Konkurrentenschelte
Ernst & Young-Chef kritisiert Deloitte scharf

Wirtschaftsprüfer Herbert Müller war "zutiefst erschrocken" über die Fusionspläne des Konkurrenten mit Roland Berger. Der Zusammenschluss wäre laut Müller ein Rückschritt in die dunkelsten Kapitel der Beraterbranche gewesen.
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STUTTGART. Ernst & Young-Chef Herbert Müller wählte harte Worte: "Ich war zutiefst erschrocken, dass unser Konkurrent Deloitte mit dem Beratungsunternehmen Roland Berger zusammengehen wollte", sagte er gestern in der Firmenzentrale in Stuttgart. "Eine solche Fusion hätte alle Lehren aus der Zeit der Bilanzskandale Ende der 1990er Jahre missachtet."

Damals hatten alle großen Wirtschaftsprüfer ihr Beratungsgeschäft verkauft - bis auf Deloitte. Aus Sicht Müller gehören Wirtschaftsprüfung und Strategieberatung nach wie vor nicht zusammen. Das machte er bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz vor dem Stabwechsel an Georg Graf Waldersee im nächsten Jahr deutlich: "Es ist nicht die Aufgabe des Prüfers, die Strategie zu gestalten, sondern nur sie zu prüfen."

Auch bei der Fusion von Ernst & Young und der Prüfungsgesellschaft Arthur Andersen im Jahr 2002 habe es zwar große kulturelle Differenzen gegeben. "Doch zwischen einer Strategieberatung und einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sind die Kulturunterschiede so groß, dass ich von Anfang an das Gefühl hatte: Der Deloitte-Chef begeht einen Fehler", sagt Müller. Es sei gut für alle Beteiligten, dass der Zusammenschluss nicht zustande kommt. Die Fusion war vor wenigen Tagen am Veto der Partner von Roland Berger gescheitert.

Es sei eine Provokation der Regulierer, eine solche Fusion in Zeiten anzugehen, in denen die EU-Kommission eine strikte Trennung von Prüfung und Beratung vorschlägt, sagte Müller. Zugleich warnte er vor einer noch stärkeren Regulierung der Prüfungsbranche als Konsequenz aus der Finanzkrise. "Ich warne davor, die Wirtschaftsprüfung komplett zu verstaatlichen." Auch Behörden wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hätten die Krise nicht vorhergesehen. Zudem verfüge kein Amt über die nötige Kompetenz, um den am besten geeigneten Wirtschaftprüfer auszusuchen, ergänzte Müller. "Stattdessen müssen wir unsere Mitarbeiter zu unabhängigen Persönlichkeiten ausbilden, die nicht nur kompetent, sondern auch starker Gesprächspartner für die Aufsichtsräte sind."

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