waren:
    1. ein gemeinsames Bundesland Berlin-Brandenburg
    2. ein privater Investor gefunden worden wäre
    Bisher trägt das Bundesland Berlin hauptsächlich die wirtschaftlichen und steuerlichen Nachteile für diesen Flughafen im Bundesland Brandenburg und durch die Schließung der Flughäfen Tempelhof und Tegel im Bundesland Berlin.
    Das Land Berlin hat bereits ohne dieses "Luftdrehkreuz" über 63 Milliarden Euro Schulden und ist auf über
    2 Milliarden Euro jährlich aus dem Länderfinanzausgleich angewiesen.
    Die Geberländer des Länderfinanzausgleichs hätten eigentlich verhindern müssen, daß ein derart verschuldetes Land wie Berlin sich noch weiter verschuldet und Einnahmen- und Steuereinnahmen aus
    dem Luftverkehr auch noch an das Bundesland Brandenburg abgibt und sich damit noch länger zum "notleidenden" Bundesland macht.
    Es gab keine zwingende Notwendigkeit, die vorherigen drei Flughäfen Tempelhof, Tegel und Schönefeld zu schließen und alle damit verbundenen hervorragenden Einnahme- und Steuereinnahmequellen für Berlin zu vernichten.
    Oder ist es die Aufgabe des Länderfinanzausgleichs, eine Verschuldenspolitik von größenwahnsinnigen Politikern zu finanzieren?
    Daß auch die Berliner für diese Politik kräftig zur Kasse "gebeten" werden, muß wohl kaum noch erwähnt werden. Die Parteien in Berlin, die sich als "sozial" oder "sozialistisch" bezeichnen, haben den Hebesatz
    der jährlichen Grundsteuer (die auch Mieter zahlen müssen) auf die astronomische Höhe von 810% angehoben. Gern hätten diese Parteien auch noch ihr sog. "Straßenausbaubeitragsgesetz" zum Nachteil
    der Berliner durchgesetzt, das viele Menschen sogar in den Ruin getrieben hätte.
    Diese "Parallel-Gesellschaft" der Politiker wird für den Normalbürger langsam unerträglich.

  • " Berliner Flughafen droht neuerliches Desaster "
    " General-Investigation
    . Die scheinen ja zu dusselig zu sein, eine Hundehütte
    . aufzustellen!!! "

    Mich wundert nicht mehr, daß die Deutschen immer weniger Kinder kriegen. Vermutlich sind die "Fachleute" selbst dafür zu dämlich und überfordert.

  • " Kaum Fortschritte:
    . Berliner Flughafen droht neuerliches Desaster "

    Kein Wunder!
    Früher kamen auf 10 "Schaff" 1 "Guck", heute kommen auf 1 "Schaff" 5 "Guck" und 10 "Diskutier".

    Früher war "MADE IN GERMANY" ein Qualitätssiegel, heute bezeichnet es die andere traurige Realität:
    Der "Wurm ist (drin) in Deutschland".

    Nach Meinung von "Gutmenschen" kann es nur förderlich sein, wenn HÖCHSTBEGABTE und ANALPHABETEN in der gleichen Klasse unterrichtet werden. Klar, die Höchstbegabten lernen es dann ganz schnell: DAS VERBLÖDEN !!! Und das macht sich halt auch bei den "Inschenierendingbums" - also die, welche nix zustande bringen und bei "bollidischen" Dummschwätzern Dauerseminare gebucht haben, bemerkbar.

  • Kein Wunder mit Pobereit an der Spitze

  • Das Scherzchen, was derzeit in Berlin mit dem Flughafen aufgeführt wird, kommt im Süden gleich noch Mal mit einem der unter die Erde soll.

  • Verdammt noch mal, was für Vollpfosten sind denn dort in Planung und Kontrolle zuständig? Die scheinen ja zu dusselig zu sein, eine Hundehütte aufzustellen!!!

    Man tut gerade so als wenn man so ein Projekt zum ersten Mal macht und noch nie etwas gebaut hätte. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen was eine der Hauptursachen ist:
    Die Zeitplanung, in der letztendlich gar keine saubere Arbeit erbracht werden kann. Diese Helden können am Zeichenbrett alles, nur haben Sie keinen blassen Schimmer wie die Realität auf den Baustellen aussieht. Die größte Fehlerquelle auf den Großbaustellen sind die leitenden Architekten und ihre Nachläufer.

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