Keine Reiselust
Flughäfen erwarten stagnierende Passagierzahlen

Die trüben Wirtschaftsaussichten verderben den Bundesbürgern die Lust auf Flugreisen. Der deutsche Flughafenverband rechnet darum nicht mehr mit einem Wachstum. Besonders kleinen Flughäfen geht es schlechter.
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Frankfurt„Im vierten Quartal rechnen wir in Deutschland mit einem Null-Wachstum bei den Passagierzahlen“, sagte Ralph Beisel, Chef des Flughafenverbands ADV, in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit Reuters. In den ersten neun Monaten sei die Zahl der Flugpassagiere in Deutschland noch um sechs Prozent auf 150 Millionen gewachsen. Ursprünglich hatte der Flughafenverband für 2011 insgesamt 200 Millionen Fluggäste erwartet. Daraus werde nun wahrscheinlich nichts mehr. Auch das nächste Jahr werde schwierig, sagte Beisel, dessen Verband 47 Flughäfen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vertritt. 

An kleineren Flughäfen laufen die Geschäfte bereits seit Einführung der neuen Ticketsteuer Anfang 2011 nicht mehr rund. „Betroffen sind Airports, die einen hohen Anteil an innerdeutschen und Europa-Flügen aufweisen“, sagte er. Wegen der neuen Abgabe, die bei Flügen bis 2500 Kilometer mit acht Euro zu Buche schlägt, hätten Billigflieger wie Ryanair Flugzeuge aus Deutschland abgezogen und ins Ausland verlagert. Solche Abgänge könnten Regionalairports häufig nicht kompensieren, rote Zahlen seien die Folge. 

Hingegen wachsen Großflughäfen wie Frankfurt oder München weiter. „Dort werden viele Langstreckenverbindungen angeboten und es steigen viele Passagiere um.“ Umsteigeverbindung seien aber von der Ticketsteuer weitgehend ausgenommen. Damit werde der Wettbewerb zwischen den Flughäfen verzerrt. Die Steuer müsse weg oder die Sätze zumindest sinken, forderte Beisel. 

Für den Fiskus ist die Steuer hingegen ein voller Erfolg. Allein dieses Jahr dürfte sie dem Bund eine Milliarde Euro in die Kassen spülen. 

Kritik übte Beisel an den Liberalisierungsplänen der EU. In einem vor drei Wochen bekanntgewordenen Entwurf forderte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas weitreichende Änderungen bei der Bodenabfertigung an Airports. Nach seinem Willen sollen an großen Flug-Drehkreuzen mindestens drei Firmen ihre Dienste anbieten - bislang waren nur zwei vorgeschrieben. 

„Der derzeitige Vorschlag ist für die Flughäfen in Deutschland ein Desaster“, kritisierte Beisel. Die Flughafenbetreiber verdienten mit den Bodenabfertigungsdiensten bereits heute kein Geld mehr. Nach einer ersten Liberalisierungsrunde seien die Löhne der Angestellten, die beispielsweise das Gepäck ausladen, bereits gesunken. „Wir können keine weiteren Lohnanpassungen nach unten vornehmen, um im Markt zu bleiben.“ Ein einheitlicher Mindestlohn - wie ihn die CDU am Wochenende ins Spiel gebracht hat - sei vor diesem Hintergrund hilfreich. „Wir brauchen ein Regulativ, um dem Wettbewerb über immer niedrigere Löhne Einhalt gebieten zu können“, führte er aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Keine Reiselust: Flughäfen erwarten stagnierende Passagierzahlen"

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  • Komisch!
    .
    Wieso schlägt der uns suggerierte Aufschwung nicht durch?
    .
    Weil er erfunden wurde…
    .
    Von den
    LÜGNERN, BETRÜGERN, RÄUBERN, DIEBEN, & PLÜNDERERN.
    .
    Man nennt sie auch POLITIKER

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