Keine schnelle Einigung

Entscheidung über Kaiser's Tengelmann vertagt

Kein Ende in Sicht: Die Beschäftigten der angeschlagenen Supermarktkette müssen weiter um ihre Jobs zittern. Die Parteien sind sich noch uneinig und die Schlichtungsverhandlungen sollen erst am Montag fortgesetzt werden.
Noch sind die Parteien sich nicht einig, wie es mit der Supermarktkette weitergehen soll. Quelle: dpa
Ärger um Tengelmann

Noch sind die Parteien sich nicht einig, wie es mit der Supermarktkette weitergehen soll.

(Foto: dpa)

Mülheim/RuhrDie rund 15.000 Beschäftigten der Supermarktkette Kaiser's müssen weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Auch ein zweites Treffen der Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe unter Vermittlung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) führte am Donnerstag nicht zu einer Einigung über die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte am Mittag mit, alle Parteien hätten sich darauf verständigt, die Schlichtung am Montag fortzusetzen. Zum Stand der Gespräche machte das Ministerium keine Angaben.

Am ersten Tag der Verhandlungen war es Schröder in den an einem geheimen Ort stattfindenden Gesprächen gelungen, zumindest etwas Bewegung in die verhärteten Fronten zu bringen. Nach dpa-Informationen wurde das Bundeskartellamt gebeten zu prüfen, welche Kaiser's Tengelmann-Filialen im Großraum Berlin und in Nordrhein-Westfalen Rewe ohne kartellrechtliche Probleme übernehmen könne.

Es begann mit Kolonialwaren...
Tengelmann's Kaffee-Geschaeft / Foto - -
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Im Jahr 1867 gründen der Kaufmann Wilhelm Schmitz und seine Ehefrau Louise, geborene Scholl, in Mülheim an der Ruhr die Schokoladenfabrik Wissoll und bald darauf einen Kolonialwarenhandel - seit fünf Generationen liegt das international agierende Imperium inzwischen in den Händen der Familie.

(Das Foto stammt aus den 20er Jahren und zeigt Angestellte)

huGO-BildID: 5752567 Eriwan Haub, 1969
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Der Urenkel Erivan Haub, der 1932 zur Welt kommt, macht eine Lehre als Großhandelskaufmann in den USA, studiert in Hamburg und Mainz Volkswirtschaftslehre, volontiert bei Banken - unter anderem bei der Commerzbank - und in der Immobilienbranche, ehe sich 1963 ein Platz bei Tengelmann in Wiesbaden für ihn findet. Im Jahr 1969 tritt Erivan Haub die Nachfolge seines Onkels, der plötzlich verstorben ist, an und beginnt mit der gezielten Expansion durch die Übernahme mehrerer Handelsketten.

huGO-BildID: 29158806 mehr Foto-Infos gibt es nicht! USO Golfturnier, rechts Helga Haub, Tengelmann Wiesbaden 19xx
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Helga Otto (rechts) wächst mit ihren Eltern Irma und Rudolf Otto sowie drei Geschwistern im südbadischen Emmendingen und Hinterzarten (Schwarzwald) auf. Nach dem Abitur schreibt sie sich in Hamburg für Wirtschaftswissenschaften ein – damals ein Fach, in dem Frauen noch eine Rarität sind.

(Foto: Privataufnahme)

huGO-BildID: 29158780 mehr Foto-Infos gibt es nicht! Privataufnahme, 1984, links Erivan Haub, rechts Helga Haub, Tengelmann
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1958 heiratet der Amerika-Fan Erivan Haub die Diplomkauffrau Helga. Als in den fünfziger Jahren der Kalte Krieg zu eskalieren droht, schafft sich die Familie ein zweites Zuhause in Tacoma bei Seattle an der Westküste; hier kommen zwischen 1960 und 1964 alle drei Söhne, Karl-Erivan, Georg und Christian, zur Welt.

(Foto: Provataufnahme aus dem Jahr 1984)

Tengelmann-Gruppe
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In den folgenden Jahrzehnten baut Erivan Haub den überschaubaren Betrieb zu einem der weltweit größten Handelsunternehmen aus.

China, Shenyang: German home department store "Obi"
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Im Jahr 2000 wagt der Unternehmer die Expansion nach China und eröffnet den ersten Obi-Baumarkt. Zwei Jahre später träumt er von 100 Filialen im Reich der Mitte, doch 2005 muss Obi seine 18 Märkte wieder verkaufen, weil sie keine schwarzen Zahlen schreiben.

huGO-BildID: 2469409 NUMBER :96122706 DATE :19 12 96 CAPTIONWRITER :WvB PHOTOGRAPHER :¬ Wolfgang von Brauchitsch 53113 Bonn Tel.: 0228 21 53 08 C
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Der Auslistung von Froschschenkeln und Schildkrötensuppe Anfang der 80er Jahre verdankt das Unternehmen seine Pionierrolle im Umweltschutz und gleichzeitig sein einprägsames Umweltzeichen.

Eine Aufteilung der Kaiser's Tengelmann-Filialen auf Edeka und Rewe war auch bei früheren Verhandlungen schon einmal als Ausweg aus dem Dauerstreit um die Supermarktkette diskutiert worden. Doch konnten sich die verfeindeten Handelskonzerne damals nicht einigen.

