Klinik-Report Jedes sechste Krankenhaus von der Pleite bedroht

Viele der 2000 Kliniken in Deutschland ringen um die wirtschaftliche Existenz. Die Häuser ächzen unter steigenden Kosten. Besonders höhere Löhne und Energiepreise belasten die Krankenhäuser. Eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht.
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In Existenznot: Viele deutsche Krankenhäuser schrammen an der Pleite vorbei. Quelle: dapd

In Existenznot: Viele deutsche Krankenhäuser schrammen an der Pleite vorbei.

(Foto: dapd)

Frankfurt/MainImmer mehr kämpfen Kliniken in Deutschland kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Das zeigt der heute in Berlin vorgestellte Krankenhaus Rating Report, ein Gemeinschaftswerk des Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), und der Unternehmensberatung Accenture und der HCB GmbH. „Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser hat sich seit 2010 deutlich verschlechtert“, beschreibt Accenture-Partner Sebastian Krolop die Lage der Branche. Aktuell dürfte den Berechnungen der Experten zufolge jedes sechste Haus insolvenzgefährdet sein, vor zwei Jahren war es noch jedes zehnte. „In vielen Häusern steigen die Kosten deutlich schneller als die Erlöse“, sagt Krolop.

Viele der rund 2000 Häuser können in dem stark regulierten Markt mit gedeckelten Ausgaben die Kostensteigerungen durch höhere Energiepreise und höhere Löhne nicht auffangen. Im Durchschnitt erhöhten sich die Kosten im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent, während die Erlöse nur um 3,5 Prozent zulegen. Auch um die Investitionsfähigkeit der Kliniken ist es schlecht bestellt: „Nur rund die Hälfte der Kliniken erwirtschaftet ausreichend hohe Erträge, um ihre Unternehmenssubstanz zu erhalten“, sagt RWI-Experte Boris Augurzky.
Eine Besserung der Situation in den nächsten Jahren ist nach Einschätzung der Experten nicht in Sicht. Daran ändert auch die aktuell in Berlin diskutierte Finanzspritze von 300 Millionen Euro für die Klinikbranche nichts. Auch langfristig werden die Kosten in dem 74 Milliarden Euro schweren Markt voraussichtlich stärker steigen als die Erlöse. Für den Krankenhaus Rating Report haben die Autoren die Jahresabschlüsse von mehr als 1000 Krankenhäusern analysiert.

Im Schnitt schneiden dabei öffentlich-rechtliche Kliniken schlechter ab als freigemeinnützige oder private. So lagen im Jahr 2010 rund 18 Prozent der öffentlich-rechtlichen Häuser im „roten Bereich“ und waren insolvenzgefährdet, aber nur neun Prozent der freigemeinnützigen und zwei Prozent der privaten. Kleine Krankenhäuser schneiden wirtschaftlich tendenziell schlechter ab als große oder mittelgroße. Und Kliniken, die sich auf bestimmte Krankheiten spezialisieren, stehen signifikant besser da als solche mit einem breiten Angebot.

Einen Zusammenhang gibt es auch zwischen Wirtschaftlichkeit, Qualität und Patientenzufriedenheit: Häuser die wegen mangelnder medizinischer Qualität aufgefallen sind, weisen ebenso ein schlechteres Rating auf wie solche mit geringer Patientenzufriedenheit. Auch zeigt sich, dass Kliniken, die mehr Fälle behandeln, eine bessere medizinische Qualität liefern.

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5 Kommentare zu "Klinik-Report: Jedes sechste Krankenhaus von der Pleite bedroht"

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  • " barnie
    . Report-KRITIK Teil 1 " - 3

    Nein, ich falle nicht über Sie her, vielmehr wünschte ich mir viel mehr solcher deutlicher Worte von viel mehr Mitbürgern. Und zwar von ehrlichen Zeitgenossen und NICHT von vielfach als "Experten" bezeichnete BEZAHLTEN MIETMÄULERN !

    Als es mich gesundheitlich vor einigen Jahren "aus den Schuhen" hob, hatte ich (zunächst) mit vier Behörden/Institutionen 5-mal zu tun.
    Ergebnis:
    Fünf mal Anwalt, drei (gewonnene) Prozesse.
    Dann einige Jahre Ruhe.
    Letztes Jahr:
    Super-"BEARBEITUNG" einer Hilfsmittel-Verordnung. Wieder Anwalt.
    Kurz vor Prozeß: Einlenken der Kasse (Parallele Meldungen über evtl. Kassenpleite wollten nicht verstummen).
    Dieses Jahr: Differenzen wegen Gesundheitskarte, ähnliche Super-"BEARBEITUNG" wie bei der Hilfsmittelverordnung. Prozeß ist zu erwarten.

