Kettler-Insolvenz endet Kettcar-Hersteller scheint gerettet

Kinder brauchen auf das kultige Tretauto Kettcar auch künftig nicht zu verzichten. Hersteller Kettler will das Insolvenzverfahren in Eigenregie zum Monatsende erfolgreich abgeschlossen haben. Wie die Rettung gelang.
Update: 15.03.2016 - 17:55 Uhr
Mit dem Tretauto aus dem Sauerland sind Generationen von Kindern aufgewachsen. Quelle: picture alliance/dpa
Das Kettcar rollt weiter

Mit dem Tretauto aus dem Sauerland sind Generationen von Kindern aufgewachsen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ense/DüsseldorfDer Kettcar-Hersteller Kettler ist offenbar gerettet: Der Sport- und Freizeitartikel-Produzent kündigte am Dienstag an, er werde das im Juni 2015 eingeleitete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zum 1. April beenden. Danach soll der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgesetzt werden. Der Insolvenzplan des Unternehmens sei bereits Ende vergangenen Monats einstimmig durch die Gläubigerversammlung angenommen worden.

Unternehmensnahe Kreise gehen davon aus, dass es eine Landesbürgschaft für Kettler vom Land Nordrhein-Westfalen geben wird. Das Finanzministerium NRW wollte sich auf Handelsblatt-Anfrage mit Verweis auf das Bürgschaftsgeheimnis jedoch nicht dazu äußern.

Großgläubiger Carlyle, dessen Forderungen sich auf rund zwölf Millionen Euro belaufen haben sollen, gehörte am Ende nicht zum Kreis der Gläubiger. Der US-Finanzinvestor soll mit Geld aus einer Kettler-Grundstücksgesellschaft komplett abgefunden worden sein, heißt es.

Diese Traditionsfirmen gingen insolvent
Beate Uhse (2017)
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Der Erotik-Händler Beate Uhse setzte auf falsche Strategien und verschlief Trends. Die Folge: 18 Jahre nach seinem Börsengang im Jahr 1999 beantragte das Unternehmen im Dezember 2017 Insolvenz in Eigenregie. Parallel läuft nun der Verkaufsprozess. Beate Uhse wurde 1946 von der früheren Luftwaffenpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet, 1962 eröffnete ihr Unternehmen in Flensburg den ersten Sexshop der Welt.

Air Berlin (2017)
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Selten wurde eine Insolvenz so intensiv öffentlich ausgebreitet wie bei Air Berlin. Seit sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im August 2017 für zahlungsunfähig erklärte, verschwand der Konzern nicht mehr aus den Schlagzeilen. Die Firmenpleite war wohl die spektakulärste des Jahres 2017, dabei kam sie nicht mal überraschend: Es galt als sicher, dass Air Berlin das Jahr nicht in seiner bisherigen Form überleben würde. Die roten Schokoherzen der 1978 gegründeten Fluggesellschaft sind jetzt Sammlerstücke.

Solarworld (2017)
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Die 1988 gegründete Solarworld AG musste nach sechs verlustreichen Jahren im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Der Gründer und Chef des Photovoltaikkonzerns, Frank Asbeck, kaufte einige Monate später die beiden deutschen Fabriken und mehrere Tochtergesellschaften im Ausland. Investoren aus Katar unterstützen Asbeck bei dieser Teilrettung.

Alno (2017)
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Für die 410 Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers Alno gab es Ende des Jahres 2017 doch noch eine gute Nachricht. Finanzinvestor River Rock kaufte den Konzern für 20 Millionen Euro und will den Betrieb, der schon längst eingestellt war, weiterlaufen lassen. Damit können fast alle Mitarbeiter mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes rechnen – obwohl sie zuvor nach Hause geschickt worden waren. Lange Zeit war kein Käufer in Sicht. Alno wurde 1927 als Schreinerei in Wangen bei Göppingen gegründet, der Name stammt von Gründer Albert Nothdurft.

