Kommentar
Der aberwitzige Kampf gegen Piraterie

Trotz all der Kriegsschiffe am Horn von Afrika ist Piraterie immer noch ein lohnenswertes Geschäft - das hat sich die internationale Staatengemeinschaft auch selbst zuzuschreiben.
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Der Kampf gegen die Piraterie am Horn von Afrika ist erfolgreich, aber zugleich auch tragisch. Denn so, wie er derzeit geführt wird, ist er letztlich zum Scheitern verurteilt.

Ja, es gibt Erfolge. Im Golf von Aden hat sich die Zahl der Angriffe somalischer Piraten auf Handelsschiffe deutlich reduziert. Der Internationale Sicherheitskorridor IRTC etwa bietet ein vergleichsweise hohes Maß an Sicherheit. Und ja, eine bessere Sicherheitsausstattung von Handelsschiffen etwa durch Wasserkanonen oder besetzte Ausgucks kann Piraten abschrecken.

Doch verhindern kann das die Piraterie nicht. Die Seeräuber schlagen jetzt dank größerer so genannter Mutterschiffe einfach im Arabischen Meer zu. Das nun gefährdete Seegebiet reicht bis zur Straße von Hormus, vor die Küste Indiens und zu den Seychellen und ist damit so riesig, dass eine gute militärische Überwachung angesichts der Größenverhältnisse eigentlich nicht gelingen kann. Tragisch, dass ein Frachter also sicher durch den Golf von Aden kommt, nur um dann 50 Seemeilen außerhalb der Sicherheitszone des IRTC dann von Piraten aufgebracht zu werden.

Aberwitzig und absurd wird der Kampf gegen die Piraterie dadurch, dass laut den Vereinten Nationen neun von zehn gefassten mutmaßlichen Piraten wieder freigelassen werden. Es findet sich wegen der schwierigen Rechtslage in der Regel kein Staat, der die Piraten vor ein ordentliches Gericht stellen würde, das westlichen Standards genügt.

Für die Soldaten ist das ein Schlag ins Gesicht. Mit dem Einsatz ihres Lebens nehmen sie Kriminelle fest, nur um sie dann wieder vor Somalia an Land gehen lassen zu müssen. Kein Wunder, dass viele Militärs die gefasste Piraten nur noch entwaffnen und dann wieder auf freien Fuß setzen - andernfalls droht eine wochenlange Irrfahrt mit den somalischen Gefangenen an Bord. Die Botschaft an die Piraten ist indes fatal: Verbrechen lohnt sich und die Risiken sind überschaubar.

So ist der Kampf gegen die Piraterie vor Somalia nicht zu gewinnen. Ganz im Gegenteil. Das ist umso bedauerlicher, als die westliche Staatengemeinschaft gleich mit drei Militäroperationen und bis zu 19 Kriegsschiffen und mehreren Seeaufklärern aktiv ist. Der Aufwand ist beträchtlich.

Dass Experten der Branche trotzdem einen weiteren Aufschwung prophezeien, klingt mehr als plausibel. Pirat zu sein, so der UN-Sondergesandte Jack Lang, gelte in Somalia als bequemer Weg, schnell reich zu werden. Dass dies so ist, hat die Staatengemeinschaft selbst mit zu verantworten.

Kommentare zu " Kommentar: Der aberwitzige Kampf gegen Piraterie"

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  • Wenn ich schreiben würde:
    "Nur ein toter Pirat ist ein guter Pirat"
    Wird das zensiert - oder genau so veröffentlicht?

  • Was für ein ueberfluessiger Artikel. Nur Bekanntes und nicht eine Idee, wie man das Problem lösen könnte.

  • Die Botschaft für Kriminelle lohnt sich, haben unsere Politiker und Juristen zu verantworten. Es sind ja Unschuldige, die man fördern muss und Notfalls auch Asyl gewähren muss.

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