    Gleichzeitig wird einerseits über Kostensteigerungen gejammert, andererseits aber Geld "per Bagger rausgeschaufelt", z. B. Gesundheitskarte, überteuerte Arznei- und Hilfsmittel, exorbitante Gehälter von Vorständen der viel zu vielen Kassen samt jeweiliger Kostenträchtiger Verwaltungsapparate usw. usw.

    ISBN 978-3-629-02204-2, "Der verkaufte Patient" von R. Hartwig (sowie weitere Meldungen per Internet) sind wirklich dringend zu empfehlen. Die hier aufgezeigten Machenschaften lassen selbst einem kahlköpfigen Atheisten die Haare zu Berge stehen.

    Wehren wir uns, bevor es zu spät ist.

  • Report-KRITIK Teil 3

    Bevor jetzt alle über mich herfallen möchte ich Euch folgende Frage stellen, was glaubt ihr wohl, warum es unsere schizoide Gesetzgebung es zulässt, dass ein Arzt noch nach fast 30 Stunden straffrei operieren bzw. in der Notaufnahme arbeiten muss und der LKW-Fahrer eine saftige Geldbuße bekommt, wenn lt. Fahrtenschreiber die 8 Std. Fahrzeit auch nur um 5 Minuten überzieht ? Die Antwort möge sich jeder selbst geben.
    Es ist schon einmal prinzipiell ein Unsinn Unternehmensberatungen in Kliniken zu schicken. Diese bewerten Krankenhäuser nach Kennziffern, welche in Wirtschaftsbetrieben entstanden sind. In Krankenhäusern haben wir es aber mit der Behandlung von Menschen zu tun und nicht mit der Herstellung von Konservendosen.
    Die Studie, die ich zuletzt in Händen hielt, kam zum glorreichen Ergebnis, die Abteilung X in der Öffentlichen Klinik y benötige keine 12 Assistenzärzte sondern lediglich 9,5 !!!! jetzt ohne Witz. Die Krankenhausverwaltung hat diese Kennziffer dann auch noch intelligenter weise auf 9 abgerundet. 3 Monate später, hatte man in den Sommermonaten den absoluten Personalengpass, weil in Folge einer schweren Grippe-Epidemie zahlreiche Ärzte selber ausgefallen sind und andere sich im Urlaub befanden. Wer zahlte die Zeche für diesen Unsinn? Patienten, Ärzte und Pflegedienst

  • Report-KRITIK Teil 2
    Am gleichen Tag ruft der Hausarzt, der Frau B im ÖKH und bittet um die dringende Einweisung seiner Patientin. Die Frau sei in seiner Praxis gewesen und hätte Herzrhythmusstörungen die dringend abgeklärt werden müssten. Jetzt haben wir schon 2 Patienten die das ÖKH behandeln muss nicht aber das PK X. Das PK X weist daraufhin man hätte bedauerlicherweise keine Aufnahmekapazitäten mehr und verweisen auf das nächstliegende ÖKH. Zur gleichen Stunde meldet sich der Rettungswagen und meldet, sie kämen in 3 Minuten mit einem akuten Herzinfarkt, es müsse sehr schnell gehen, denn sie hätten einen weiteren Notruf zu einem schweren Unfall. Alle diese Fälle haben in einem ÖKH Anspruch auf schnelle und sachgerechte Behandlung; die PK X kann alle Fälle weiterleiten. In einer Großstadt haben auch die ÖKH’s bessere Ausweichmöglichkeiten als das ÖKH auf dem Land; aber in der Großstadt sind auch wesentlich mehr Patienten zu versorgen.
    Jeder unternehmerisch halbwegs begabte Laie wird jetzt erkennen, dass dies zwei völlig verschiedene Ausstattungsqualitäten zur Folge haben muss mit gänzlich unterschiedlichen Personal und damit verbundenen Kostenstrukturen. Da die Schreibtisch-Stümper in Politik und Unternehmensberatung keine Ahnung davon haben, was tagtäglich in einer öffentlichen Klinik abläuft produzieren sie dann solche völlig unsinnige Analysen. Dies führt bedauerlicherweise zu einer immer unsinnigeren Arbeitssituation, gerade in den öffentlichen Krankenhäusern und einer immer qualitativ minderwertigeren Patientenversorgung.
    Was glaubt ihr wohl warum mittlerweile 30000 Patienten pro Jahr sterben müssen, in Folge von Krankenhausinfektionen ? Weil der finanzielle Spielraum gerade in den ÖKH’s immer enger wird und demzufolge immer unsinniger gespart werden muss.

