Knappe Ernte in Südafrika
Bei Orangen droht ein Preisanstieg

Ernteausfälle beim wichtigen Orangen-Land Südafrika könnten das Angebot in Europa verknappen. In der Ostkap-Provinz verschlimmert ein Phänomen die Lage, das zuletzt 1939 auftrat. Verbrauchern drohen Preiserhöhungen.
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JohannesburgEuropas Verbrauchern drohen angesichts eines knapper werdenden Angebots höhere Preise bei Qualitätsorangen. Grund ist ein drastischer Ernteausfall in einigen Anbaugebieten Südafrikas, das mit einem Exportwert von gut 601 Millionen Dollar (512 Millionen Euro) nach Spanien und den USA als weltweit drittgrößter Orangen-Exporteur gilt. In dem Kap-Staat geht 70 Prozent der Zitrusfrucht-Ernte in den Export, dessen Volumen seit 2012 um fast ein Viertel gewachsen ist. Seit dort die Holländer erstmals im 17. Jahrhundert Orangenbäume anpflanzten, hat sich daraus eine ganze Industrie entwickelt. Sie befindet sich gerade im Jammertal.

„Wir erleben aktuell eins der schlimmsten Jahre seit Bestehen unseres Unternehmens“, klagt Snyman Kritzinger von der Genossenschaft Grown4u in der Ostkap-Provinz. In der mit Niedersachsen verbandelten Provinz – sie ist eines der wichtigsten Anbaugebiete des Kap-Staates – schätzt er die Ernteeinbußen bei Orangen auf 30 bis 50 Prozent. Kritzinger schließt angesichts des knappen Angebots Preissteigerungen nicht aus. Ursache waren ungünstige Wetterbedingungen in Kombination mit extrem heißen Tagen, die die Früchte mit aufgeplatzter Schale vom Baum fallen ließ. „Zuletzt hatten wir so ein Phänomen 1939“, sagt Hannes De Waal von der Groß-Kooperative SRCC im Sundays River Valley.

Sein Unternehmen verschifft jährlich drei Millionen 15-Kilo-Kisten Orangen in die EU und andere Märkte – nun liegen De Waal's Schätzungen bei weniger als zwei Millionen. „Wir versuchen, alles zu verschiffen, was wir haben“, sagt er. Auch er erwartet weitere Preissteigerungen: „Der Markt beginnt gerade erst die Auswirkungen der Lieferengpässe zu begreifen“, meint der Manager und verweist zudem auf drohende Entlassungen für viele Saisonkräfte in der Heimatprovinz von Nelson Mandela. Denn neben der Automobilbranche ist die Zitrusindustrie der Ostkap-Provinz wichtigster Arbeitgeber.

In der Westkap-Provinz rund um Kapstadt klagen die Obstbauern ebenfalls über extreme Trockenheit. Im Winter der Süd-Hemisphäre fiel weniger als ein Drittel der sonst üblichen Regenmenge. Die wichtigen Stauseen der Region sind gerade noch zu 27 Prozent gefüllt, nicht nur Obstbauern beschreiben die Situation als dramatisch. Eine künstliche Bewässerung der Plantagen wird auch angesichts behördlicher Wassereinschränkungen zunehmend schwierig. „Die letzte echte Trockenperiode gab es hier 2003/2004 – aber diese ist weitaus schlimmer“, sagte Obstfarmer Fanie van der Merwe aus der Koue Bokkeveld-Region der südafrikanischen „Times“.

Gibt es in den kommenden zwei Monaten keine ergiebigen Regenfälle, drohen weitere Ausfälle. „Wir hatten sehr trockene Wetterbedingungen zu Beginn der Ernte“, sagt Paul Hartmann vom südafrikanischen Verband der Zitrusfrüchte-Anbauer, der von einem „schwierigen Erntejahr“ spricht. Es beeinträchtigte auch die durchschnittliche Größe der Orangen. Zwar gab es zum Teil satte Zuwächse bei der Menge der in guter Qualität geernteten Zitronen und Grapefruit-Früchte – dennoch gibt es noch immer viele Fragezeichen hinter der diesjährigen Ernte.

Bisher seien landesweit 65 Millionen 15-Kilo-Kisten geerntet, bis zum Ende der Ernte dürften es 115 Millionen Kisten werden, schätzt der Südafrikaner. Das ist zwar mehr als im Vorjahr, als vor allem die Nordkap-Provinz unter starken Einbußen litt. Doch sie bleibt damit immer noch unter dem Wert von 2015 (118 Millionen Kisten). Pieter de Keijzer, Produktmanager für Bio-Zitrusfrüchte beim niederländischen Bio-Importeur Eosta, warnte wegen der angespannten Situation bereits Ende Mai vor Lieferengpässen bei Bio-Orangen. Sein Unternehmen versucht sie nun durch Orangen aus Chile als Ersatz abzufedern.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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