Kommentar zu Edeka-Tengelmann: Eine verständliche Entscheidung – aber keine Lösung

Kommentar zu Edeka-Tengelmann
Eine verständliche Entscheidung – aber keine Lösung

Das Kartellamt hat die Übernahme der Tengelmann-Supermärkte durch Edeka untersagt. Die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde war richtig. Am Ende könnte es jedoch trotzdem zu einer höheren Marktkonzentration kommen.
  • 1

Das Kartellamt hat richtig entschieden. Seine Aufgabe ist es, für ausreichenden Wettbewerb in Deutschland zu sorgen. Edeka ist auch ohne die Tengelmann-Supermärkte schon Platzhirsch und hat bereits bei der letzten großen Übernahme von Plus bewiesen, dass es seine ohnehin schon große Marktmacht nur allzu gern allzu weitgehend nutzt. Auch im Fall der Tengelmann-Übernahme hat das Unternehmen wohl schnell Tatsachen geschaffen und verärgerte mit seiner Tendenz zu alten Mustern das Kartellamt, dem die übermäßige Macht von Edeka bereits seit langem ein Dorn im Auge ist.

Doch welche Zukunft hat Tengelmann jetzt noch? An Interessenten für die Supermärkte mangelt es nicht – doch bisher sind es nur große Spieler. So haben etwa die Konkurrenten Rewe und auch Kaufland, das wie Discounter Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, bereits ihre Finger gehoben. Auch in diesen beiden Fällen dürfte das Kartellamt jedoch wettbewerbsrechtliche Bedenken haben, sollte es überhaupt zu einem Angebot kommen. Eine eigene Weiterführung der Geschäfte hatte die Tengelmann-Gruppe bereits ausgeschlossen.

Natürlich gibt es auch noch andere regionale Anbieter, aber bei denen bestand in der Vergangenheit eher die Tendenz selbst geschluckt zu werden, als zu schlucken. Das letzte Beispiel sind die Tegut-Supermärkte, die vom Schweizer Handelsunternehmen Migros übernommen wurden. Zudem: Welcher kleine Konkurrent will schon Läden kaufen, von denen er weiß, dass sie auf Grund ihrer Größe ohnehin keine Chance haben, gegen die übermächtige Konkurrenz zu bestehen? Tengelmann selbst hatte angegeben, dass die Supermärkte bereits Verlust einfahren.

Einer Ministererlaubnis, mit der Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Fusion trotz der Bedenken des Kartellamtes genehmigen hätte können, erteilte er bereits eine Absage.

Es gibt jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder alle Filialen werden geschlossen und Deutschland hätte 16.000 Arbeitslose mehr. Oder wenigstens ein Teil der Läden kommt häppchenweise bei Konkurrenten unter, was wiederum deren Marktmacht erhöhen würde. Ein Drittes gibt es – zumindest aus heutiger Sicht – nicht.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kommentar zu Edeka-Tengelmann: Eine verständliche Entscheidung – aber keine Lösung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diejenigen die die schlechteste Qualität im Laufe der Jahre in unserem Land erst eingeführt haben haben heute die Macht. Die Leute die hier immer ÜBEREBEZAHLT wurden haben Anteil an den Märkten erworben. Angeblich sportliche Leute die scher SUCHTKRANK sind. Und geschmacklos. An Qualität war auch nie Interesse. Hauptsache viel Ramsch und bunt. Der Staat schützt Betrüger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%