Konkurrenz durch Onlinehandel

Möbelhäuser fürchten um Spontankäufer

Vasen, Kissen oder Pfannen sind im Möbelhandel kein Kleinkram, sondern lukratives Zusatzgeschäft. Das Vordringen des Onlinehandels schürt Ängste vor dem Ausbleiben der Spontankäufer. Die Branche steht vor einem Umbruch.
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Vasen gelten im Möbelhandel als beliebte Klassiker unter den ungeplanten Spontankäufen beim Besuch eines Möbelhauses. Quelle: dpa
Onlinehandel bedroht Möbelhäuser

Vasen gelten im Möbelhandel als beliebte Klassiker unter den ungeplanten Spontankäufen beim Besuch eines Möbelhauses.

(Foto: dpa)

KölnOrkan oder laues Lüftchen? Mit der Möbelbranche gerät eine weiter Bastion des deutschen Einzelhandels in den Sog des Internetshoppings. Über die Auswirkungen des Wandels streiten die Experten. Die Schätzungen reichen von einem geruhsamen Umbau bis zu einer stürmischen Umwälzung. Experten gehen davon aus, dass derzeit nur ein vergleichsweise geringer Anteil des Gesamtumsatzes des deutschen Möbel- und Küchenhandels von gut 31 Milliarden Euro im Internet erzielt wird.

Gerät etwa lediglich das lukrative Geschäft mit Spontankäufen von sogenannten Wohnaccessoires wie Vasen oder Kerzenhaltern in Gefahr, oder ist gleicht die ganze Branche mittlerweile eine „Insel in einem Zustand des aufkeimenden Bürgerkriegs“?, wie der Branchendienst „Etailment“ in einer „Abrechnung mit dem Möbelhandel“ schrieb.

Vasen gelten im Möbelhandel als beliebte Klassiker unter den ungeplanten Spontankäufen beim Besuch eines Möbelhauses. Wer es schafft, die Kasse ohne neues Blumenbehältnis zu passieren, hat nach Beobachtungen von Handelsfachleuten vielleicht eine neue Bettdecke oder Bratpfanne im Gepäck.

Das kaufen die Deutschen im Netz
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Äpfel, Nuss und Mandelkern – kaufen Deutsche übers Internet nur ungern. Bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs sind sie besonders skeptisch. Lediglich 15 Prozent der Befragten haben schon mal derartige Produkte bei Lidl, Rewe und Co. online bestellt. Quelle: Für die Studie hat das Statistische Bundesamt im April und Mai des vergangenen Jahres 12.000 Haushalte und die in diesen Haushalten lebenden Personen befragt.

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Auch bei Telekommunikationsdiensten wie DSL- oder Handyverträgen sind die Deutschen zurückhaltend (25 Prozent).

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Zudem werden Arzneimittel aus Versandapotheken im Internet vergleichsweise wenig nachfragt – 28 Prozent.

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Dagegen haben 31 Prozent der Befragten schon einmal Videospiele, Software, Hardware und anderes Computer-Zubehör im Netz bestellt. Sie eint der neunte Platz in der Rangliste.

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Elektroartikel werden zwar weitestgehend immer noch im Fachmarkt verkauft. Doch 37 Prozent ordern ihre Batterien, Kopfhörer oder Kaffeemaschinen bereits per Mausklick.

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Klassische Videotheken sterben aus. Stattdessen beschaffen sich 38 Prozent der Deutschen ihre Lieblingsfilme sowie Musik online.

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Wer Konzerttickets sucht, schaut häufig im Netz nach. Eintrittskarten für Veranstaltungen ordern bereits 43 Prozent der Deutschen online.

Derartiges Wohnzubehör gilt in der Branche nicht etwa als zu vernachlässigender Kleinkram, sondern als lukratives Zusatzgeschäft in einem hart umkämpften Markt. Mit dem Vordringen des Onlinehandels wachsen nun die Befürchtungen vor einem Ausbleiben der Spontankäufer.

„Wer sucht im Internet schon gezielt nach einer neuen Vase?“, fragt der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung, Kai Hudetz. „Bei vielen Deko-Sachen muss der Kunde erst merken, dass er sie gern hätte“, beschreibt Hudetz den Effekt.

So hat der deutsche Möbelhausprimus Ikea im vergangenen Jahr nach Schätzung von Experten mehr als die Hälfte des Umsatzes von 4,12 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2014/Stichtag 31.8.) in seinen derzeit 49 deutschen Einrichtungshäusern mit Wohnaccessoires erwirtschaftet. Offiziell macht das Unternehmen dazu jedoch keine Angaben.

Dementsprechend gering fällt bei Ikea mit 145 Millionen Euro der Anteil des Onlineumsatzes am Gesamtumsatz aus. Immerhin hatte der Primus unter den deutschen Möbelhändlern seinen Online-Umsatz im vergangenen Jahr um 58,4 Prozent steigern können.

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1 Kommentar zu "Konkurrenz durch Onlinehandel: Möbelhäuser fürchten um Spontankäufer"

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  • Man muss es bei IKEA auch so sehen, dass IKEA ein Sozialkontaktbefriedigungsbedürfnis bedient. Man kann dort auch hingehen, ohne gleich von fünf frustrierten Möbelverkäufern beobachtet oder sogar belästigt zu werden. IKEA ist nebenbei ein Ausflugsziel mit Restaurantbesuch. Das kann keine andere Möbelvertriebseinrichtung erfüllen. Von daher wird IKEA weiter große Verkaufsflächen haben, während andere Kleine immer mehr verdunsten werden, denn der gutsituierte Bürger in Deutschland ist für Generationen bereits versorgt.

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