Kinnevik
Großaktionär steigt bei Rocket Internet komplett aus

Rocket Internet verliert seinen Großaktionär Kinnevik komplett. Die Beteiligungsgesellschaft aus Schweden hat ihre letzten Aktien an dem Berliner Unternehmen verkauft. Dem Aktienkurs bekam das nicht gut.
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Stockholm, BerlinDer schwedische Großaktionär Kinnevik ist bei Rocket Internet ausgestiegen. Der Investor nahm mit dem Verkauf seiner verbliebenen 6,6-prozentigen Beteiligung 217 Millionen Euro ein, wie Kinnevik am Donnerstag mitteilte. Das Engagement bei der Berliner Start-up-Holding hat sich für den Risikokapitalgeber gelohnt, seinen Einsatz hat er versechsfacht: Durch Aktienverkäufe und Dividenden kassierte er 936 Millionen Euro, investiert hatte er insgesamt 155 Millionen Euro. Dem Kurs der Rocket-Internet-Aktie bekam die Neuigkeit nicht gut. Er rutschte zuletzt um fast fünf Prozent ab.

Der Schritt kommt nicht wirklich überraschend. Bereits im Februar hatten die Schweden die erste Hälfte ihrer Anteile verkauft und sich vorbehalten, den Rest nach einer Haltefrist ebenfalls abzustoßen. Diese ist nun abgelaufen. Hinzu kommt, dass die Rocket-Aktie für ihre Verhältnisse gerade gut steht: Der angekündigte Börsengang von Delivery Hero hat den Kurs, der lange bei 16 Euro dümpelte, erstmals wieder über 20 Euro steigen lassen.

Es gebe einen „Interessenkonflikt“, sagte Joakim Andersson, Interims-Chef bei Kinnevik, damals gegenüber dem Handelsblatt. „Unsere Geschäftsmodelle sind sich zu ähnlich geworden. Rocket baut nicht mehr nur junge Firmen auf, sondern investiert auch in größere Unternehmen. Wir tun dasselbe.“

Mit dem Verkauf der Aktien habe man vor allem Gewinne realisieren und für neue Investitionen bereitstellen wollen. Der Zeitpunkt sei günstig gewesen, die Nachfrage da. „Das Investment in Rocket war fantastisch“, betonte Andersson. „Wir haben unseren Einsatz versechsfacht.“

Cristina Stenbeck, die Erbin des schwedischen Familienunternehmens Kinnevik, groß geworden mit Papier- und Holzhandel, hat 2010 erstmals in Rocket Internet investiert – und sich mit Samwers Hilfe ein Portfolio aus E-Commerce-Unternehmen erschaffen. Kinnevik und Rocket investierten gemeinsam in den Modehändler Zalando und in dessen Klon für die Entwicklungsländer, die Global Fashion Group. Mit Stenbecks Geld bauten Samwers Leute Marktplätze in Afrika, und die Online-Möbelhändler Westwing und Home 24.

In den letzten Jahren war in Investorenkreisen öfter von Konflikten zwischen den Parteien die Rede. Auffällig war, dass Kinnevik die gemeinsamen Beteiligungen stets konservativer – meistens niedriger – bewertete als Rocket Internet.

Bei der Hauptversammlung am vergangenen Freitag hatte Oliver Samwer noch gesagt, er wisse nicht, wann die Schweden den Rest ihrer Anteile abstoßen wollten. Nach einem innigen Verhältnis klang das nicht. „Kinnevik ist meistens Mehrheitseigener, dort, wo sie investieren“, sagte Samwer. „Bei uns hatten sie diese Kontrolle nicht.“

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