Kompromissangebot von Reisebüros zurückgewiesen
Lufthansa bleibt im Provisions-Streit hart

Im Streit um die gestrichenen Provisionen für Flugtickets haben die Reisebüros der Lufthansa eine außergerichtliche Lösung angeboten. Die Fluggesellschaft hält allerdings trotz einer Verbandsklage der Reisebüros an ihrem neuen Verkaufmodell fest.

HB PALMA DE MALLORCA. Die Lufthansa wies am Freitag einen Kompromissvorschlag des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV) zurück. „Wir sind überzeugt davon, dass unser Modell vor Gericht Bestand haben wird“, sagte eine Unternehmenssprecherin.

DRV-Präsident Klaus Laepple hatte zuvor auf der Jahrestagung seines Verbandes überraschend angeboten, die Klage beim Landgericht Frankfurt wieder zurückzuziehen, wenn Lufthansa zu einem offenen Gespräch über eine außergerichtliche Lösung bereit sei. Lufthansa hat im September ihre Provisionen für den Verkauf von Flugtickets für Reisebüros in Deutschland ersatzlos gestrichen. Die Reisebüros verlangen nun zwischen 30 und 45 € Serviceentgelt von den Kunden. Lufthansa hat allerdings die bisherigen Preise beibehalten und streicht die Provisionen selbst ein, so dass für Kunden die Flugpreise sich um das neue Serviceentgelt verteuern. Zuvor blieb den Reisebüros bis zu neun Prozent des Flugpreises automatisch als Provision.

„Lassen Sie uns offen und ergebnisorientiert miteinander sprechen“, appellierte Laepple vor rund 700 Vertretern der deutschen Touristikwirtschaft an die Lufthansa. Es müsse eine marktgerechte Lösung gefunden werden, damit Reisebüros für Leistungen, die sie eindeutig für eine Fluggesellschaft erbringen, auch entschädigt würden.

Lufthansa verwies darauf, dass 32 in Deutschland aktive Fluggesellschaften und damit mehr als drei Viertel des Marktes auf Provision schon jetzt oder in Kürze verzichten würden. „Dialog ist immer gut“, sagte die Lufthansa-Sprecherin. „Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Nettopreismodell erfolgreich in Deutschland eingeführt wurde, sich mittlerweile fast flächendeckend in Europa durchgesetzt hat und auch weltweit Nettopreise ein Fakt sind.“ Man sei gern bereit, mit dem DRV darüber zu sprechen, „wie die Branche den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter beschreiten kann“, fügte sie hinzu. Doch ein Zurück gebe es nicht mehr.

Die Fluggesellschaft blieb der diesjährigen Tagung in Palma de Mallorca erstmals fern, was in der Branche auf den erbitterten Streit um die Provisionen zurückgeführt wird.

Der DRV hatte Lufthansa scharf angegriffen und der Fluggesellschaft vorgeworfen, auf Kosten der Reisebüros eine Preiserhöhung durchzusetzen. Etliche Reisebüro versuchten im Frühjahr mit einem Verkaufsboykott Lufthansa zur Abkehr von ihrem Plan zu zwingen. Dies scheiterte allerdings, weil große Geschäftsreisebüroketten das so genannte Nettopreismodell akzeptierten, das im Firmenkundengeschäft schon länger praktiziert wird. Vor allem kleinere Reisebüros rechnen unter dem Nettopreismodell mit Einbußen.

Allerdings hat der Großteil der Betroffenen die neuen Verträge unterschrieben. Der Vorstoß des DRV wurde bei den Reisebüros als letzter Versuch gesehen, außergerichtlich zumindest einen Teil der Kosten, die durch den Verkauf von Flugtickets entstehen, von Lufthansa erstattet zu bekommen. Allerdings werden die Erfolgschancen für die Klage sehr unterschiedlich gesehen. Etliche Touristiker bezweifeln, dass der DRV vor Gericht ein Erfolg erzielen kann.

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