Kein Hinweis auf Übernahme der Konzernmehrheit
Falschmeldung irritiert Karstadt-Aktionäre

Eine offensichtliche Falschmeldung hat die Aktie des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns gestern kurzzeitig in die Nähe ihres Jahreshöchststands gebracht. Mehrere Wirtschaftszeitungen hatten berichtet, der Aktionärspool Madeleine Schickedanz habe im Essener Konzern die Kapitalmehrheit übernommen.

cs DÜSSELDORF. Der Kurs der Karstadt-Aktie kletterte daraufhin über die Neun-Euro-Marke, das Papier gab später aber wieder einen Teil der Gewinne ab.

Am Morgen schon hatte die Nachricht einer angeblichen Mehrheitsübernahme die Börse in Aufregung versetzt. „Das wird sicherlich die Phantasie auf eine Restrukturierung des Konzerns wecken“, diktierte ein Aktienhändler der Nachrichtenagentur Reuters in den Block. Niemand kaufe sich schließlich eine Mehrheit zusammen, wenn er dafür nicht einen konkreten Plan habe.

Doch von einem Griff nach der Mehrheit kann keine Rede sein, vertraut man der Meldeliste der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Sollte der Aktionärspool Schickedanz dort sämtliche Aktientransaktionen rund um Karstadt-Quelle ordnungsgemäß gemeldet haben, besitzt er derzeit rund 42 Prozent des Aktienkapitals – und damit fast genau so viel wie vor der Kapitalerhöhung im Dezember.

Seit Juli 2002 müssen bei der Bonner Behörde Geschäfte von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern börsennotierter Gesellschaften unverzüglich veröffentlicht werden, sofern sie Wertpapiere der eigenen Gesellschaft betreffen. Die Regelung gilt ebenfalls für Familienangehörige. Im Fall Schickedanz sind dies neben der Großaktionärin Madeleine Schickedanz die Aktiengeschäfte ihres Neffen Martin Dedi, ihres Ehemanns und Karstadt-Quelle-Aufsichtsrats Leo Herl und der von ihm beherrschten Gesellschaft Grisfonta AG.

Tatsächlich haben die Mitglieder des Fürther Aktionärspools seit dem 23. März in 22 Einzelschritten insgesamt 10,9 Mill. Aktien von Karstadt-Quelle hinzugekauft. Die magische 50-Prozent-Grenze haben die Erben des Versandhauses Quelle aber noch längst nicht überschritten. Schließlich wurde der Aktienanteil des Großaktionärs – was einigen Wirtschaftsblättern offensichtlich entgangen ist – durch die Kapitalerhöhung im Dezember erheblich verwässert. 10,9 Mill. Wertpapiere entsprechen seitdem nicht mehr, wie von einem Blatt berichtet, 9,1 Prozent des Aktienkapitals, sondern nur noch 5,1 Prozent.

Doch nicht einmal um diesen Betrag hat der Schickedanz-Pool seine Beteiligung aufgestockt, wenn die Bafin-Liste stimmt. Sie vermerkt unter dem Datum 9. Dezember 2004, dass Grisfonta im Rahmen der Kapitalerhöhung 4,7 Mill. Aktien erworben hat, die Madeleine Schickedanz Vermögensverwaltung 24,5 Mill., Madeleine Schickedanz 12 775 und ihr Ehemann Leo Herl 1 435 Aktien. Zusammen macht das 29,2 Mill. Aktien. Um bei der Ausgabe der insgesamt 93 Mill. neuen Aktien nicht unter 42 Prozent zu rutschen, hätten die Fürther bei der Kapitalerhöhung aber 39 Mill. Aktien kaufen müssen. Die Nachkäufe der letzten Wochen schließen daher gerade einmal die im Dezember entstandene Lücke.

Karstadt-Quelle wollte die Aktienkäufe auf Anfrage nicht kommentieren, und auch in Fürth war keine Stellungnahme zu erhalten. Eine Sprecherin des Bafin erklärte, eine Pflichtmitteilung, die beim Überschreiten der 50-Prozent-Grenze innerhalb von sieben Tagen einzureichen sei, liege nicht vor.

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