Deutsche Touring (2017)
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Die fast 70 Jahre alte Deutsche Touring musste im April 2017 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten. Das 1948 gegründete Unternehmen wollte sich neu aufstellen, um auch künftig in der von einem aggressiven Preiswettbewerb gekennzeichneten Branche bestehen zu können. Der Fernreisebus-Anbieter aus Eschborn bei Frankfurt betreibt nach eigenen Angaben 260 Linien und Zubringerstrecken in 34 europäischen Ländern. Im August 2017 übernahm der langjährige Partner CroatiaBus/Globtour den Geschäftsbetrieb und führt den Linienverkehr fort.

Mifa (2014 und 2017)
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Der Fahrradhersteller Mifa aus Sachsen-Anhalt meldete im September 2014 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Im Dezember 2014 übernahm die Unternehmerfamilie Nathusius den Fahrradhersteller. Im Dezember 2016 wurde ein neues Werk in Sangerhausen eröffnet. Doch schon im Januar 2017 musste Mifa überraschend erneut Insolvenz anmelden. Nach dem Verkauf an den Unternehmer Stefan Zubcic nahm das Unternehmen unter dem neuen Namen Sachsenring Bike Manufaktur im August 2017 die Produktion wieder auf.

Sinn-Leffers (2008 und 2016)
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Die Modekette Sinn-Leffers hat im September 2016 erneut Insolvenzantrag gestellt. Die beiden traditionsreichen Modehändler Sinn und Leffers hatten 1997 fusioniert, von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener Karstadt-Quelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. 2008 ging Sinn-Leffers schon einmal in die Insolvenz, bei der rund die Hälfte der Filialen geschlossen wurde. 2013 übernahm der Textilunternehmer Gerhard Wöhrl die Kette. Im Juli 2017 wurde das zweite Insolvenzverfahren aufgehoben.

Die Firma Kettler aus dem Sauerland hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland einen steilen Aufstieg erlebt. Zu den größten Erfolgen zählte das vierrädrige Tretauto Kettcar. Firmengründer Heinz Kettler hatte das Unternehmen zu einem führenden Hersteller von Sportgeräten, Fahrrädern und Gartenmöbeln gemacht. Mit dem weltweit ersten Aluminium-Bike revolutionierte Kettler Ende der 70er-Jahre die Fahrradwelt. Der Hometrainer „Golf“ war in den 80er-Jahren eines der beliebtesten Fitnessgerät Europas.

Nach dem Tod von Gründer Heinz Kettler führte Tochter Karin das Unternehmen weiter. Der Umsatz von Kettler betrug im Geschäftsjahr 2012/13 laut Bundesanzeiger rund 197 Millionen Euro – im Jahr 2008 waren es allerdings noch etwa 300 Millionen Euro gewesen.

Im vergangenen Jahr geriet die Firma dann wie schon zur Finanzkrise in wirtschaftliche Turbulenzen. Im Zuge des Insolvenzverfahrens verkaufte Kettler seine Fahrradsparte, die im Saarland ansässig war, im November an ZEG. Außerdem wurde die Zahl der Beschäftigten um rund 200 verringert. Das Unternehmen Kettler betonte, die eingeleitete Restrukturierung und Neuausrichtung werde fortgesetzt. Die verbliebenen Geschäftsbereiche Sport, Freizeitmöbel sowie Spiel und Kind werden fortgeführt.

Torsten Kasubke, der für Kettler zuständige IG-Metall-Bevollmächtigte, zeigt sich zufrieden. Dem Handelsblatt sagte er: „Das Sanierungskonzept des Unternehmens sah einen Stellenabbau von 400 Mitarbeitern vor, wir haben den Personalabbau reduzieren können und konnten somit dauerhaft 750 Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen erhalten.“

Karin Kettler wird künftig nicht mehr Geschäftsführerin des Unternehmens sein, berichtet die „Westfälische Rundschau“. Der bisherige Co-Geschäftsführer Ludger Busche sowie Christian Krause werden demnach das Unternehmen in Zukunft führen. Das Altunternehmen solle nach Beendigung der Insolvenz in eine neue Gesellschaft überführt werden. Dabei werde der Vorname des Firmengründers, Heinz, gestrichen. Aus der Heinz Kettler GmbH & Co. KG werde dann die Kettler GmbH, um befreit von Altlasten neu starten zu können.

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