Konsolidierung: Airlines spielen Flughäfen gegeneinander aus

Konsolidierung
Airlines spielen Flughäfen gegeneinander aus

Das sich immer schneller drehende Übernahmekarussell in der europäischen Luftfahrt könnte einen großen Verlierer haben: die Flughäfen. Experten warnen davor, dass die Zahl der Kunden schrumpft und die verbleibenden Gesellschaften die Airports etwa bei der Festsetzung von Gebühren unter Druck setzen werden. Ein Abschmelzen der Margen und Renditen wäre die Folge.

FRANKFURT. "Wir fühlen uns schon unter Druck, etwa bei den Gesprächen über Gebühren", räumt Ralph Beisel ein, Chef des Flughafenverbandes ADV: "Wir haben immer weniger Verhandlungspartner, die aber gleichzeitig immer mächtiger werden."

Eine Sorge, die auch viele Politiker teilen - fürchten sie doch um die künftige Bedeutung ihrer nationalen Flughäfen. So war die Rolle Wiens als Drehkreuz ein Thema bei den Gesprächen mit Lufthansa über den Einstieg bei der österreichischen AUA. Auch in Italien, wo die Suche nach einem internationalen Partner für die angeschlagene Alitalia kurz vor dem Abschluss steht, kämpft die Politik für einen Erhalt Mailands als europäische Drehscheibe.

Ob diese Bemühungen allerdings langfristig erfolgreich sein werden, scheint zweifelhaft. Die Flughäfen kommen gleich von mehreren Seiten unter Druck: Zum einen verschwinden derzeit viele Fluggesellschaften wegen der Wirtschaftskrise. Einige von ihnen müssen Insolvenz anmelden, andere schlüpfen bei großen Anbietern wie Lufthansa oder Air France-KLM unter. Dadurch sinkt de facto die Zahl der möglichen Geschäftspartner für die Airports.

Eine zweite Gefahr ist die zunehmende Macht der verbleibenden Fluggesellschaften. Schon heute dominieren die großen Unternehmen wichtige Flughäfen. Lufthansa spielt etwa in Frankfurt und München eine führende Rolle als Geschäftspartner. Air Berlin wiederum hat diese Rolle in Berlin eingenommen, Tuifly dagegen ist der wichtigste und größte Kunde des Flughafens in Hannover. Die Airport-Manager sind angesichts dessen natürlich darum bemüht, ihre Hauptkunden zu halten.

Doch genau das dürfte künftig immer schwieriger werden. "Bereits heute herrscht ein starker Wettbewerb um Airlines und Strecken untereinander und mit anderen europäischen Flughafen-Standorten", sagt Beisel vom ADV. Diese Situation dürfte sich verschärfen. So kündigte der Billigflieger Ryanair sofort Streckenkürzungen am Flughafen Hahn an, als dieser kurz vor Weihnachten die Einführung einer neuen Passagiergebühr bekannt gab. Hahn - der Frankfurter Flughafen-Betreiber Fraport hält 65 Prozent der Anteile - will mit der Zusatzgebühr endlich aus den roten Zahlen kommen. Gleichzeitig ist Ryanair aber ein wichtiger Kunde des Airports.

Durch die Konsolidierung könnten Airlines solche Streckenkürzungen künftig viel einfacher umsetzen und auf Alternativplätze ausweichen. Welche Szenarien sich auftun, zeigt etwa der Blick auf die Karte der Lufthansa-Flughäfen in Deutschland. So könnte der Konzern etwa seine Flüge nach Nordeuropa, die bislang über Hamburg abgewickelt werden, bei einem Einstieg bei der SAS künftig auch über Kopenhagen managen.

Ob und in wieweit tatsächlich Verkehre etwa aus Deutschland heraus verlagert werden, ist dabei zunächst zweitrangig. Letztlich haben die Airlines an ihren Hauptdrehkreuzen viel in Infrastruktur investiert, deren Verlagerung wiederum Geld kosten würde. Allerdings könnten die Airports alleine mit der Verlagerungsdrohung gegeneinander ausgespielt werden. "Der Druck auf deutsche Flughäfen erhöht sich, da wir einem Nachfrage-Oligopol gegenüberstehen", warnt Beisel.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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