Konjunkturhilfen
Kliniken lösen den Investitionsstau auf

Dank staatlicher Konjunkturhilfen können deutsche Krankenhäuser ihre Gebäude und Geräte modernisieren. Davon profitiert vor allem die Medizintechnikbranche. Trotz Krise können die Unternehmen ein Umsatzwachstum vermelden - und werden damit interessant für Investoren.
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BERLIN. Für die Krankenhäuser ist es ein segensreicher Geldregen: Bundesweit erhalten sie rund 1,2 Mrd. Euro aus dem Konjunkturpaket II. Das Geld dient der Modernisierung der Gebäude - aber auch der Erneuerung der technischen Ausstattung. Von Röntgengeräten und radiologischen Informationssystemen über Endoskope und Beatmungsgeräte bis hin zu neuen Patientenbetten und OP-Leuchten findet sich das gesamte Spektrum der Krankenhaustechnik.

Wegen der guten Geschäftsaussichten zeigen Investoren verstärktes Interesse an Medizintechnikunternehmen. Etwa die Hälfte der Mittel aus dem Konjunkturpaket fließt über Ausgaben für neue Geräte an diese Firmen, schätzt der Branchenverband Spectaris. Die Hersteller bildgebender Technologien dürften am stärksten profitieren: Röntgengeräte, Ultraschallsysteme oder Operationsmikroskope stehen ganz oben auf der Wunschliste der Krankenhäuser.

Viele Ausgaben sind schon bewilligt. Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen wird einer Liste der Landesregierung zufolge einen neuen Computertomographen in Kombination mit einem Positronenemissionstomographen anschaffen. Kosten: 1,75 Mio. Euro. Die Klinikkette Vivantes investiert nach einer Liste des Berliner Finanzsenats sieben Mio. Euro direkt in neue Medizintechnik - darunter zwei Angiographieanlagen zur Gefäßdiagnostik, ein Magnetresonanztomograph, OP-Tische und Leuchten. Viele Krankenhäuser haben auch Bauförderungen beantragt. So werden die Ruppiner Kliniken im Land Brandenburg die 8,8 Mio. Euro aus dem Fördertopf für die Sanierung der kardiologischen Abteilung nutzen.

Ulrich Krauss, Vorsitzender des Fachverbands Medizintechnik, hält die Einbeziehung der Krankenhäuser in das Konjunkturpaket für eine gute Möglichkeit, um die Wirtschaft anzukurbeln und zugleich den Investitionsstau in deutschen Krankenhäusern anzugehen. Die Medizintechnikbranche brauche aber keinen eigenen "Rettungsschirm", sagt Krauss. Die Unternehmen seien relativ konjunkturunabhängig.

Trotz Krise erzielten die deutschen Medtech-Firmen 2008 ein Umsatzwachstum von 2,5 Prozent. Für dieses Jahr erwartet die Branche zwar wegen sinkender Exporte ein leichtes Minus. Teilweise fangen aber die steigenden Verkäufe in den asiatischen Ländern den Rückgang wieder auf.

Investoren sehen in der Medizintechnik einen sicheren Hafen. "Zwar ist durch die Finanzkrise weniger Geld da, davon fließt aber überproportional viel an Medizintechnikunternehmen", sagt Bernhard Schirmers, Partner der Beteiligungsgesellschaft SHS. Das liege auch daran, dass die Investoren risikoscheuer geworden seien. "In der Arzneimittelentwicklung ist das Risiko wesentlich höher. Die auf den Healthcare Sektor spezialisierten Investmenthäuser verlagern ihren Schwerpunkt daher auf die Medizintechnik", sagt Schirmers.

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