Kommentar zur Bahn

Schluss mit den Rezepten der Vergangenheit

Der Reformplan steht, die Arbeit kann beginnen: Die Deutsche Bahn hat endlich erkannt, dass sie sich verändern muss. Ob „das Rezept der Vergangenheit“ allerdings tatsächlich überwunden werden kann, muss der Umbau zeigen.
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Ein Bauarbeiter bei Schweißarbeiten an einem Gleis der Deutschen Bahn: Die Probleme des Logistikkonzerns sind hausgemacht. Quelle: ap
Bauarbeiten am Gleis

Ein Bauarbeiter bei Schweißarbeiten an einem Gleis der Deutschen Bahn: Die Probleme des Logistikkonzerns sind hausgemacht.

(Foto: ap)

DüsseldorfEin Satz in der offiziellen Bestätigung ist verräterisch: „Mit dieser Neuausrichtung machen wir die Deutsche Bahn zukunftsfest. Mit den Rezepten der Vergangenheit würde dies nicht gelingen.“ So wird der Aufsichtsratsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht zitiert. Heißt das im Umkehrschluss, die Bahn agiert bislang mit Rezepten der Vergangenheit?

Manchmal lässt sich in der Tat der Eindruck gewinnen, das Staatsunternehmen führe sich vor allem berufen, Menschen und Güter zu transportieren. Der Kunde sozusagen als Beförderungsfall. Im schlimmsten Fall stört er auch noch den ordnungsgemäßen Betriebsablauf.

Doch man muss fair sein. Pro Jahr fahren mehr als zehn Milliarden Menschen in Deutschland mit der Deutschen Bahn, im Fernverkehr sind es 130 Millionen. Das Flugzeug – nur als Vergleich – nutzen keine 25 Millionen Menschen im innerdeutschen Verkehr.

Dieter Fockenbrock
Der Autor

Dieter Fockenbrock ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte.

Die Bahn ist, so unschön sich das auch anhört, ein Verkehrsmittel für die Massen. Mit allen Problemen, die an der Organisation solcher Massen dranhängen. Das entschuldigt keinesfalls die Massen-Abfertigung. Doch seien wir ehrlich: Der Montagmorgen auf dem Frankfurter Flughafen sieht nicht viel besser aus.

Nein, die Deutsche Bahn hat erkannt, dass sie sich schneller bewegen und verändern muss. Zum Glück. Ihr Vorstandschef Rüdiger Grube hat die Digitalisierung zum Topthema erklärt. Und für die Bahn ist es tatsächlich eine einmalige Chance, ihr selbst gesteckten Ziel nach Kundenfreundlichkeit auch umzusetzen.

Nicht ohne Grund zählt schon heute die App der Deutschen Bahn zu den am meisten genutzten Aps im Land. Der DB Navigator ist so nutzerfreundlich wie kaum eine andere App eines Verkehrsunternehmens. Das sind nur erste, aber wichtige Schritte um den Kunden klar zu machen, dass sie (Fahr-) Gäste und keine Beförderungsfälle sind.

So will die Bahn digitaler werden
Wlan
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Wie angekündigt sind inzwischen 5200 Kilometer ICE-Netz ausgerüstet, die 255 ICEs der Bahn sollen es bis Ende 2015 sein. Die Nutzung in der ersten Klasse ist kostenfrei, in der zweite Klasse ist das erst später geplant.

Navigator
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Seit dem Verkaufsstart der Apple Watch vor wenigen Wochen ist dafür auch der DB Navigator verfügbar. Der Navigator bietet Reisauskunft, Fahrkartenbuchung und Echtzeitinformationen über den Reiseverlauf. Noch im Juni ist ein Relaunch geplant mit neuer Optik und Funktionen. Die Reiseauskunft wird auf einer Karte visualisiert und ergänzt durch Standorte von Mietfahrrädern, Carsharing-Angeboten. Die Bahn arbeitet mit ihren „Flinkster“ Fahrzeugen (stationäre Mietwagen) und Car2go von Daimler (flexibles Carsharing) seit wenigen Tagen zusammen.

Digitales ICE-Portal
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Speziell für ICE-Reisende gibt es ab Herbst ein neues Portal mit Reiseinformationen (Pünktlichkeit, Anschlüsse, Position auf der Karte, andere Reiseinfos) sowie Nachrichten. Das Portal ist kostenfrei.

Video-Reisezentren
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Kleine Bahnhöfe, an denen sich bislang nur noch Fahrkartenautomaten befanden, werden mit Video-Reisezentren ausgestattet. Kunden können sich via Video mit einer Zentrale verbinden und dort wie in einem Reisezentrum beraten lasen und auch Fahrkarten kaufen. Nach Pilotprojekten sollen nun Bahnhöfe unter anderem in Bayern und Baden-Württemberg ausgerüstet werden.

Reise-App
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Die Bahn arbeitet an einer Reise-App, die den Kunden am Bahnhof direkt zum richtigen Wagen mit dem reservierten Platz steuert.

Digitale Verkehrsdrehscheibe
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Am Berliner Bahnhof Südkreuz wird gerade die digitale Verkehrsdrehscheibe erprobt. Elektronische Wagenstandsanzeiger verhindern das typische Problem, dass Züge in anderer Wagenreihung einlaufen als angegeben und Hektik beim Einsteigen ausbricht. An jeden Bahnsteigzugang gibt es detaillierte Zuginformationen mit Zwischenhalten. Umsteigewegweiser zeigen den Weg zu Taxen, Carsharing-Fahrzeugen oder Mietfahrrädern an.

Die neue Vorstandsstruktur der Deutschen Bahn, vier Vorstände mussten gehen, zwei neue rücken auf, ist noch kein Garant für die neue Bahn. Oder, wir der Chefaufseher sagen würde, das macht die Bahn noch nicht „zukunftsfest“. Jetzt beginnt erst die Arbeit. Das Management kann sich nicht lange mit dem Einrichten beschäftigen, sondern es muss Ideen entwickeln um den Kundenschwund im Fernverkehr zu stoppen und den Güterverkehr endlich profitabel zu machen.

Viele Probleme sind nämlich aus hausgemacht und keine Folge verschärfter Konkurrenz. Fernbusse und Lkw allein sind nicht Schuld am Negativtrend der Bahn. Dazu haben Grube und seine alte Mannschaft auch selbst beigetragen.

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