Kommentar zum Modekonzern
Gerry Weber muss sich verjüngen

Die ruhigen Zeiten bei Gerry Weber sind endgültig vorbei. Der Gewinn des Modeunternehmens bricht ein. In Deutschland ist der Markt weitgehend ausgereizt, die Marke muss international expandieren. Ein Kommentar.

Ralf Weber hat es schwer: Erst durfte er nach dem Abgang seines Vaters und Unternehmensgründers Gerhard Weber nicht gleich an die Firmenspitze rücken. Dann, im Februar, durfte er dann doch und steht nun vor vielen Problemen: Die für Gerry Weber wichtigen Märkte Russland und Osteuropa brechen weg. Und noch schlimmer: Auch im Kerngeschäft Deutschland verliert das ostwestfälische Unternehmen Umsatz.

Der Sohn des Firmengründers muss jetzt schnell die Rolle des Troubleshooters übernehmen. Denn die ruhigen und bequemen Zeiten bei Gerry Weber sind endgültig vorbei.

Der Junior muss die Marke verjüngen. Denn sie ist mit ihren Kundinnen im Laufe der Jahre alt geworden. Richtig war es deshalb, Anfang des Jahres Hallhuber zu übernehmen. Denn die Marke zielt auf Kunden ab 20 Jahren und sie ist erfolgreicher als die Kernmarke, wie die aktuellen Neun-Monats-Zahlen zeigen: Auf vergleichbarer Fläche stagniert der Umsatz von Hallhuber, während der von Gerry Weber und den anderen Konzernmarken wie Taifun und Samoon um gut vier Prozent sinkt.

Doch Hallhuber kann die Verjüngung der Kernmarke nicht ersetzen. Sie kann auch nicht überdecken, dass der Markt für Gerry Weber in Deutschland weitgehend ausgereizt ist.

Um das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs zu bringen, muss Ralf Weber deshalb die Internationalisierung vorantreiben. Doch das wird schwierig auf Märkten wie den USA mit einer Marke, die sich stark am Geschmack deutscher Kundinnen orientiert.

Ralf Weber muss vor allem schnell das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Denn am 21. September steht die nächste Niederlage an: Das Unternehmen steigt aus dem M-Dax ab. Das ist eine Folge der Gewinnwarnung im Juni. Sie führte zum Kurssturz und vernichtete einen Börsenwert von rund 300 Millionen Euro.

Aber aus der Firmenzentrale in Halle/Westfalen sind erst einmal keine großen positiven Nachrichten zu erwarten. Stattdessen kündigt Weber für die nächsten 18 bis 24 Monate eine „Transformations- und Konsolidierungsphase“ an. Das heißt: Kosten senken, mehr Flächen bei den Handelspartnern selbst steuern und auch unrentable Läden schließen. Das heißt auch: Ein Wiederaufstieg in den M-Dax rückt in weite Ferne.

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