Konkurrenz durch Aldi und Lidl: Tesco schlägt radikalen Sparkurs ein

Konkurrenz durch Aldi und Lidl
Tesco schlägt radikalen Sparkurs ein

Filialen schließen, Dividende aussetzen, milliardenschwere Vermögenswerte verkaufen: Die britische Supermarktkette beginnt 2015 mit einem riesigen Sparprogramm – und will sich so gegen die deutschen Discounter rüsten.
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Kahlschlag bei Tesco: Die britische Supermarktkette will ihr Geschäft radikal umbauen. Das Hauptquartier in Cheshunt sowie 43 nicht profitable Filialen sollen geschlossen werden, kündigt Tesco am Donnerstag an. Zudem will der neue Geschäftsführer Dave Lewis Vermögenswerte von mehreren Milliarden Pfund veräußern, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

„Wir müssen einige schwierige Änderungen angehen“, sagte Lewis in einem Statement. Ihm sei bewusst, dass die Konsequenzen dieser Veränderung für alle Aktieninhaber signifikant seien, aber man stelle sich der „Realität der Situation“. Das Hauptquartier wird nun nach Welwyn Garden City verlegt. Mit ihrem straffen Plan will die Supermarktkette künftig 250 Millionen Pfund jährlich sparen und ihre Kosten um 30 Prozent reduzieren.

Zum Sparprogramm gehört auch die Erwägung, das Rentenprogramm zu beenden, und die Dividendenzahlungen auszusetzen. Teil des Umbaus ist das Lebensmittelgeschäft. So will die Supermarktkette ihre Öffnungszeiten ändern und künftig auch einen Streaming-Service für Filme anbieten, sagte Lewis am Donnerstag. Tesco will zudem die Preise von hunderten Markenprodukten senken. Im Gegenzug zu den geschlossenen Filialen plant der Einzelhändler 49 Neueröffnungen.

Für das dritte Quartal berichtet Tesco ein Minus von 2,9 Prozent für Großbritannien. Im zweiten Quartal hatte der Rückgang noch bei 5,4 Prozent gelegen. Auch in Asien und auf dem restlichen internationalen Markt schwächelten die Briten. In Europa konnte die Unternehmensgruppe zwar ein Plus von einem Prozent verbuchen, für den gesamten Konzern lag das Minus trotzdem bei 2,7 Prozent. Der Handelsgewinn werde in dem im Februar endenden Geschäftsjahr nicht die Marke von 1,4 Milliarden britischen Pfund überschreiten, sagte Lewis. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 3,3 Milliarden Pfund.

Zur Weihnachtszeit konnte das Unternehmen mit seinen englischen 3300 Filialen wenigstens einen kleinen Erfolg feiern: Die Supermarktkette verkaufte mehr als von Analysten erwartet, berichteten die Briten. Der Weihnachtsabsatz lag lediglich 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert, inklusive von Treibstoffverkäufen kam Tesco sogar auf ein minimales Plus von 0,1 Prozent.

Mit dem Strukturwandel reagiert Tesco auf die voraussichtlich schwächsten Erträge seit mindestens einem Jahrzehnt sowie die Konkurrenz durch Aldi und Lidl. Die beiden Discounter locken mit niedrigen Preisen immer mehr Kunden in ihre Geschäfte. Im vergangenen Jahr bekam die britische Supermarktkette dies besonders durch sinkende Erträge zu spüren, im Dezember musste sie sogar eine Gewinnwarnung herausgeben. Hinzu kam 2014 ein Bilanzfehler, der den Gewinn der britischen Supermarktkette um rund 200 Millionen Pfund überschätzte.

Tesco-Chef Lewis ist erst seit Juli 2014 im Amt. Sein Vorgänger Philip Clarke war damals auch wegen des großen Drucks zurückgetreten. Nun liegt es an Lewis, Tesco wieder konkurrenzfähig zu machen.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin
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Bloomberg / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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