Kombinierter Verkehr boomt
Heiße Korridore

Der kombinierte Verkehr auf Straße und Schiene boomt. Doch die Anbieter klagen über das vernachlässigte Gleisnetz der Deutschen Bahn. Experten beklagen einen Investitionsrückstand von bis zu 15 Milliarden Euro. Hilflos ausgeliefert fühlen sich die Operateure gegenüber der Netztochter der Deutschen Bahn.
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HAMBURG. Umschlagbahnhof Hamburg-Billwerder. Hoch oben thront ein Kranführer über den Gleisen. Auf dem Bahnsteig unter ihm stehen 41 Container, Sattelauflieger, Wechselbrücken, Anhänger. Sie wurden per Lkw herbeigekarrt und müssen auf 28 Waggons verladen werden. Das Leitsystem im Kranhäuschen zeigt, wohin jede Ladung gehört. Bis zum Abend ist Güterzug Nr. 50543 abfahrbereit nach Verona in Norditalien.

"Kombinierter Verkehr" heißt das Geschäft, das zunehmend an Attraktivität gewinnt. Nach der Devise "Kooperieren statt konkurrieren" suchen Spediteure für ihre Lkw-Anhänger auf langen Teilstrecken immer mehr den Weg über die Schiene. Der Umsatz der Operateure, die den Service anbieten, wuchs in Deutschland 2006 um fast 15 Prozent. Der Anteil der Eisenbahn am Güterverkehr nahm seit Langem wieder zu und stieg von 16,4 auf 17,2 Prozent.

Die Gründe liegen auf der Straße: "Gestiegene Dieseltreibstoffpreise sowie die Lkw-Maut auf den deutschen Autobahnen machen Lkw-Transporte immer teurer", sagt Michael Kubenz, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes. Hinzu kommt die gute Konjunktur. Christoph Seidelmann, Mitglied im Vorstand der Studiengesellschaft für den kombinierten Verkehr, prognostiziert dem Huckepacktransport in den nächsten Jahren "Steigerungsraten von zehn Prozent".

Von dem schätzungsweise 700 Millionen bis eine Milliarde Euro großen Kuchen wollen sich Leute wie Robert Breuhahn ein ordentliches Stück sichern. Er ist der Chef der Firma Kombiverkehr in Frankfurt am Main. Breuhahn denkt sich lukrative Güterzugverbindungen aus und sucht sich Spediteure, die Lkw-Anhänger auf Waggons verfrachten und möglichst weit in Richtung Zielort transportieren lassen wollen. Die Deutsche Bahn stellt dafür die gewünschten Waggons und Loks zur Verfügung und zieht die Züge. Das wirtschaftliche Risiko, die Kosten für die Waggons und die Fahrt plus Gewinn einzuspielen, liegt bei Kombiverkehr. Das Unternehmen nahm 2005 rund 350 Millionen Euro ein und machte 1,76 Millionen Euro Gewinn, neuere Zahlen liegen nicht vor. Seit fünf Jahren wächst der Umsatz kontinuierlich. "Längst sind wir die Nummer eins in Europa", sagt Breuhahn.

Auf das Geschäft sind auch andere Unternehmen scharf. Zwei Dutzend Operateure des kombinierten Verkehrs tummeln sich in Deutschland. Fast alle starteten als Kooperation von Spediteuren, denen es im Grunde völlig gleichgültig ist, wie sie Güter transportieren - ob mit Subunternehmern, die einzelne Ladungen per Lkw bewegen, oder mit der Eisenbahn, die zig Anhänger einen Teil der Strecke auf einmal befördert. Hauptsache, der gesamte Transport ist möglichst preiswert und pünktlich.

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