Kommentar zur Bahn
Schluss mit den Rezepten der Vergangenheit

Der Reformplan steht, die Arbeit kann beginnen: Die Deutsche Bahn hat endlich erkannt, dass sie sich verändern muss. Ob „das Rezept der Vergangenheit“ allerdings tatsächlich überwunden werden kann, muss der Umbau zeigen.
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DüsseldorfEin Satz in der offiziellen Bestätigung ist verräterisch: „Mit dieser Neuausrichtung machen wir die Deutsche Bahn zukunftsfest. Mit den Rezepten der Vergangenheit würde dies nicht gelingen.“ So wird der Aufsichtsratsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht zitiert. Heißt das im Umkehrschluss, die Bahn agiert bislang mit Rezepten der Vergangenheit?

Manchmal lässt sich in der Tat der Eindruck gewinnen, das Staatsunternehmen führe sich vor allem berufen, Menschen und Güter zu transportieren. Der Kunde sozusagen als Beförderungsfall. Im schlimmsten Fall stört er auch noch den ordnungsgemäßen Betriebsablauf.

Doch man muss fair sein. Pro Jahr fahren mehr als zehn Milliarden Menschen in Deutschland mit der Deutschen Bahn, im Fernverkehr sind es 130 Millionen. Das Flugzeug – nur als Vergleich – nutzen keine 25 Millionen Menschen im innerdeutschen Verkehr.

Die Bahn ist, so unschön sich das auch anhört, ein Verkehrsmittel für die Massen. Mit allen Problemen, die an der Organisation solcher Massen dranhängen. Das entschuldigt keinesfalls die Massen-Abfertigung. Doch seien wir ehrlich: Der Montagmorgen auf dem Frankfurter Flughafen sieht nicht viel besser aus.

Nein, die Deutsche Bahn hat erkannt, dass sie sich schneller bewegen und verändern muss. Zum Glück. Ihr Vorstandschef Rüdiger Grube hat die Digitalisierung zum Topthema erklärt. Und für die Bahn ist es tatsächlich eine einmalige Chance, ihr selbst gesteckten Ziel nach Kundenfreundlichkeit auch umzusetzen.

Nicht ohne Grund zählt schon heute die App der Deutschen Bahn zu den am meisten genutzten Aps im Land. Der DB Navigator ist so nutzerfreundlich wie kaum eine andere App eines Verkehrsunternehmens. Das sind nur erste, aber wichtige Schritte um den Kunden klar zu machen, dass sie (Fahr-) Gäste und keine Beförderungsfälle sind.

Die neue Vorstandsstruktur der Deutschen Bahn, vier Vorstände mussten gehen, zwei neue rücken auf, ist noch kein Garant für die neue Bahn. Oder, wir der Chefaufseher sagen würde, das macht die Bahn noch nicht „zukunftsfest“. Jetzt beginnt erst die Arbeit. Das Management kann sich nicht lange mit dem Einrichten beschäftigen, sondern es muss Ideen entwickeln um den Kundenschwund im Fernverkehr zu stoppen und den Güterverkehr endlich profitabel zu machen.

Viele Probleme sind nämlich aus hausgemacht und keine Folge verschärfter Konkurrenz. Fernbusse und Lkw allein sind nicht Schuld am Negativtrend der Bahn. Dazu haben Grube und seine alte Mannschaft auch selbst beigetragen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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