Klimaschutz-Agenturen
Die Erleichterer des Klimagewissens

Der ins Rampenlicht gerückte Klimaschutz eröffnet neue Geschäftsfelder. Eine ganze Reihe von Klimaschutz-Agenturen bietet inzwischen den Flugreisenden oder Autofahrern an, sich mit Spenden an Klimaschutz-Projekte ein reines Umweltgewissen zu erkaufen. Doch über den Sinn dieses Klima-Ablasshandels gehen die Meinungen auseinander.

DÜSSELDORF. Es bleiben nur noch 13 Jahre, um die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten. Seitdem diese Hiobsbotschaft kursiert, steht der Klimaschutz hoch im Kurs. Die Industrie muss ohnehin schon ihren Kohlendioxid-Ausstoß schrittweise reduzieren – oder sich durch den Zukauf von Zertifikaten freikaufen. Einen solchen Ablasshandel bieten nun auch immer mehr Anbieter für kleinere Unternehmen und Privatpersonen an. Für jede Flugreise bezahlt der reumütige Klimasünder eine Ausgleichsgebühr an eine Agentur. Die leitet das Geld an ein Klimaschutzprojekt weiter. Der Passagier ist damit „klimaneutral“ gereist, lautet die Werbeformel.

Zu diesen Agenturen gehören zum Beispiel die Schweizer Organisation » Myclimate und die unter Beteiligung des ehemaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin gegründete Initiative» Atmosfair. Letztere wurde 2005 ins Leben gerufen und nahm im Gründungsjahr 166 000 Euro an Spenden ein. Neuere Zahlen sind nicht bekannt. Daneben tummeln sich nun auch Anbieter, die klimaneutrale Skiferien in der Schweiz im Programm haben. Bei anderen Agenturen kann der umweltbewusste Käufer zahlreiche klimaneutrale Produkte, wie zum Beispiel einen MP3-Player bestellen. Ein Teil des Kaufpreises fließt in den Aufbau von Solaranlagen in Sri Lanka, ein anderer Teil in die Tasche der jeweiligen Agentur.

Weil aber längst nicht alle Anbieter wie Atmosfair oder auch die Initiative » „Hessische-Klimapartner“ gemeinnützige Ziele verfolgen, bleiben Zahlen zu Kunden, Einnahmen und Mittelverwendung im Dunkeln: Die gewinnorientierten Agenturen nennen meist keine Zahlen oder veröffentlichen gar einen Rechenschaftsbericht. Die Kunden haben somit keine Möglichkeit zu sehen, wo ihr Geld eigentlich gelandet ist.

So tummeln sich in der Branche auch schwarze Schafe. Eine Studie der Tufts University nahe Boston nahm die Anbieter von Kompensationstickets für Flugreisen unter die Lupe. Die Wissenschaftler untersuchten 13 internationale Agenturen, von denen sie rund die Hälfte „nur mit Vorbehalten empfahlen“. Drei Anbieter fielen durch. Sie konnten nicht belegen, dass sie in konkrete Klimaschutzprojekte investiert hatten.

Holger Krawinkel, Energie- und Umweltexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, warnt denn auch: „Umweltbewusste sollten darauf achten, dass sie nur an Agenturen spenden, die anerkannte, zertifizierte Klima-Projekte unterstützen.“ Organisationen wie der TÜV oder auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchleuchten die Projekte und schauen, ob das Geld auch wirklich am richtigen Ort ankommt.

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