Handel + Konsumgüter
Keine Angst vor den Fettnäpfchen

Mit einem liegenden Hockeyschläger hat die Bahn in der Vergangenheit gerne ihre mittelfristige Finanzplanung und die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre symbolisiert. Der lange Griff wies bis 2003 in den Bilanzkurven leicht schräg nach rechts unten in den Minusbereich. Dann aber, 2004, führt die Schlagfläche rechtwinklig und steil aus den roten Zahlen heraus in die Jahre 2005 und 2006 – und in ansehnliche Gewinnzonen.

ek BERLIN. So ist es das Ziel, und Bahnchef Hartmut Mehdorn besteht nach wie vor beharrlich darauf, dieses Ziel zu erreichen. Auch nach Aufgabe der schnellen Börsenpläne will er die Bahn so schnell wie möglich kapitalmarktfähig machen – und damit eine Grundvoraussetzung für den Börsengang des noch bundeseigenen Konzerns schaffen. Doch die Zahl der Kritiker an diesen Plänen wächst.

So ist es einsam geworden um den 62-jährigen Diplom-Ingenieur, der Ende 1999 nach einer weitgehend in der Luftfahrtindustrie absolvierten Karriere als allseits gefeierter Hoffnungsträger für den schwierigen Weg der Bahn-Sanierung sein Amt als Bahnchef antrat. Sein Charisma stand in wohltuendem Gegensatz zum Auftritt seines eher drögen Vorgängers Johannes Ludewig. Unermüdlich trat und tritt der als zäher Kämpfer bekannte Mehdorn seitdem für das ehrgeizige Ziel Börsengang an. Wohl wissend, dass er nur die unternehmerischen Voraussetzungen dafür liefern kann – eine nachhaltige Gewinnentwicklung. Die Entscheidung über eine Teilprivatisierung des Bundesunternehmens muss die Politik fällen.

Doch gerade an der Frage der wirtschaftlichen Gesundung scheiden sich die Geister. Zwar schreibt die Bahn schwarze Zahlen im Schienennahverkehr, der sich allerdings zum Großteil aus den staatlichen Regionalisierungsmitteln finanziert. In den klassischen eigenwirtschaftlichen Bereichen, dem Personenfernverkehr und dem Güterverkehr, sieht es dagegen düsterer aus. Beide sind weit entfernt von einer nachhaltig positiven Entwicklung. Und so fällt es den Kritikern nicht schwer, dem Bahnchef eine Kopf-durch-die- Wand-Mentalität zu unterstellen.

Dies umso mehr, als Mehdorn auf seinem strammen Sanierungskurs keine Rücksichten auf Befindlichkeiten und Gegenmeinungen genommen hat, weder bei kleinen Wettbewerbern im Schienenverkehr noch bei den Parlamentariern in Bund und Ländern. Die Zahl der Gegner wuchs ständig – auch in der Wirtschaft. Die kantige Art des Bahnchefs, der sich nicht vor Fettnäpfchen fürchtete, kam nicht gut an. Und es formierte sich Widerstand – jener Widerstand, der jetzt zum Scheitern der Börsenpläne führte.

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