Sollte dieses Mal unter Vermittlung Schröders ein Kompromiss gefunden werden, könnte das weitere Vorgehen so aussehen: Rewe zieht seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurück. Edeka übernimmt die gut 400 Kaiser's Tengelmann-Filialen und gibt einen nennenswerten Teil davon an Rewe weiter, wobei das Bundeskartellamt bei der Auswahl diesmal von Anfang an einbezogen wird.

Diese prominenten Politiker haben schon Streit geschlichtet
Gerhard Schröder
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Die Chefs sind heillos zerstritten, die erteilte Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel kassierte das Oberlandesgericht. Im Streit um den Verkauf der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann haben Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, die Konkurrenten und die Gewerkschaft Verdi monatelang erfolglos um eine Einigung gerungen. Nun soll Altkanzler Gerhard Schröder die zerstrittenen Parteien zusammenbringen und mehr als 15.000 Arbeitsplätze retten. Schröder ist aber nicht der erste Politiker, der in einer vertrackten Situation schlichten soll.

Matthias Platzeck
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Es war einer der erbittertsten Arbeitskämpfe in der Lufthansa-Geschichte: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hatte die 19.000 Flugbegleiter im November 2015 zu einem rund einwöchigen Streik aufgerufen, betroffen war gut eine halbe Million Passagiere. Nach Monaten der Verhandlung verkündete Schlichter Matthias Platzeck dann im Juli 2016 die Einigung. Am Ende stand ein Mammutwerk mit 19 Regelungen, die in 29 Einzelverträge gegossen wurden. „Ein bisschen Sisyphus bleibt immer”, resümierte der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident nach der Einigung. Er war aber nicht der Erste, den die Lufthansa zur Schlichtung benötigte.

Klaus von Dohnanyi
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Bereits 2003 moderierte der frühere Erste Bürgermeister von Hamburg erfolgreich einen Tarifkonflikt zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Lufthansa, bei dem es um rund 52.000 Mitarbeiter des Boden- und Kabinenpersonals der Airline ging. 2010 schlichtet er dann erneut einen Tarifstreit bei Lufthansa, dieses Mal hatten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und das Management nicht zueinander finden können. 

Hans-Dietrich Genscher
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Auch der frühere Außenminister, der im März dieses Jahres verstarb, kam bei Europas größter Fluggesellschaft bereits als Schlichter zum Einsatz. 2001 vermittelte er im Tarifstreit zwischen den Piloten und dem Management. Genscher galt als erfahrener Taktiker und war deshalb eine Idealbesetzung für diesen schwierigen Job. 

Jürgen Trittin
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Der Grünen-Politiker hat maßgeblich dazu beigetragen, das Kapitel Atomenergie in Deutschland im Konsens zu beenden. Im Jahr 2000 handelte er zunächst als Bundesumweltminister mit den Chefs der Atomkonzerne den ersten Atomkonsens aus, der den schrittweisen Ausstieg aus der umstrittenen Technologie einleitete. Jetzt schuf er gemeinsam mit anderen Experten die Grundlage für die langfristig sichere Entsorgung des Atommülls. Trittin stand  gemeinsam mit den anderen Politikern Ole von Beust (CDU) und Matthias Platzeck (SPD) der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) vor.

Bodo Ramelow und Matthias Platzeck
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Matthias Platzeck an allen Fronten: Im Jahr 2015 wurde Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident zusammen mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von den Linken (li.) beim Bahnstreik zu Hilfe gerufen – Ramelow von der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), Platzeck von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Fast eine halbe Milliarde Euro kostet die Bahn der längste Streik ihrer Geschichte, zwölf Monate lang zitterten Kunden vor der Zugfahrt, ob die Reise nicht schon am Einstiegsbahnhof endete, 420 Stunden probten die Gewerkschafter den Ausstand – und hielten Fahrgäste wie Speditionen in Atem. Am 1. Juli 2015 konnten beide Schlichter endlich Entwarnung geben.

Heiner Geißler
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Gerne eingeschaltet wird auch Heiner Geißler, ehemaliger Minister und CDU-Fraktionschef. Zuletzt beim Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21, bei dem ihn Baden-Württemberg früherer Ministerpräsident Stefan Mappus (rechts) 2010 rief. Das Schlichtungsverfahren wurde auch deshalb in der Öffentlichkeit so stark beachtet, weil die Debatten zwischen Befürwortern und Gegner im Fernsehen übertragen wurden. Das Ergebnis der Schlichtung: Stuttgart 21 wird gebaut – aber mit deutlichen Änderungen und deutlich teurer als geplant.

Einfach dürfte so eine Einigung allerdings nicht sein. Denn vor Beginn der Gespräche waren die Positionen der beiden Parteien denkbar weit voneinander entfernt. Während Rewe-Chef Caparros öffentlich „einen großen Teil des Filialnetzes“ von Kaiser's Tengelmann für sein Unternehmen forderte, favorisierten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub und Edeka-Chef Markus Mosa ganz eindeutig eine Komplettübernahme durch Edeka.

Kaiser's Tengelmann beschäftigt heute in gut 400 Filialen in München und Oberbayern, im Großraum Berlin und im Rheinland noch rund 15.000 Mitarbeiter. Doch schreibt die Supermarktkette schon seit der Jahrtausendwende rote Zahlen. Miteigentümer Karl-Erivan Haub hatte deshalb vor zwei Jahren beschlossen, das Unternehmen Edeka zu verkaufen

  • dpa
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