Klagen in den USA rütteln am Image – Deutsche Tochter verringert Verlust: Wal-Mart streicht Rekordgewinn ein

Klagen in den USA rütteln am Image – Deutsche Tochter verringert Verlust
Wal-Mart streicht Rekordgewinn ein

Der weltgrößte Handelskonzern Wal-Mart hat seinen Gewinn im abgelaufenen Geschäftsquartal um 16 Prozent auf 3,16 Mrd. Dollar gesteigert. Für das Deutschlandgeschäft wird Zuversicht gehegt.

tmo/dpa NEW YORK/ DÜSSELDORF. Der US-Riese aus Bentonville im Bundesstaat Arkansas konnte einen schwachen Start ins Weihnachtsgeschäft durch Preissenkungen und Werbe-Aktionen mehr als ausgleichen. Konzernchef Lee Scott äußerte sich „erfreut, aber nicht zufrieden“ über das Ergebnis des Geschäftsjah-res 2004/2005, das am 31. Januar endete. „Wir sind stark gestartet und haben in der zweiten Jahreshälfte nachgelassen“, sagte Scott in einer vorab aufgezeichneten Rede, die Wal-Mart gestern per Internet verbreitete. Beim Nettogewinn übersprang der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr mit 10,27 Mrd. Dollar erstmals die Marke von zehn Milliarden (plus 15,9 Prozent). Der Umsatz stieg um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 285,2 Mrd. Dollar.

Der Handelsriese mit 1,5 Millionen Mitarbeitern kämpft auf dem Heimatmarkt gegen mehrere Prozesse und ein schlechtes Image. So zahlte Wal-Mart vor wenigen Tagen eine Strafe von 135 540 Dollar, um eine Untersuchung beizulegen, wonach der Konzern Schutzgesetze für Kinderarbeit missachtete. Laut dem US-Arbeitsministerium ließ Wal-Mart Teenager in 24 Fällen mit gefährlichen Geräten wie Kettensägen und Gabelstaplern arbeiten.

Zudem ließ ein Bundesrichter eine Sammelklage wegen angeblicher Benachteiligung weiblicher Mitarbeiter zu. Das Verfahren könnte die Arbeitsbedingungen der oft niedrig bezahlten Wal-Mart-Angestellten an die Öffentlichkeit bringen. Eine andere Untersuchung betrifft illegale Einwanderer, die im Auftrag von Reinigungsfirmen Wal-Mart-Zentren putzten. „Die größte Gefahr für Amerika liegt in einer Walmartisierung“, sagte Greg Danier, Sprecher der Dienstleistungs- und Handelsgewerkschaft UFCW.

In Deutschland, wo sich der Einzelhandelskonzern seit Jahren schwer tut, habe das Unternehmen seine Verluste deutlich verringern können, sagte gestern Kay Hafner, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Wal-Mart Germany in Wuppertal, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Zum ersten Mal sei ein positiver operativer Mittelzufluss (Cash-Flow) erzielt worden. Das bedeute, ein Teil der Investitionen könne inzwischen aus eigener Kraft erfolgen. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte der Deutschland-Chef.

Im laufenden Geschäftsjahr wolle sich Wal-Mart Germany der Gewinnschwelle weiter nähern. Ob aber bereits schwarze Zahlen geplant werden, ließ Hafner offen. „Das Loch, das noch zu schließen ist, hat sich sehr verkleinert“, ergänzte Finanz-Geschäftsführer Mark Rahmann. In gut drei Viertel der deutschen Filialen sei 2004 das operative Ergebnis verbessert worden. Wie viele Filialen der derzeit 91 Märkte in Deutschland noch rote Zahlen schreiben, sagte er nicht.

Spekulationen über einen möglichen Marktrückzug, die Wal-Mart in Deutschland seit Jahren begleiten, begegnete der Konzern gestern mit Wachstumsplänen. Wal-Mart Germany prüfe Standorte für neue Märkte, sagte Hafner. Seit dem Markteintritt in Deutschland Ende 1997 schrumpfte die Filialzahl unter dem Strich um sechs auf 91.

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