Kommentar zu Lufthansa-Streiks
Strategie ohne die Crew

Ein neuer Piloten-Streik droht: Carsten Spohr gelingt es offensichtlich nicht, das fliegende Personal für seine Strategie zu gewinnen. Doch ohne ihre Unterstützung wird es der Lufthansa-Chef schwer haben. Ein Kommentar.
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Nicht schon wieder, werden viele Fluggäste sagen. Die Piloten von Lufthansa und Germanwings drohen erneut mit Streiks. Bereits zwölf Mal haben die Flugzeugführer ihre Arbeit seit dem Frühjahr vergangenen Jahres niedergelegt, von den Passagieren aufreibenden Geduldsproben verlangt. Nun droht Runde dreizehn.

Wer den Verlauf des Tarifkonflikts verfolgt, der kann spätestens seit diesem Mittwoch einfach nur noch hilflos auf die Situation schauen. Alles wurde versucht, beginnend mit Tarifgesprächen über die Sondierung einer möglichen Schlichtung bis hin zu Gesprächen über alle Themen, die derzeit anstehen. Sämtliche Versuche sind gescheitert. Wie der Dauerkonflikt jemals gelöst werden kann? Keiner weiß es.

Ist diese Erkenntnis für die Kunden der Lufthansa höchst frustrierend, ist sie für den Lufthansa-Chef Carsten Spohr sogar gefährlich. Seit seinem Amtsantritt in Mai vergangenen Jahres ist es ihm offensichtlich nicht gelungen, wesentliche Teile seiner Belegschaft von seiner neuen Strategie mit den Säulen Premium- und Billig-Airline zu überzeugen.

Eine Strategie, der intern viele nicht folgen wollen, wird sich aber auch extern schwer tun.

Nun ist es sicherlich auffällig, dass sich vor allem das fliegende Personal so vehement gegen die Strategie wehrt. Hier geht es natürlich vor allem um Pfründe und Privilegien, die es zu verteidigen gilt. Die Verlagerung von Flügen weg von der Kernmarke Lufthansa hin zur Billig-Plattform Eurowings – intern Ausflaggung genannt – führt mittelfristig dazu, dass es künftig weniger Arbeitsplätze im komfortablen und gut dotierten Konzerntarifvertrag geben wird.

Doch was nützt diese Erklärung, wenn das Ergebnis eine Verweigerung der Gefolgschaft ist? Nichts! Fest steht: Spohr muss es endlich gelingen, auch das fliegende Personal von seinen Ideen zu überzeugen. Sonst wird er draußen am Markt keinen Erfolg haben. Schließlich sind die Piloten und die Kabinen-Crews diejenigen, die den direktesten Kontakt mit den Kunden haben und das Bild der Lufthansa prägen – auch der neuen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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  • Piloten drohen Lufthansa mit Streik Nummer 13
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    Ihnen geht es um ihre Privilegien und die Frühverrentung mit 50.
    Ihnen geht es auch um ihr üppiges Gehalt.
    Sie sind gegen jegliche Reformen, hier gleichen sie Griechenland.
    Aber zum Glück gibt es noch andere Fluggesellschaften. Und wenn ein Kunde erst einmal bei ihnen ist, kommt er nicht mehr zurück.

  • Und warum spielt man die Piloten ... sorry

  • Hallo Roland,
    die Pilotengewerkschaft hatte der Lufthansa nach eigenen Angaben ein Angebot unterbreitet, das eine nachhaltige Kostenentlastung von über 500 Millionen Euro enthielt.
    Das ist Verzicht und keine Gier.
    Und warum spielt die Piloten man in der öffentlichen Diskussion eigentlich immer gegen die LH-Kunden aus? Wir als Arbeitnehmer müssten froh darüber sein, dass es noch Berufsstände gibt, die sich gegen die immer weitere Absenkung der Löhne und Sozialstandards durch ihr Streikrecht wehren. Und ganz ehrlich, in einem freien unregulierten Markt, wird bei gleichen Standards und gleicher Qualität IMMER der billigere gewinnen. Ich kann mich als deutscher Erwebstätiger von den Lebenshaltungskosten her, nicht mit einem Erwerbstätigen in einem Billiglohnland vergleichen, stehe aber mit diesem im globalen Wettbewerb um meinen Arbeitsplatz und Existenz, und nun? Was soll ich machen, zukünftig umsonst arbeiten, um meinen Arbeitsplatz zu sichern? Wir brauchen Regeln, die für alle verbindlich einzuhalten sind. Es ist wie beim Fussball, haben sie einen schlechten Schiedsrichter, der sich nicht an die Regeln hält, läuft das Spiel aus dem Ruder und die Spieler nutzen dies sofort aus. Genauso verhält es sich in der freien Marktwirtschaft, gibt es keine Regeln, ist alles erlaut, Fairness und Anstand bleiben dabei auf der Strecke. Jeder wird zu seinem eigenen Vorteil zum Schaden des anderen handeln. Deshalb erkläre ich mich mit den Piloten solidarisch, wir brauchen Regeln, wir brauchen wieder starke Gewerkschaften, damit Regeln und die Tarifvertragsbindung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wieder respektiert und eingehalten werden.

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