Konjunktur-Signal
Die Zeitarbeit feiert ihr Comeback

Geht es mit der Wirtschaft berab, sinkt auch die Zahl der Zeitarbeiter. Die Branche galt darum als einer der größten Verlierer der Krise. Doch jetzt geht es wieder aufwärts. Die Branchenführer blicken optimistisch in die Zukunft. Denn flexibles Personal wird für die Wirtschaft immer wichtiger.
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MÜNCHEN/FRANKFURT/ZÜRICH. Die Geschäfte der führenden Personaldienstleister ziehen wieder an. Nach Branchenführer Randstad meldete gestern auch Adecco im dritten Quartal eine Belebung. „Erst war es nur die Finanzbranche, jetzt hat sich die positive Entwicklung etwas verbreitert“, sagte Konzernchef Patrick de Maeseneire. Auch Konkurrent Randstad sieht eine Trendwende: „Das Deutschland-Geschäft hat während des gesamten Quartals wieder angezogen“, meldete der Branchenprimus in der vergangenen Woche. Nachdem zunächst die Nachfrage aus dem Bankensektor gestiegen ist, fragt nun vor allem auch die Industrie wieder verstärkt Leiharbeiter nach. Das gilt für Nordamerika und Frankreich, etwas verhaltener aber auch in Deutschland.

Laut Bundesverband Zeitarbeit steigen seit Mai die Beschäftigtenzahlen der Branche in Deutschland kontinuierlich. Das deutet auf ein langsames Anziehen der Wirtschaft hin. Die Zeitarbeit gilt als einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren. In Krisenzeiten werden Zeitarbeiter am schnellsten entlassen – weil das am einfachsten ist. Bei den ersten Anzeichen einer Erholung werden sie aber auch als Erste wieder engagiert – weil sich Unternehmen so eine gewisse Flexibilität erhalten.

Insgesamt liegen die Umsätze der großen Personaldienstleister aber immer noch unter Vorjahr. Dennoch zeigt das Quartalsergebnis von Adecco die erhoffte Trendwende. Zwar ist der Konzerngewinn gegenüber dem Vorjahr um knapp die Hälfte auf 90 Mio. Euro eingebrochen. Im Vorquartal steckte Adecco jedoch noch tief in den roten Zahlen. Besonders deutlich ist die Ertragswende in Deutschland. Nach einem Verlust von drei Mio. Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im zweiten Quartal erwirtschaftete Adecco zwischen Juli und September einen Gewinn von 20 Mio. Euro. Die Erlöse verbesserten sich leicht auf 240 Mio. Euro. Insgesamt erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 3,7 Mrd. Euro.

Deutschland ist für die Branche erst seit 2003 richtig interessant: Damals lockerte die rot-grüne Bundesregierung der Leiharbeit die Fesseln, seitdem dürfen Zeitarbeiter beispielsweise länger als ein Jahr in einem Unternehmen eingesetzt werden. Für Politik und Wirtschaft war das zunächst eine Erfolgsgeschichte: 60 Prozent der Zeitarbeiter waren zuvor arbeitslos. Kaum eine Branche hat vom Aufschwung in den Boomjahren 2005 bis 2008 so profitiert wie die Personalvermittler. Kaum eine Branche wurde aber auch so vom Absturz im vergangenen Herbst getroffen wie die fast 20 000 Personalvermittler in Deutschland.

Doch nun zeichnet sich eine Wende ab: In Deutschland zeigen die Beschäftigtenzahlen seit Mai wieder nach oben. Dem Zeitarbeitsindex des Bundesverbandes Zeitarbeit zufolge sind seitdem 71 000 neue Jobs entstanden, die allerdings zum Teil auf eine saisonübliche Entwicklung zurückzuführen sind. Aktuell sind damit 588 000 Menschen in der Zeitarbeitsbranche beschäftigt. Noch vor einem Jahr beschäftigten die Personaldienstleister allerdings im Schnitt 200 000 Menschen mehr in Deutschland.

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  • SPD und Grüne haben Leiharbeit salonfähig gemacht, die christlich-konservativen danken es ihnen, die ungeliebten und ungerechten Massnahmen ergriffen zu haben und von den Konsequenzen verschont zu bleiben: in Verbindung von Hartz-Gesetzen und den Änderungen zu Arbeitnehemerüberlassunsgegsetzen haben sich Schröder, der verurteilte Peter Hartz und vor allem "Superminister" Clement auf Kosten der Arbeitslosen und Leiharbeiter "profiliert":
    und vor allem Clement als jetziges Aufsichtratsmitglied bei Adecco hat gezeigt, dass man "füher an später" denken muss. Da dürfen Moral und ehemalige SPD-Prinzipien gerne auf der Strecke bleiben.

  • @ ex-leiharbeiter

    Ja, genauso sehe ich es auch. Es geht nur um Lohndumping. Wenn es nur um die gepriesenen Kapazitätsspitzen ginge, könnten sie ja auch so bezahlt werden wie ihr Kollegen.

    @ berufswahlnavigator

    Glauben sie bei ca. 10Mio Arbeitslosen und einem ständig sich veringernden Exportaufkommen an einen Fachkräftemangel? bei dieser Fachkräftelüge geht es nur daru, in 2 Jahren das Tor für billige Arbeitskräfte aus dem Osten weit öffnen zu können.

    Wir haben keine Fachkräftemangel, sondern einen Mangel an Willen Arbeitskräfte zu bezahlen.

  • Leiharbeit verschärft den Fachkräftemangel

    Die Leiharbeit in Deutschland zu entfesseln, war eine der vielen rot-grünen Fehlentscheidungen.
    Leiharbeit trägt zum beispiel auch zur Verschärfung des Fachkräftemangels bei.
    Arbeitnehmerüberlasser bilden selbst nicht aus. Die Gründe dafür liegen
    laut bundesinstitut für berufsbildung in fehlenden Ausbildungsvoraussetzungen in den Zeitarbeitsfirmen. Es fehlen die notwendigen Maschinen und Anlagen um im gewerblich-technischen bereich Ausbildungsberechtigungen zu bekommen.

    Wenn aber in Deutschland die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen allgemein weiter schrumpft, stehen auch die Verleihfirmen, und letztendlich die gesamte Volkswirtschaft vor einem Dilemma.
    Denn woher sollen die ach so dringend benötigten Fachkräfte kommen?

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