Kein Streik bei der Lufthansa
Die allerletzte Chance

Der Streik ist vorerst vom Tisch: Die Streithähne bei Lufthansa müssen die nun vereinbarten neuen Gespräche nutzen. Denn es ist die letzte Chance, die Airline fit für die harte Zukunft zu machen. Ein Kommentar.

Eine kluge Lösung für die internen Konflikte hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel der Lufthansa bei ihrem Besuch am Drehkreuz Frankfurt in der zurückliegenden Woche gewünscht. Der Wunsch wurde offensichtlich erhört. Die Kabinen-Gewerkschaft UFO und das Management sprechen wieder miteinander – über Tariffragen, aber auch darüber, wie die Airline künftig aussehen soll. Das ist gut so, denn es ist die allerletzte Chance für alle Beteiligten.

Diese Erkenntnis fällt nicht schwer, ja sie drängt sich geradezu auf. Denn was soll bitte nach einem siebentägigen Streik, nach teilweise persönlichen Angriffen auf den jeweiligen Tarifpartner, nach einer kaum noch ertragenen Medienschlacht aller Beteiligten noch kommen? Nichts! Eine weitere Eskalation ist nicht mehr möglich. Die Auseinandersetzung war festgefahren, die Verhandlungspartner waren bewegungslos geworden.

Weitere Streiks hätten nur einen Effekt: Immer mehr Fluggäste würden einen großen Bogen um die nach Umsatz und Passagierzahlen derzeit noch führende Airline in Europa machen. Das kann nicht im Interesse der Mitarbeiter sein, auch nicht der in der Flugzeugkabine. Gerade sie rufen ja nach einer Wachstumsperspektive.

Natürlich müssen Gewerkschaften solche „Schäden“ durch Arbeitsniederlegungen in Kauf nehmen. Doch in der Regel handelt es sich um temporäre Effekte. Bei der „Hansa“ aber ist aus dem Tarifstreit längst ein Dauerstreit geworden, und zwar einer, der mit gleich drei Gewerkschaften tobt. Gab es mit einer Gewerkschaft eine Annäherung, machte die andere Rabatz.

Für die Passagiere ist die Lufthansa damit zu einem unsicheren Kantonisten geworden. Hier liegt die große Gefahr für das Unternehmen. Denn solange die Konflikte nicht wirklich abschließend geklärt sind, können sich die Kunden nicht mehr darauf verlassen, die Dienstleistung auch zu bekommen, die sie buchen.

Gerade deshalb ist es so wichtig, dass die Beteiligten jetzt versuchen wollen, doch noch gemeinsam an einem Runden Tisch Platz zu nehmen. Die Gespräche werden sicherlich komplex sein, eine einfache Lösung wird es nicht geben. Aber sie muss gefunden werden. Sonst wird die Marke Lufthansa, die trotz aller Probleme immer noch für Zuverlässigkeit steht, dauerhaft und unwiederbringlich beschädigt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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