Kiffen als Goldgrube Milliarden-Markt Marihuana boomt weiter

Marihuana und Produkte rund um die Droge sind in den USA ein großes Geschäft. Der Markt wächst, obwohl das ganz große Geld noch gar nicht fließt. Der Boom zieht Unternehmer an. Auch der Fiskus kassiert kräftig mit.
In den USA floriert das Geschäft mit Marihuana. Unternehmer, Wagniskapitalisten und der Fiskus profitieren davon. Quelle: dpa
Cannabis

In den USA floriert das Geschäft mit Marihuana. Unternehmer, Wagniskapitalisten und der Fiskus profitieren davon.

(Foto: dpa)

New York/TucsonDer Brownie hat es in sich: 40 Milligramm des berauschenden Cannabis-Wirkstoffs THC enthält das Stück Schokokuchen - das sollte reichen, um selbst erfahrene Kiffer ziemlich high zu machen. Verkauft wird der 12,5 Dollar teure Cookie ganz legal, unter anderem in der Globe Farmacy in Arizona.

In den USA floriert das Geschäft mit Marihuana. 23 der 50 Bundesstaaten haben den Verkauf inzwischen erlaubt, wenngleich meist nur zum medizinischen Gebrauch. Der Markt wächst rasant - im vergangenen Jahr stieg der Umsatz dem Analysehaus Arcview Market Research nach von 4,6 auf 5,4 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro).

Dabei entfällt ein wesentlicher Teil nicht auf die Droge an sich, sondern Produkte rund um Marihuana herum. Die „Edibles“ genannten Artikel reichen von Gebäck über Drinks bis hin zu Tinkturen, Lotionen oder Entspannungspillen. Selbst Beruhigungsmittel und Appetitmacher für Haustiere („Canna-Pet“) hat die kreative Branche im Angebot.

Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Die Marktforscher von Arcview prognostizieren, dass die jährlichen Erlöse der Branche 2016 um 24 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar klettern. 2020 werde der Umsatz 21,8 Milliarden Dollar erreichen. Das lockt immer mehr „Ganjapreneure“ genannter Kleinunternehmer in den Markt.

Wie aus Hanf ein Medikament wird
Cannabis
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Im Auftrag des Herstellers Bionorica züchtet die österreichische Staatsagentur AGES am Stadtrand von Wien die Hanfpflanzen. Gut sechs Monate dauert der Anbauzyklus. Von der Farbe der Pflanzentöpfe bis zu einer speziellen Reflexion des Lichtes ist bei der Züchtung alles durchoptimiert. Die Hanfblüten gedeihen am besten, wenn die Lichtzeiten kurz sind.

Bionorica
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Am Firmensitz in Neumarkt/Oberpfalz verarbeitet der Hersteller Bionorica die Hanfblüten weiter. Der Tresorraum, in dem die Blüten zunächst lagern, ist durch eine schwere Stahltür, Kameras, Bewegungsmelder und Erschütterungssensoren gesichert. Die Medikamenten-Entwickler von Bionorica interessieren insbesondere die feinen Drüsenhärchen der Hanfblüten – in ihnen ist der entscheidende Wirkstoff Tetrahydrocannabinol, kurz Thc, enthalten.

Chemische Reaktionsverfahren
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Die getrockneten Hanfblüten werden in großen, stählernen Zylinderkesseln mit Lösungsmitteln versetzt. Bionorica nutzt nun die ganze Bandbreite der chemischen Reaktionsverfahren: Destillieren, Kondensieren, Kühlen, Verdampfen, Erhitzen. Ein Chromatograph trennt das Thc von anderen Bestandteilen; das verbliebene wird auf 60 bis 70 Grad erhitzt. Die Abläufe werden so lange wiederholt, bis der Laborleiter mit dem Wirkstoffgehalt zufrieden ist.

Flüssigkeit
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Eine bernsteinfarbene Flüssigkeit ist entstanden. Der Thc-Anteil liegt nun bei über 97 Prozent.

Spritzen
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Der entstandene Wirkstoff wird auf Spritzen gezogen. Wie viele Hanfblüten nötig sind, um eine Dosis herzustellen, verrät Bionorica leider nicht.

Kein Fertigarzneimittel
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Bis zur Auslieferung an die Apotheken lagern der Stoff im Tresorraum. Allerdings ist Dronabinol nicht als Fertigarzneimittel zugelassen. Das heißt: Vor Ort müssen die Apotheker das Medikament noch zusammenmischen – sie kombinieren dabei die Substanz aus der Spritze mit einem speziellen Lösungsmittel. Das fertige Medikament Dronabinol nutzen in Deutschland derzeit etwa 600 bis 700 Patienten

Der US-Sender MSNBC begleitete eine Reihe dieser Start-ups in der Reality-TV-Serie „Pot Barons of Colorado“. Eine Erfolgsgeschichte unter den vorgestellten Geschäften: Die Firma „Medicine Man“ der Brüder Andy und Pete Williams, die sich mit zwei Filialen in Denver und Aurora zu einem Schwergewicht der Branche entwickelt hat.

Ende 2015 erhielt das mit den Läden verbundene Beratungsunternehmen „Medicine Man Technologies“ die Zulassung der Finanzaufsicht, unter dem Tickersymbol MDCL Aktien auszugeben. Ein öffentlicher Börsengang ist zwar nicht geplant, die Papiere sollen zunächst nur ausgewählten Investoren angeboten werden. Dennoch ist es ein weiteres Indiz für das wachsende Interesse am Marihuana-Geschäft.

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