Klinikmanager sitzen in Untersuchungshaft
Korruptionsaffäre treibt Sanitas in die Insolvenz

Die Korruptionsaffäre um seine Übernahme durch die SRH Kliniken AG hat den Krankenhausträger Sanitas vor den Konkursrichter getrieben. Statt eines Überschusses von 4 Millionen Euro führen die Kliniken 2003 einen Verlust von 5 Millionen Euro ein.

ant FRANKFURT/M. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit meldete Sanitas-Geschäftsführer Edmund Fröhlich im Dezember beim Amtsgericht München Insolvenz an. Nach einem Gespräch mit den Hauptgläubigern sei der Betrieb in zehn der elf Kliniken jedoch vorerst sichergestellt.

Zunächst seien weder die Gesellschafter noch die Banken bereit gewesen, die für den Betrieb der elf Einrichtungen notwendigen Gelder zur Verfügung zu stellen, begründete Fröhlich den Insolvenzantrag. Hintergrund ist der Skandal um den überhöhten Kaufpreis, den der ehemalige Vorstandschef der SRH Kliniken, Jochen Lang, gegen ein Schmiergeld von 300 000 Euro mit den Sanitas-Eigentümern ausgehandelt haben soll.

Die Geldübergabe ist auf einem Videoband festgehalten, das der Staatsanwaltschaft München vorliegt. Helmut Fürmetz, einer der beiden Sanitas-Gesellschafter, veranlasste die Aufzeichnung möglicherweise, um etwas gegen den Käufer in der Hand zu behalten. Seit ihrer Festnahme im November sitzen Lang, Fürmetz und sein Mitgesellschafter Heinz Harant nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft.

Fürmetz habe die Kosten für die Kamera und das Honorar für den mit der Aufzeichnung beauftragten Privatdetektiv auf Firmenkosten abgerechnet, sagt Klaus Hekking, Chef der Heidelberger SRH Holding. Weil die Buchhaltung die Rechnungen nicht einordnen konnte, habe SRH das Video bei der Privatdetektei eingefordert und der Staatsanwaltschaft übergeben.

Hekking, dessen Konzern im Juli 2003 für 75 % der Sanitas-Anteile 6,9 Mill. Euro zahlte, hat den Kaufvertrag inzwischen wegen arglistiger Täuschung angefochten. Es würden jedoch weitere juristische Schritte erwogen, etwa Schadenersatzforderungen gegen die an der Transaktion beteiligten Wirtschaftsprüfer. Sowohl die Belegungsdaten als auch die Ergebnisse der vor allem im Rehabilitationsbereich tätigen Gesellschaft seien offenbar bewusst manipuliert worden: Statt des für 2003 prognostizierten Überschusses von 4 Mill. Euro entstand ein ein Verlust von 5 Mill. Euro.

Unabhängig von dem Verkauf an SRH war Sanitas offenbar in einen weiteren Korruptionsskandal verwickelt. So ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen einen Mitarbeiter der AOK Bayern. Dieser soll von Harant und Fürmetz Geld erhalten und im Gegenzug Reha-Patienten in Sanitas-Einrichtungen überwiesen haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%