  • Report-KRITIK Teil 1

    "Im Schnitt schneiden dabei öffentlich-rechtliche Kliniken schlechter ab als freigemeinnützige oder private. So lagen im Jahr 2010 rund 18 Prozent der öffentlich-rechtlichen Häuser im „roten Bereich“ und waren insolvenzgefährdet, aber nur neun Prozent der freigemeinnützigen und zwei Prozent der privaten."

    Mit diesem Satz demonstrieren RWI, Accenture und HCB ihre fachliche Inkompetenz; die Studie nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurde.
    Warum ? Weil sie Äpfel mit Bananen vergleichen. Wie kann man so blöd sein und öffentliche Krankenhäuser mit Privatkrankenhäusern vergleichen. Hier zeigt sich, dass keiner dieser Stümper jemals in einem Krankenhaus gearbeitet zu haben scheint. In der Regel sind öffentliche Krankenhäuser verpflichtet, jeden Patienten aufzunehmen und ihm die notwendige Erstversorgung zukommen zu lassen; die privaten jedoch nicht.
    Die Privathäuser arbeiten meist mit einem Einbestellungssystem, ähnlich wie ein Hotel. Ist man ausgebucht, dann müssen die Patienten halt warten.
    Beispiel: Der Herr A braucht eine Operation an seinen Herzkranzgefäßen infolge fortschreitender Herzattacken (Angina pectoris); er hört sich um und erfährt dass die Privatklinik X (PK X)dafür bekannt, dies qualitativ besonders hochwertig durchzuführen. Er ruft an und bekommt einen Termin oder wird von seinem Arzt dorthin überwiesen. Sowohl er als auch die Klinik können jetzt planen. Die Privatklinik X weiß so jeden Tag genau wie viel Personal, wie viel Material etc. etc. notwendig sein wird um ihrem Versorgungsauftrag nachzukommen.
    Jetzt zu den öffentlichen Häusern. Grundsätzlich bieten auch die öffentlichen Häuser das Programm der Privatkliniken; auch hier arbeitet man mit einem Einbestellungssystem, wenn möglich. Das aber umfasst nur allenfalls ein Drittel des Leistungsspektrums. Nehmen wieder den Herrn A. Bei diesem Patient läuft es auch im öffentlichen Krankenhaus (ÖKH) wie in der PK X).

  • " Klinik-Report:
    . Jedes sechste Krankenhaus von der Pleite bedroht "

    Das ist doch politisch gewollt. Die kleinen und öffentlichen Häuser systematisch kaputtmachen genau so wie die Landärzte aussterben zu lassen, weil jegliche Zukunftsperspektive für junge Ärzte verbaut wird.

    Dazu ständiges Jammern über steigende Kosten im Gesundheitswesen usw. Gleichzeitig aber 19.000.000.000 Euro (=19 Milliarden!) für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) rausschmeißen usw. - dafür ist Geld da!

    Das Gesundheitswesen soll auf das hundsmiserable amerikanische Niveau abgebaut werden und die VERNÜNFTIGE Versorgung nur durch teure Privatversicherungen möglich sein.
    Hintergrund der eGK ist die künftige elektronische GesundheitsAKTE, die dann unter lachkrampferzeugender Behauptung absoluten Datenschutzes von jeder Behörde eingesehen werden kann und ein weiterer wichtiger Schritt zum gläsernen Menschen darstellt. Bereits 2008 berichtet "focus" und "Report", daß die DAK 200.000 Datensätze mit vertraulichen Patientendaten an eine Privatfirma übertragen hat.

    Die eGK zu verweigern (das beginnt am einfachsten mit der Verweigerung einer Lichtbildübersendung) und dadurch die Politik zu zwingen, ihre unverantwortliche Zerstörung unseres Staates/unserer Kultur aufzugeben, ist vielleicht EINE Möglichkeit, die Parteimarionetten namens (angeblich "nur ihrem Gewissen verpflichteten") Abgeordnete vielleicht aus ihrem Tiefschlaf zu erwecken.

    Buchempfehlung: Renate Hartwig "Der verkaufte Patient"
    Internet: "Elektronische Gesundheitskarte", oder "Patient informiert sich" usw.

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