Kein Mitfahrer-Rabatt mehr für Vollzahler
Für teure Bahntickets künftig mehr Komfort

Vollzahlern unter den Fernverkehrskunden der Bahn droht ab Sonntag ein böses Erwachen. Wenn sie mit Begleitung unterwegs sind, wird die Reise erheblich teurer. Von der Bahn eher beiläufig kommuniziert, schafft sie zum Fahrplanwechsel den 50-Prozent-Rabatt für „Mitfahrer“ auf den Normalpreis ab.

HB FRANKFURT. Davon betroffen ist nach Bahn-Einschätzung aber nur eine kleine Minderheit ihrer Kunden: Denn der Mitfahrerrabatt wird weiter allen Fahrgästen gewährt, die zum „Sparpreis“ ohnehin schon billiger fahren – sich dafür aber auf einen bestimmten Zug festlegen.

Die Stiftung Warentest griff zum großen Hammer. Wenn eine fünfköpfige Gruppe auf Reisen gehe, mache der Verlust des Mitfahrerrabattes eine Preiserhöhung von 87,1 Prozent aus, rechnete sie vor. Die Bahn manövriere sich „im Vergleich zum Auto schlagartig ins Abseits“. Der Mitfahrerrabatt war vor Jahren eingeführt worden, um für gemeinsam reisende Personen den Abstand zwischen Bahn-Tarifen und Autokosten zu verkleinern.

Hans-Joachim Luhm, oberster Preisstratege im Fernverkehr der Bahn, verweist darauf, dass 83 Prozent der Fahrgäste schon mit rabattierten Tickets unterwegs sind und damit bei Reisen zu mehreren Personen weiter die Mitfahrerermäßigung erhalten. Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch ergänzt: „Auch wenn wir Anreize schaffen, sich frühzeitig auf einen Zug festzulegen: Die Bahn bleibt ein offenes System. Und mit der Bahncard 50 bieten wir auch hier immer einen hohen Rabatt“ – für den, der die Bahncard kauft.

Bahnfahrer sind überwiegend Einzelgänger. 80 Prozent aller Kunden des Fernverkehrs fahren, so Tarifstratege Luhm, allein. Lediglich bei Familienreisen gebe es einen Anstieg, nicht zuletzt wegen der Kinder-Freifahrten bis zum 14. Lebensjahr. Luhm räumte ein, dass die Abschaffung des Mitfahrerpreises für Vollzahler die Geschäftsreise-Klientel treffe. Gerade bei diesen Kunden setze die Bahn aber auf ihre „gute Wettbewerbsposition gegenüber dem Auto“ und halte Abwanderungen für „gut kalkulierbar“. Branchenexperten wie Ilona de March, Chefin des Geschäftsreiseanbieters TQ3, sind dagegen eher skeptisch (s. „Nachgefragt“).

Die 1. Klasse-Kunden werden mit der Preiserhöhung ohnehin überdurchschnittlich zur Kasse gebeten. Für Tilmann Heuser, Verkehrsexperte der Naturschutzvereinigung BUND, ist das „geradezu sozialrevolutionär“: Wie im Flugverkehr würden „die komfortorientierten Besserverdienenden und Geschäftskunden“ die Sonderangebote für Wenigverdiener und Familien „mitbezahlen“.

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