Kommunalversorger wollen lukrative Gewerbegebiete gegen Konkurrenten verteidigen
Netzbetreiber streiten um Strominseln

Der Markt ist neu und lukrativ: Konkurrenten versuchen den Stadtwerken zunehmend den Betrieb des Stromnetzes in einzelnen Wohngebieten und Gewerbeparks abzunehmen. „Das Potenzial ist enorm“, sagt Heiko Mevert, Geschäftsführer der Getec Net GmbH in Hannover.

DÜSSELDORF. Allein der Betrieb der Netze in den Arealen verspricht hohe Renditen. Gleichzeitig können sich die Netzbetreiber häufig auch auf einen Schlag die Stromlieferverträge mit den Pächtern sichern.

Wie rentabel die Strominseln sind, zeigt die Vehemenz, mit der die angestammten Versorger gegen das Geschäftsmodell vorgehen. Bislang allerdings ohne Erfolg: Das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) hat jüngst die Arealnetze für zulässig erklärt. Der unterlegene Frankfurter Kommunalversorger Mainova will den Fall jetzt aber vor den Bundesgerichtshof bringen. „Wir sind sicher, dass wir dort Erfolg haben werden“, sagt Vize-Vortstandschef Jürgen Wann. Sein Vorwurf: Arealnetzbetreiber picken sich nur die Rosinen – die lukrativsten Netzteile – heraus, Allgemeinversorger wie Mainova blieben auf den Lasten sitzen. Einer der Kontrahenten vor Gericht ist die Getec Net, die im Mainova-Gebiet für das neue Bürogebäude der Landesärztekammer Hessen ein Arealnetz betreiben will.

Der Fall gilt als Pilotverfahren. „Die Branche schaut gespannt auf den Mainova-Streit“, sagt Rechtsanwalt Werner Dorß von der Kanzlei Fritze Paul Seelig. Das OLG-Urteil komme einer Vorentscheidung gleich und habe Signalcharakter. Man könne jetzt davon ausgehen, dass Arealnetze zulässig seien. Getec-Net-Chef Mevert sieht das genauso: „Bisher waren wir vorsichtig in der Kundenakquise. Jetzt sind wir voll arbeitsfähig“. Viele Kunden befänden sich in der Warteschleife, allein in Frankfurt fünf.

In den vergangenen zwei Jahren hat Getec Net bereits 20 Arealnetze aufgebaut, aber nur in Regionen, in denen der örtliche Versorger kooperiert. Als Zugeständnis bekommt dieser häufig einen Stromliefervertrag. Andernorts laufen dagegen ähnliche Verfahren wie in Frankfurt.

Ziel der Getec Net sind vor allem Gewerbeparks oder Einkaufszentren – beispielsweise ein ehemaliges Gelände des Baukonzerns Holzmann in Frankfurt, wo ein Verteilnetz mit bis zu 40 Kunden entstehen soll. 5 bis 20 Kilowattstunden Strom müssen die Areale haben, damit sich der Netzbetrieb lohnt.

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