Keine Einigung in Sicht
Tarifverhandlungen in Druckindustrie festgefahrenen

Keine Einigung ist im festgefahrenen Tarifkonflikt der Druckindustrie in Sicht. Am Dienstag wurden die Verhandlungen auf den 14./15. Juni vertagt.

HB FRANKFURT. „Wir wollen dann endlich zu einem Durchbruch kommen“, sagten Sprecher von Arbeitgebern und Arbeitnehmern nach dem ergebnislosen Abbruch der 14. Gesprächsrunde in Frankfurt. Falls nötig soll auch noch am 16. Juni verhandelt werden. Die Verhandlungen werden erneut in Frankfurt geführt.

Hauptstreitpunkt ist die Forderung des Bundesverbandes Druck und Medien (bvdm) nach betrieblichen Öffnungsklauseln, damit Betriebe die Arbeitszeit auch ohne Lohnausgleich verlängern können. Dies lehnt die Gewerkschaft Verdi ab. „Die Arbeitgeberseite muss von ihren dogmatischen Vorstellungen Abstand nehmen“, forderte der Fachbereichsleiter von Verdi Hessen, Berthold Balzer. Die Gewerkschaft will mit Warnstreiks weiter Druck machen.

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Frank Werneke, sagte: „Wenn wir zentrale Punkte wie Sonderzahlungen, Urlaub oder Arbeitszeit nicht mehr verbindlich regeln, wird der Flächentarif irgendwann obsolet.“ In der Druckindustrie hätten bei den Arbeitgebern harte Sitten um sich gegriffen. Deshalb gebe es kein Zutrauen bei den Beschäftigten, dass mit Öffnungsklauseln fair umgegangen werde. Zudem seien längere Arbeitszeiten angesichts des Arbeitsplatzabbaus in der Branche der falsche Weg. Als Kompromiss habe Verdi Vorschläge zu Arbeitszeitkonten gemacht.

„Nicht alle Betriebe benötigen längere Arbeitszeiten, aber Betriebe im internationalen Wettbewerb brauchen sie“, sagte bvdm- Hauptgeschäftsführer Thomas Mayer. Für individuelle betriebliche Regelungen müsse eine tarifliche Grundlage geschaffen werden. Die Druckindustrie habe inzwischen mit 35 Wochenstunden im Westen und 38 Stunden im Osten die kürzesten Arbeitszeiten in Deutschland. „Selbst die Metallindustrie hat inzwischen Öffnungsklauseln“, sagte Mayer. Damit könnten auch Abweichungen in der betrieblichen Praxis wieder eingefangen werden.

Verdi fordert für die rund 200 000 Beschäftigten der Branche 3,7 % mehr Geld. Die Lohntarifverhandlungen waren Mitte März aufgenommen worden. Bereits seit Ende 2003 wird über eine Reform des Manteltarifvertrags verhandelt. Inzwischen sind beide Themen zusammengefasst. Die Friedenspflicht war am 1. Mai ausgelaufen. Seitdem haben sich nach Gewerkschaftsangaben rund 15 000 Beschäftigte in 150 Betrieben an Warnstreiks beteiligt. Auch am Dienstag gab es Arbeitsniederlegungen in Druckereien.

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