"Klassenkampf"
DGB macht Lidl zum Präzedenzfall

Durch die Bundestagswahl scheinen die Gewerkschaften Auftrieb bekommen zu haben. DGB-Chef Sommer proklamierte am Freitag zusammen mit Linkspartei-Politikern vor einer Filiale des Discounters Lidl den "Klassenkampf".

HB BERLIN. „Die Beschäftigen von Lidl werden behandelt wie Menschen zweiter Klasse“, sagte DGB-Chef Michael Sommer bei einer Protestaktion vor einer Lidl-Filiale in Berlin-Kreuzberg. Lidl verhindere Betriebsräte und verletze Arbeitnehmerrecht. „Das ist wirklich Klassenkampf, und diesen Klassenkampf werden wir durchfechten.“

Sommer forderte, auch die Industriegewerkschaften sollten sich gegen Lidl stellen. „Denn wir wissen: Wenn hier die Rechte ausverkauft werden, dann werden sie auch woanders ausverkauft.“ Sommer warf Lidl den Einsatz von Testkäufern und „nahezu illegale Praktiken bei Entlassungen“ vor.

Auch die Berliner Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner und Wirtschaftssenator Harald Wolf - beide von der Linkspartei - sprachen vor dem Lidl-Markt. Linkspartei und Gewerkschaften sympathisieren damit nicht zum ersten Mal in dieser Woche. In der Dienstagsausgabe der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ hatte der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters in dem Ergebnis der Bundestagswahl „die schon von Willy Brandt proklamierte strukturelle Mehrheit links von der Mitte“ gesehen. Mittelfristig bestünden „gute Chancen“, dass dies zu einem „linken Regierungsbündnis“ führe, das derzeit aber aus sachlichen und persönlichen Gründen „nicht realistisch“ sei. Entscheidend werde sein, ob sich die Linkspartei als politische Kraft durchsetze und wie die kommenden Landtagswahlen ausfielen.

Lidl widersprach den Vorwürfen des DGB-Chefs in einer Mitteilung: „Die verleumderischen Behauptungen von Verdi und DGB, dass Lidl seine Mitarbeiter wie Menschen zweiter Klasse behandelt, weisen wir auf das schärfste zurück. Das Gegenteil ist der Fall.“ Verdi gehe lediglich gegen Lidl vor, um seinen Mitgliederschwund zu stoppen.

Im vergangenen Jahr hatte die Gewerkschaft bereits ein „Schwarzbuch Lidl“ mit einer Auflage von 20 000 Exemplaren veröffentlicht. Nach Verdi- Angaben gibt es lediglich in 8 der bundesweit 2600 Lidl-Filialen Betriebsräte.

Verdi hatte letzte Woche bundesweite Aktionen gegen die Arbeitsbedingungen bei dem Discounter angekündigt. Ziel sei, die insgesamt 40 000 Beschäftigten zu ermuntern, in ihren Filialen Betriebsräte zu bilden, hatte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Margret Mönig-Raane in Stuttgart erklärt.

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