Kommunen und Einzelhandel alarmiert Karstadt-Mitarbeiter sind bereit zum Kampf

Die Beschäftigten von Karstadt-Quelle wollen die Zerschlagung großer Teile des Handelsimperiums nicht ohne Gegenwehr hinnehmen. Unterdessen verlangte Verdi vom Essener Vorstand Nachbesserungen am Sanierungskonzept und umfassende Beschäftigungs- und Lohngarantien. Der Gewerkschaft zufolge gebe es Alternativen zum Sanierungskonzept, hieß es am Mittwoch.

HB ESSEN/BERLIN. Während die Belegschaften aller 181 Karstadt- Kaufhäuser am Mittwoch über die geplanten Einschnitte informiert wurden, verlangte die Gewerkschaft Verdi vom Essener Vorstand der Karstadt-Quelle AG Nachbesserungen am Sanierungskonzept und umfassende Beschäftigungs- und Lohngarantien. Es gebe auch für die vom Verkauf oder der Schließung bedrohten Häuser Alternativen, betonte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane. „Wir verhandeln nicht nach dem Motto: Geld und Leben, sondern wir sagen, wir wollen Sicherheit für Arbeitsplätze und Einkommen haben, dann kann man über ein Sanierungskonzept und einen Solidarpakt reden.“

Dem Management des angeschlagenen Handelsriesen Karstadt-Quelle schlägt auf seinem Sanierungskurs auch aus den Belegschaften heftiger Gegenwind entgegen. Viele Beschäftigte haben zwar Angst um ihre Zukunft, sind aber auch verärgert: „Die Leute sind sauer auf den Konzernvorstand“, sagte Verdi-Handelsexperte Rüdiger Wolff nach den bundesweiten Betriebsversammlungen. Der Vorstand habe schließlich selbst eingestanden, zu spät gehandelt zu haben.

Die Entscheidung über mögliche Kampfmaßnahmen zum Erhalt der Arbeitsplätze soll aber erst nach Gesprächen mit der Essener Konzernspitze fallen. „Wir müssen erst einmal das Ergebnis abwarten“, sagte Wolff. Am kommenden Montag soll auf einer Tarifkonferenz mit dem Gesamtbetriebsrat und Mitgliedern der Tarifkommission in Kassel über das weitere Vorgehen beraten werden. Verdi will für die von der Schließung bedrohten Karstadt-Quelle- Filialen ein eigenes Standortsicherungskonzept vorlegen.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft sind bis zu 30 000 der 100 000 Stellen bei Karstadt-Quelle bedroht. Der Vorstand will rund die Hälfte der 181 Warenhäuser verkaufen oder sogar schließen. Mönig-Raane kritisierte im ZDF, dass mit dieser Planung Fakten geschaffen würden, „von Entlassungen, von Ausgliederungen, von Arbeitsplatzverlusten und -bedrohungen, bevor überhaupt der Versuch gemacht worden ist, ein gemeinsames Sanierungskonzept auf die Beine zu stellen.“

Unterdessen alarmiert die Karstadt-Krise auch Kommunen und Politiker. Vor allem die nordrhein-westfälische Landesregierung will sich in Sanierungsbemühungen einschalten. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft, Harald Schartau (SPD), sagte, er habe bereits Gespräche mit dem Vorstand der Karstadt Warenhaus AG und mit Verdi aufgenommen. Schartau begründete das Engagement der Landesregierung mit den „immensen Auswirkungen der Konzernpläne auf Nordrhein- Westfalen“.

SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter empfahl der Politik dagegen, sich herauszuhalten: „Ich sehe nicht, was die SPD oder die Bundesregierung oder wer auch immer hier in irgendeine Verantwortung bringen würde“, sagte er. „Die vielen Arbeitsplätze, die hier gefährdet sind, die haben die Manager auf dem Gewissen. Ich sehe nicht weshalb der Steuerzahler, die Allgemeinheit, jetzt für diese Managementfehler eintreten soll.“

Die Karstadt-Krise bedroht nach Einschätzung der Kommunen sogar ganze Innenstädte. „In mittelgroßen Städten kann das durchaus den Tod für die Stadtzentren bedeuten“, sagte Helmut Dedy, Wirtschaftsexperte vom Deutschen Städte- und Gemeindebund der dpa. Schon jetzt liege nur noch gut ein Drittel der Einzelhandelsflächen in den Innenstädten.

„Karstadt hat da eine Standortverantwortung“, sagte Dedy. „In kleineren Gemeinden kann ein Karstadt-Kaufhaus durchaus zwischen 30 bis 40 Prozent der gesamten Einzelhandelsfläche ausmachen.“ Der Konzern müsse daher mit den betroffenen Städten Konzepte für eine weitere Nutzung der Häuser erarbeiten. In den kommenden fünf Jahren rechnet der Saarbrücker Handelsexperte Prof. Joachim Zentes mit einem massiven Kaufhaussterben in Deutschland. „Bis zum Jahr 2010 hat jedes zweite Warenhaus in Deutschland keine Zukunft mehr“, sagte Zentes. „Wenn die Warenhäuser schließen, geht in vielen Innenstädten das Licht aus“, sagte er.

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