Kommentar
Die Billigfliegerei hat keine Zukunft mehr

Trotz guter Quartalszahlen: Das Geschäftsmodell der Billigflieger ist in Gefahr. Wenn die Airlines nachhaltig wachsen wollen, brauchen sie neue Ideen. Für die Kunden heißt das: Es drohen höhere Preise.
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Irgendwie wollen die jüngsten Zahlen von Ryanair  nicht so recht in die Zeit passen. Während große Airlines wie Lufthansa oder Air-France-KLM sinkende Gewinne oder gar Verluste schreiben, ja sogar ein Golf-Anbieter wie Emirates mit Gewinneinbrüchen  kämpft, hebt der irische Billigflieger seine Prognose an. Umsatz, vor allem aber Ergebnis zeigen deutlich nach oben.

Ist also alles im Lot mit der Billigfliegerei? Mitnichten. Auch wenn die Halbjahresergebnisse von Ryanair und zuvor auch die guten Zahlen des Rivalen Easyjet gut aussehen, der riesige Wachstumsschub ist vorbei. Je nach Land haben sich die Billig-Airlines einen Marktanteil von ein Viertel ergattern können. Zwar wird die Nachfrage temporär in Zeiten drohender Krisen wie etwa derzeit ansteigen. Wollen Ryanair und Co. aber nachhaltig weiter wachsen, brauchen sie neue Geschäftsideen.

Das kann zum einen der Geschäftsreisende sein, wie ihn Easyjet bereits seit einiger Zeit umgarnt. Branchenexperten erwarten, dass auch Ryanair diese Klientel früher oder später ins Visier nehmen wird. Das kann aber auch mehr Service gegen Gebühren bedeuten; etwa eine Sitzplatzreservierung, die es bisher bei Ryanair noch nicht gibt

Etablierten Anbieter wie Lufthansa oder British Airways  dürften sich deshalb kaum über das Ende des Billigbooms freuen, werden die Low-Cost-Airlines doch immer tiefer auf ihr Terrain vordringen. Nicht ohne Grund haben sie deshalb zum Angriff geblasen. Lufthansa will die eigene Billigtochter Germanwings stärken, Air-France-KLM plant Billigflughäfen außerhalb von Paris, und Iberia, Teil der neuen BA-Dachgesellschaft IAG, bastelt an einer eigenen Billigtochter.

Die Grenzen verschwimmen  zunehmend, und damit auch die Differenzierung. Für die Kunden sind das nicht unbedingt gute Nachrichten. Sie werden sich darauf einstellen müssen, dass die Zeit des Fliegens für 30 Euro wohl endgültig vorbei ist.  Jens Koenen

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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  • Ein sicheres Zeichen für das Ende des Booms dürften auch die ca. 60 Beihilfeverfahren sein, die gegen Billigairlines EU-weit anhängig sind. Dabei geht es um preiswerte und nicht kostendeckende Abfertigungsgebühren, Rabatte, Marketingzuschüsse(Anlaufbeihilfen für Airlines) und in der Folge staatliche Unterstützungsleistungen wie Verlustübernahmen, Gestellung von Bürgschaften, Überlassung von Gründstücken, Übernahme von Rentenverpflichtungen (Finanzierungsbeihilfen für Airports).
    Dabei sind die Airports gezwungen, in Teilen kostendeckende Abfertigungsgebühren von den Billigairlines zu verlangen gem. §43 a LuftVZO. Das setzt natürlich funktionierende Luftaufsichtsbehörden voraus, was leider nicht der Fall ist.

  • Ja, der Markt ist schon sehr gut konsolidiert. Bald sagt ein Kartel einer Handvoll Fluggesellschaften die Preise an. Kennen wir von Öl, vom Strom usw.

    Und das Kartellamt schläft .....

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