Klagerisiko belastet : Wohnungskonzern Gagfah wieder mit roten Zahlen

Klagerisiko belastet
Wohnungskonzern Gagfah wieder mit roten Zahlen

Rote Zahlen 2010, eine drohende Klage und die Finanzaufsicht im Nacken: Für den Wohnungskonzern Gagfah läuft es nicht gut derzeit. Konzern-Chef Brennan wagt daher auch keine konkrete Prognose für 2011.
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Der Immobilienkonzern Gagfah hat das abgelaufene Jahr erneut mit roten Zahlen abgeschlossen. Der Nettoverlust verringerte sich aber auf 0,6 Millionen Euro von 75 Millionen im Jahr 2009, wie Deutschlands größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft am Mittwoch mitteilte.

Dabei halfen auch die Verkäufe, insgesamt schlug das Unternehmen Wohnungen für 473 Millionen Euro los und übertraf damit das selbstgesteckte Jahresziel. Der schrumpfende Bestand spiegelte sich allerdings im operativen Ergebnis wider: Der in der Branche maßgebliche FFO sank auf 171 (Vorjahr: 190) Millionen Euro. Der Leerstand blieb mit 5,2 Prozent zum Jahresende auf einem relativ hohen Niveau.

Eine konkrete Prognose für 2011 wagte Gagfah-Chef William Joseph Brennan nicht. Das dürfte auch daran liegen, dass dem Konzern, der mehrheitlich dem US-Finanzinvestor Fortress gehört, eine Klage und Vertragsstrafe aus Dresden droht. Der Immobilienkonzern soll dort gegen die Sozialcharta verstoßen haben, die Unternehmen und Stadt bei der Privatisierung von mehr als 45.000 Wohnungen zum Schutz der Mieter vereinbart hatten.

Gagfah hat die Vorwürfe zurückgewiesen und bemüht sich derzeit um eine Verhandlungslösung. Welche Kosten auf den Konzern hier zukommen könnten, ist offen. Analyst Ulrich Geis von der DZ Bank rechnet mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, wie er in einem Kurzkommentar schrieb.

Rund vier Wochen vor Bekanntwerden der Klage hatte Brennan Gagfah-Aktien für 4,7 Millionen Euro verkauft. Das hat inzwischen auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen: Es gebe eine routinemäßige Analyse des Handels in Aktien der Gesellschaft, sagte eine Sprecherin und bestätigte damit einen Bericht des Handelsblatt.

Die Untersuchung richte sich aber nicht gegen konkrete Personen, betonte die Bafin-Sprecherin. Die Anleger sind schon seit Tagen nervös: Die im Nebenwerteindex MDax notierte Gagfah-Aktie stürzte im frühen Handel erneut um mehr als sechs Prozent ab.

Die Aktionäre sollen auch für das vierte Quartal eine Dividende von zehn Cent je Aktie bekommen, wie Gagfah weiter mitteilte. Das ist im Vergleich zu früheren Jahren wenig, entspricht aber dem Niveau der letzten Quartale. Mit Blick auf die anstehende Refinanzierungsrunde hatte Gagfah die Dividende im Sommer überraschend halbiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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